Wer heute nach Deiá kommt, sieht einen Ort, der wohl vor
hundert Jahren nicht viel anders aussah als heute.
Alles wird erhalten, wie es ist, und nichts darf in einem anderen Stil
gebaut werden. In einigen Beschreibungen nennt man diesen Ort immer noch
ein Künstlerdorf. Natürlich fragt man sich, was das heißen
mag, denn für das, was vermutlich einmal damit gemeint war, ist es
hier inzwischen viel zu teuer geworden. Übrigens auch zu teuer für
viele Inselbewohner, und so sind heute über fünfzig Prozent
der Bewohner Ausländer. Man sollte sich jedoch von solchen oder ähnlichen
Etiketten nicht abschrecken lassen, berückend schön bleibt es.
Das Dorf hängt an der steilen Westküste über dem
Meer, und in den malerischen Gassen herrscht wundervolle Ruhe. Und in
jedem Fall sollte man den Weg hinunter in die Cala Deiá machen,
die kleine, wildromantische Bucht.
Der Besuch der niedlichen, festungsartigen Kirche Sant Joan Baptista,
lohnt sich wegen der schöne Atmosphäre im Inneren, weiß
getünchte Wände im Wechselspiel mit schwarzgrauem Stein. Vom
Friedhof hat man einen traumhaften Blick auf das Mittelmeer. Wirklich
entdeckt und damit zu dem gemacht, was Deiá heute ist, hat den
Ort der englische Schriftsteller Robert Ranke-Graves (Ich Claudius,
Kaiser und Gott und Arbeiten zur griechischen Mythologie). Er lebte
fast fünfzig Jahre in Deiá und liegt auf dem kleinen Friedhof
begraben.
Durch die deutsche Fernsehserie Hotel Paradies gelangte
Deiá auf die Programmliste jedes Tourunternehmers. Doch es gibt
auch positives zu berichten. Der vordere Dorfberg ist noch nicht bebaut.
Der Grund ist nicht der ständige Wind auf diesem Hügel, sondern
ein paar Deutsche, die schon vor mehreren Jahrzehnten den gesamten Berg
kauften - nicht um ihn zu besiedeln, sondern eine Bebauung zu verhindern.
Deiá bietet heute neben einigen ausgezeichneten Landhotels auch erstklassige Restaurants mit
kulinarischen Highlights.