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 Arenal
 
 
 © Volker Dannenmann    
Playa de Palma bei Arenal  
In Arenal ist der “Qualitätstourismus” noch in weiter Ferne 5,5 Kilometer Strand. 40 Meter breit. Das ist die Playa de Palma, die Touristenhochburg der Balearen schlechthin. Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb. Im Winter sind viele der Hotels verwaist. Für viele Urlauber ist Playa de Palma = Ballermann 6 = Arenal. Dem ist jedoch offiziell nicht so. Denn sämtliche Balnearios zählen zur Playa de Palma und damit zu Palma. Erst südlich davon beginnt mit Arenal die Gemeinde Llucmayor. Doch so verkehrt ist diese Gleichung auch nicht. Denn die drei Begriffe stehen für die gleiche Sache: Massentourismus

In einem trockenen Flußbett spielen ein Dutzend mallorquinische Kinder Fußball. Gekickt wird auf zwei Tore, die aus zusammengeschraubten Eisenstangen gebastelt wurden. Der herumflatternde Müll wie Coladosen, Wasserflaschen, Plastiktüten oder alte Zeitungen stört die kleinen Ronaldos wenig. Die Jungs, die hier in der Abendsonne Fussball spielen, wohnen auf beiden Seiten des torrents. Dies ist ihre Heimat, hier sind sie inmitten der Touristenhorden großgeworden. Hier in Arenal, hier an der Playa de Palma - zwei Ortsbezeichnungen, die nicht nur für die fußballspielenden Kinder unzertrennbar sind.



Playa de Palma = Ballermann 6 = Arenal ?

Doch was zumindest von den Abertausenden von Urlaubern kaum jemand weiß, die Realität sieht anders aus. Denn die Playa de Palma und Arenal sind zwei verschiedene Orte. Die Playa gehört, wie der Name es schon sagt, zu Palma, auch verwaltungstechnisch. Die Einwohner von Arenal zählen zur Gemeinde Llucmayor. Und genau im torrent, in dem nach heftigen Regengüssen das Wasser ins Meer abläuft, verläuft die Grenze zwischen den beiden größten Amüsiermeilen der Balearen.

Dieser kleine Unterschied dürfte für die meisten Urlauber genauso wenig von Bedeutung sein wie für die meisten Anwohner. Sie assoziieren mit diesen Touristenhochburgen sowieso in erster Linie sturztrunkene, literweise sangriakippende und saufliedergrölende Urlauber. Meistens sind es Deutsche, Holländer, Skandinavier oder Engländer. Bei den beiden Gemeinden, vor allem in Llucmayor, sieht das aber mit Sicherheit ganz anders aus. Freiwillig hergeben möchte aber weder Palma noch Llucmayor auch nur einen Meter dieses Terrains. Denn hier wird Umsatz gemacht. Die Kasse klingelt in den Kneipen und Freßbuden. Und damit auch im Stadtsäckel. Nichts anderes zählt, alles andere ist unwichtig. Und frei dem Motto “Ist der Ruf erst ruiniert...” leben die Anwohner hier schon seit Jahren ganz ungeniert in friedlicher Koexistenz mit den sich - vor allem im Sommer - gern zur Schau stellenden Billigurlaubern. Billig insofern, als daß man schon ab 250 Euro eine Woche am Spektakel teilhaben darf. Und daß man sich mit einem meist durchgelegenen Bett, einer Dusche und einem Balkon mit Blick auf das gegenüberliegende Hochhaus zufrieden gibt. Meerblick muß ja nicht unbedingt sein, darauf glotzen die meisten ja schließlich schon den ganzen Tag während des Marathon-Grillfestes am Strand. Und wer Ruhe haben will, bucht schließlich nicht Arenal.

So wie Klaus, 32, und Beate, 31, aus Salzgitter, die sich zwecks Entspannung und Erholung in einem Landhotel im Landesinneren eingemietet haben. Von hier aus unternehmen sie dann Tagesausflüge, zum Beispiel nach Arenal. “Natürlich müssen wir uns das hier mal anschauen, das gehört ja schließlich schon zur Allgemeinbildung”, sagt Beate. Auch Klaus, der an der Uni Braunschweig seine Brötchen verdient, scheint sichtbar beeindruckt: “Hier geht ja richtig die Post ab.”

sehen.. und gesehen werden...

Die beiden jungen Intellektuellen aus Niedersachsen sind ein Spiegelbild vieler deutscher Mallorca-Urlauber. Natürlich würde keiner von ihnen freiwillig eine Nacht an der Playa de Palma oder in Arenal verbringen. Aber ohne eine Stippvisite am Ballermann glaubt fast jeder, etwas in seinem Urlaub verpaßt zu haben.
Was natürlich so unwahr auch nicht ist. Denn wo sonst tragen die jungen Mädchen ihre an manchen Stellen hochgepushten Bodys so schamlos zur Schau. Wo sonst kann man solch eine Vielfalt von Tattoo-Kunst auf mehr oder weniger gestählten Männer- und Frauenfleischbergen bewundern. Und wo sonst kann man so eine breite Palette von unterschiedlichen Hautpikmentierungs-Graden - sie reicht von schneeweiss über knallrot bis zu tiefbraun - bestaunen. Und wo sonst sitzen glückliche Menschen in Bars, die “Klaps-Mühle” heißen? Einer der Zufriedenen ist Rainer aus Gladbeck. “Ich fühl mich hier pudelwohl. Hab’hier schon nette Kumpels aus dem Ruhrgebiet kennengelernt. Und Sprachprobleme gibt’s überhaupt keine. Die Preise für Sangria und Kartoffelsalat sind schön auf Deutsch ausgeschrieben”, schwärmt der 29jährige Gabelstaplerfahrer. Daß in Arenal fast nur häßliche, renovierungsbedürftige Hochhäuser stehen und alles ein bißchen heruntergekommen aussieht, stört auch Rainers Verlobte Helga, 24, wenig: “Wir sind sowieso die meiste Zeit am Strand oder in der Kneipe. Wem das nicht reicht, der kann sich ja einen Mietwagen nehmen und durch die Landschaft düsen. Uns ist das aber viel zu stressig im Urlaub.”

Ansichtssache

Doch Arenal ist nicht gleich Arenal. Es gibt hier auch Gegenden, wo dieses Klischee nicht zutrifft. Man braucht nur den gepflegten Segelhafen “Club Náutico de S’Arenal” passieren, dann taucht man sofort in eine andere Welt ein: Schöne mallorquinische Fincas mit gepflegten, angelegten Gärten. Kein Dreck, kein Müll, keine Anzeichen von Armut, wie sie teilweise zwischen den Hotelklötzen von Arenal zu entdecken sind.
Die Bewohner dieser Idylle gehören zum gehobenen Mittelstand. Und freiwillig trennt sich hier auch keiner von seinem Haus. Denn die Wohnlage ist für mallorquinische Verhältnisse einfach optimal: direkt am Meer, ruhig gelegen und zehn Minuten mit dem Auto von Palma - genauer gesagt vom Zentrum der Balearen-Hauptstadt - entfernt. Denn die Stadtgrenze Palmas verläuft ja nur wenige Meter entfernt. Im torrent, in dem die kleinen mallorquinischen Ronaldos immer noch Fußball spielen.

In Zahlen:

Arenal gehört zu der Gemeinde Llucmayor, die mit einer Ausdehnung von 325 Quadratkilometern die größte der Balearen ist. Ihre Küstenlinie von 42 Kilometern reicht von Arenal bis Estanyol. Das Klima ist in dieser Gegend ausgesprochen mild und angenehm. Die Durchschnittstemperaturen liegen im Sommer um die 26 Grad, im Winter durchschnittlich bei 14 Grad. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 70 Prozent. Die Sonne scheint an mehr als 300 Tagen auch für hiesige Verhältnisse überdurchschnittlich oft. Zum Leidwesen der Obstbauern regnet es dafür entsprechend wenig, die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt meist unter 450 Millimetern pro Jahr. Die gegenwärtige Einwohnerzahl der Gemeinde Llucmayor beträgt ca. 33.200. Davon leben ca. 10.000 in Arenal.

Einwohner 2007: 33.222 ( Lllucamajor ) - davon 10.000 (Arenal)




 
  
 
 
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