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 Capdepera
 
 
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Die Festung von Capdepera  
Der Nordosten Mallorcas ist durch winterliche Nord- und Oststürme geprägt. Anders als im Süd- und Nordwesten sind die Berge zu niedrig, um die Winde in die Höhe zu zwingen. Es regnet nur selten, weshalb die Vegetation stark reduziert ist. Lediglich in geschützten Zonen haben sich alte Oliven- und Mandelplantagen halten können.

Auf Mallorca gab es einst vier grosse Burgfestungen. Beim Castell d´Alaro und dem Castell des Rei bei Pollensa erinnern nur Mauerreste an ihre grosse Zeit. Das Castell de Santuiri bei Felantitx und die Festung von Capdepera haben dagegen die Jahrhunderte gut überstanden. Die vier Bollwerke wurden etwa im gleichen Zeitraum erbaut. Historiker haben vergleichende Studien über die befestigten Anlagen, ihre Türme und die gewaltigen Eingangstore durchgeführt. Dabei konnten sie viele identische Merkmale feststellen.

Was wäre Capdepera ohne sein Castell? Fast scheint es, als hätte die mächtige Festung über seinem Haupt dem Städtchen den Atem und die Phantasie genommen, um eigene Aktivitäten zu entfalten. Die mächtige Anlage hat als ehemaliger strategischer Stützpunkt eine bewegte Vergangenheit. Schon die römischen Besatzer, wahrscheinlich aber auch andere Völker vor ihnen, hatten den Schützhügel des Puig des Racó befestigt. Die Eroberer aus Mittelitalien jedenfalls sprachen immer vom "Caput Petrae", das sie auch unter dieser Bezeichnung in ihre Navigationskarten eintrugen. Um von Mallorca nach Menorca zu gelangen, bedeutete dieses Cap den Punkt für eine östliche Richtungsänderung.


Geschichte(n)

Im Juni 1231 rückte Koenig Jaume I. in Begleitung von nur wenigen Soldaten in Capdepera ein, um von dort aus Menorca mit seiner Kriegslist zu erobern. In seinem Tagebuch schildert der König das trickreiche Vorgehen: "Als es dunkel wurde, riefen wir alle unsere Leute zusammen und befahlen ihnen, mehr als dreihundert Feuer an der Küste anzuzünden, um den Anschein zu erwecken, dass hier ein grosses Heer sein Lager aufgeschlagen habe. Als die Sarazenen die Feuer sahen, riefen sie unsere Abgesandten, um zu erfahren, was dort los sei. Die Unterhändler antworteten, es sei die mächtige Streitmacht des Königs Jaime I., die von hier aus die Invasion Menorcas vorbereite." Nachdem mehrere Nächte dieses Schauspiel wiederholt worden war, kehrten die Botschafter mit Abgesandten der Sarazenen nach Capdepera zurück. Diese unterzeichneten das Unterwerfungsdokument, das heute in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt wird.

Jaime I. befahl, neben dem Wachturm Miquel Nunis eine mit einem Wall befestigte Siedlung hochzuziehen, um die bisher zerstreut lebenden Menschen zusammenzuführen. Nach der Fertigstellung der Schutzmauern wurden noch die zusätzlichen Wehrtürme Torre de Sa Boira, Torre de ses dames, Torre d´en Banya und Torre des costerans errichtet.

König Sanç I. liess 1323 die Kapelle des Heiligen Petrus erbauen, in der eine Statue der Gottesmutter aufgestellt war. Als noch im 14. Jahrhundert eine Flotte arabischer Piraten in der Bucht bei Cala Ratjada an Land ging und Capdepera angriff, holten die Belagerten in letzter Not das Heiligenbild und stellten es auf den Wachturm Sa Boira. Sogleich zogen so dichte Nebelschwaden auf, dass die erschrockenen Seeräuber auf ihre Schiffe zurückkehrten und unverrichteter Dinge abzogen. Seitdem ist das Kirchlein der Heiligen Jungfrau der Guten Hoffnung geweiht und heisst Capella de l´Esperança. Das wundertätige Gnadenbild wurde später in der Pfarrkirche Sant Bartomeu im Ort aufgestellt und ist in der 1840 geweihten Kirche zu besichtigen.

Das vermutliche Gründungsjahr Capdeperas war 1238. Den Ortskern bildeten etwa 50 Häuser, in denen 200 Menschen lebten. Die Bewohner unterhielten zahlreiche Gemüsegärten, um sich während einer Belagerung versorgen zu können. Capdepera blieb, stets von Esperança beschützt, als Mallorcas grösste in sich geschlossene Burganlage fast schadlos erhalten. Das auffälligste Bauwerk im Festungshof ist das Haus des Statthalters, mit einem Satteldach und Fenstern nach allen Seiten.

Gegen Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Haupttor komplett erneuert. Weitere Restaurierungsarbeiten innerhalb der Burg dienten der Umwandlung in ein Militärquartier. Doch die Armee verliess im Jahr 1854 die Festung, nachdem es zwischen ziviler und militärischer Verwaltung zu immer grösseren Spannungen gekommen war.

 
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Handwerker in Capdepera  
Im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts begann in Capdepera ein wirtschaftlicher Aufschwung. Dazu gehörte die Besiedelung der Küste, der Bau der ersten Fischerhäuser in Cala Ratjada und die Ankunft von Immigranten, die wegen ihrer grossen Armut für einige Jahre in der Burg Unterkunft fanden. Unterdessen hatte die Bastion neue Besitzer, die auch Eigentümer von zwei der grössten Possessions der Umgebung waren. Ihre Verwalter begannen, den Burgbereich zu bewirtschaften. Es wurde gepflügt und gesäht. Sie liessen Bäume mit Johannisbrot und Feigen anpflanzen. Auch die Kapelle erfuhr weitere bauliche Veränderungen. Es dauerte aber noch bis Mai 1983, ehe die Burganlage offiziell auf die Gemeinde übertragen wurde. Seitdem sorgt eine Stiftung für den Erhalt des Castells.


Capdepera hat knapp 11.000 Einwohner. In der Umgebung lockt eine abwechslungsreiche Küstenlandschaft mit einer Reihe schöner Buchten. Die etwa 6 Kilometer entfernte Cala Mesquida gilt heute als einer der Traumstände der Insel. Sie wird bevorzugt von Rucksacktouristen frequentiert. Die Bucht war einst der Hauptumschlagplatz für Kaffee -und Tabakschmuggel. Juan March hatte an dem verschwiegenen Strand mit dem illegalen Handel der begehrten Genussmittel den Grundstock für seinen Reichtum gelegt. Auf diesen Schmugglerkönig hörten dann sogar Generalísimo Franco und im 2. Weltkrieg Winston Churchill. Die Geschichte Europas wurde von einem illegalen Händler, einem modernen Piraten, mitgeschrieben.

Einwohner 2007: 10.885




 
  
 
 
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