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 Esporles
 
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Esporles  

Ein Wintermärchen, das auch im Sommer verzaubert

In den Bergen der Tramuntana liegt zwischen Valldemossa, Puigpunyent und Banyalbufar das Örtchen Esporlas. Auf dem ersten Blick scheint es ein ganz normales mallorquinisches Bergdorf zu sein. Doch dem ist nicht so. In dieser Märchen-Landschaft schmolzen schon immer Fantasie und Realität zusammen. Genauso wie Aberglauben und Sinnlichkeit. Legenden wurden gebildet und von Generation zu Generation übertragen. Und wer sich erst mal in die Tiefen des Tals begibt, in denen das Herz von Esporlas schlägt, kann selbst jetzt noch den magischen Zauber der Landschaft und deren Bewohner spüren.

Dorf und Bewohner

Ende Oktober beginnen die ersten Winter-Vorbereitungen in Esporles. In den Gärten sägen und stapeln die Hausbesitzer Brennholz. Im Viertel Es Verger, wo die etwas besser situierten Leute leben, werden die Heizöltanks vollgepumpt. Der örtliche Schreinermeister, Jaume, muß in dieser Zeit rund um die Uhr zimmern, um die defekten Persianas wieder in Schuß zu bringen. Es herrscht in Esporles ein reges Treiben. Denn die Leute wissen, was wieder auf sie zukommt: Ein langer und feuchter Winter. Nirgends auf Mallorca werden die Tage in dieser Jahreszeit so kurz wie in Esporles. Und es gibt fast keinen Platz im Sonnenparadies Mallorca, wo so viel Regen fällt.

Diese Erfahrung mußte auch Isabel machen, die seit einigen Jahren zu den jetzt ca. 4.600 Einwohnern zählt: "In Esporles ist es viel zu feucht und sehr kalt im Winter", stöhnt sie. Trotzdem will sie hier unbedingt seßhaft bleiben, weil Esporlas für sie "der schönste Ort der Insel ist." Nicht ohne Grund hat die aus Madrid stammende Spanierin zusammen mit vier Freunden vor wenigen Monaten eine kleine Pension mit Restaurantbetrieb gepachtet: das "Hostal Central". Es ist im Herzen Esporles auf dem kleinen von Platanen-Kronen überdachten Plaza España wie ein kleiner Schatz liegt. Versteckt zwischen sieben Bäumen, deren mächtige Stämme fast einen Meter Umfang messen. Alles wirkt wie eine Kulisse aus einem Märchenfilm.

Nur unter der Bedingung, daß dies auch in Zukunft so bleibt, hatte die mallorquinische Besitzerin Maria Ruitort Bestart ihren seit Generationen in Familienbesitz befindenden Erbe schweren Herzens in fremde Hände übergeben. Und auch die anderen Dorfbewohner hätten wahrscheinlich nicht tatenlos zugesehen, wie ihr Dorf verunstaltet wird. Denn schon seit jeher haben sie ihren Stolz und sich gegen jede Form von Unrecht gewehrt.


Geschichte

Als anno 1420 bei der "Revolta Forana" die Außenbezirke Palmas sich auflehnten, mischte Esporles genauso mit wie bei der "Germanies", die Revolution der Dörfer der Insel, im Jahre 1520. Daß sich die 14 Kilometer von Palma entfernte Gemeinde sich nicht ohne weiteres unterdrücken läßt, zeigte sich auch im spanischen Bürgerkrieg. Nirgends auf Mallorca wurde dem Franco-Regime soviel Widerstand entgegengebracht wie in Esporlas. Die Auflehnung der Menschen gegenüber dem Diktator spricht für ihr humanes Denken. Doch sie handelten in der Geschichte nicht immer nur menschlich. "Das bekamen vor allem Frauen zu spüren, die der Hexerei bezichtigt wurden", erzählt mir Miguel, der hier in der Gegend aufgewachsen ist und der als Kind an so manchen Winterabenden schaurige Hexengeschichten von seinen Großeltern erzählt bekam. Von "brujas blancas", positiven Hexen, die den Menschen Gutes taten. Und von den "brujas negras", denen die Verantwortung für das Böse zugeschrieben wurde. Egal ob weiß oder schwarz, am Ende starben die der Hexerei bezichtigten Frauen meist keines natürlichen Todes. "Das ist hier zwar immer noch ein Tabu-Thema", weiß Miguel, "doch die Alten überliefern diese Geschichten noch immer."


Geschichte

 
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Esporles - Kirche  
Daß hier in Esporles, wo im Winter die Sonne schon zwischen drei und vier Uhr nachmittags hinter den Bergen abtaucht und sich ein Schleier der Melancholie über Mensch und Natur ausbreitet, Aberglaube gedeiht und Legenden keimen, ist nur nachvollziehbar. Diese Atmosphäre versprüht etwas Unheimliches, aber auch etwas unbeschreiblich Schönes. Man wird zwangsläufig an die bombastischen romantischen Naturdarstellungen von Caspar David Friedrich erinnert, der mit den Stimmungen seiner Gemälde die Zustände der menschlichen Seele aufzeigen wollte.

Diesen Anspruch stellen Ingrid und Elfriede sicher nicht an ihre Bilder. Die beiden Frauen, die ihren Urlaub auf Mallorca mit einem Malkurs kombinieren, sitzen auf einer kleinen Brücke in der "Carrer de San Pere" mit der Staffelei in der Hand und versuchen, einen pintoresken Ausschnitt mit Aquarellfarben auf dem Malblock festzuhalten. Ihr Blickfeld: Eine lange Gasse, links und rechts säumen wie aneinandergereihte Perlen kleine mallorquischen Häuser die Seiten, am Ende bleibt der Blick dann auf der mächtigen Kirche aus dem 17. Jahrhundert haften. Doch damit nicht genug. Den Hintergrund ziert der "Fira del Ram", der mit 890 Metern höchste Berg von Esporles, auf dem das Gipfelkreuz in der Abendsonne golden glänzt. "Südliche Impressionen, asymetrische Gebäude und eine tolle Farbenpracht. Esporles bietet Motive ohne Ende", sagt Kursleiter Herbert, der ansonsten als Dozent an der europäischen Kunstakademie in Trier sein Wissen weitergibt.

Die ganze Pallette an Grüntönen kann er seinen Schülerinnen ohne Schwierigkeiten an einem Ausschnitt des "torrente" erläutern. Denn der ausgetrocknete fünf Meter breite und drei Meter tiefe Gebirgsbach, der sich wie ein Grenz-Graben durch das ganze Tal zieht, ist zugewuchert von Fanen und Efeugewächsen wie ein Dschungel. Dazwischen strahlen die violetten und weinroten Blüten der Bougainvillas.

Parallel zum großen Graben verläuft die PM 112, die sich wie eine Hauptschlagader durch Esporles zieht. Hier sind die meisten Geschäfte angesiedelt, hier pulsiert das Leben. Hier werden aber auch Fahrzeuge ohne Ende durchgeschleust, so daß an manchen Tagen der Verkehrsinfarkt droht. Hauptknotenpunkt ist dabei die unmittelbare Gegend der Kirche, der gegenüber das Ayuntamiento steht. Vor dem modern eingerichteten Rathaus steht eine Bronzeskulptur in einem Springbrunnen. Sie zeigt eine zierliche Frau, die eine Spinnerin darstellt: "La Filadora". Diese soll an eine Epoche erinnern, die Esporles sehr prägte: das Zeitalter der Textilindustrie. Ab 1870 verdrängte die Textilindustrie die Landwirtschaft in Esporles, und der Ort entwickelte sich zum wichtigsten Standort dieses Wirtschaftszweiges auf Mallorca. Diese Vorherrschaft hielt bis Anfang der 60er Jahre an und prägte nachhaltig diesen Ort und dessen Bewohner. Denn durch die frühere Industrialisierung waren die Bürger von Esporles den übrigen Mallorquinern der Zeit schon etwas voraus. Sie hatten fortschrittlichere Bräuche, kleideten sich moderner und konnten vor allem durch das Gut "La Granja" viel eher auf die Erfindung der Elektrizität zurückgreifen.


Gerichte

Die Durchgangsstraße sehen die Einwohner jedoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist sie der Nabel des Ortes, der das Tal mit der Außenwelt verbindet und wo sich das gesellschaftliche Leben zentriert. Andererseits paßt sie in die Märchenlandschaft wie ein Flipperautomat in Palmas Kathedrale.
Viel besser paßt dagegen der Kindergarten der "monjas" ins Bild von Esporles. In einer schmalen Gasse gelegen werden hier bis zu 15 Kinder unter der Obhut von Nonnen betreut. Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieser Kindergarten nicht von anderen: Überall liegen Spielzeuge verstreut, handgemalte Bilder hängen an den Wänden, und die Kinder laufen bunt durcheinander. Doch ein Raum sticht hervor: Der Schlafsaal. Denn dort sieht es aus wie bei Schneewitchen und den sieben Zwergen: In einer Reihe aufgereiht stehen zehn kleine Kinderbettchen, in denen die Kleinen ein Mittagsschläfchen abhalten können. Von den fünf Nonnen, die den Kindergarten leiten, sind drei weltliche, die man äußerlich gar nicht als solche erkennt. Alle "monjas" sind im Ort äußerst beliebt. Nicht zuletzt wegen ihres großen Kräutergartens, aus dem andere Dorfbewohner mit versorgt werden. So werden beispielsweise auch die Gerichte im "Hostal Central" mit den Nonnen-Gewürzen bereichert. Außerdem steht ihr Haus für alle Kinder offen. Denn die Eltern brauchen immer nur soviel für die Unterbringen bezahlen, wie sie wollen oder können.

Weniger gesittet als bei den Nonnen geht es in der "Blu Bar" zu. Dies ist die Kneipe, in der am Wochenende meisten die Post abgeht. Ihr Markenzeichen: laute Musik, gute Drinks und Party-Time, bis der Wirt keine Lust mehr hat oder nicht mehr kann. Denn "Xisco" ist selbst kein Kind von Traurigkeit und stößt gerne mal mit seinen Gästen an. "Ansonsten kann man sich hier in Esporles nicht die Nacht um die Ohren schlagen", sagt Katrin, die im Moment auch gar keine Zeit zum Feiern hat. Sie gehört mit zu den fünf Pächtern des Hostals und ist voll mit den Wintervorbereitungen beschäftigt.


Gutshof: "La Granja"

Wenn man die traumhafte Route über Puigpunyent wählt, um nach Esporles zu gelangen, kommt man über die sich scheinbar endlos schlängelnde Bergstraße direkt zum Landgut "La Granja". Der Name bedeutet zwar schlicht Bauernhof, "La Granja" ist jedoch ein feudaler Herrensitz.
Schon in den 70er Jahren fing die damalige Besitzerfamilie Fortuny damit an, das in einem sehr üppig bewachsenen Tal gelegene Landgut in eine Art Freilichtmuseum umzugestalten. Schattige Gärten mit Fontänen und Wasserspielen erinnern an die arabischen Gründer. Das Haupthaus hat von außen Schloßcharakter. Innen ist das Gebäude nicht so prunkvoll gestaltet. Dafür kann der Besucher in den Räumen das gesellschaftliche Leben der Mallorquiner früherer Generationen nachvollziehen, denn "La Granja" zeigt exemplarisch das Leben in einer alten "Possessió", in der die Bewohner einst völlig autark lebten.

Mittwoch- und Freitagnachmittag wird ein "mallorquinisches Fest" angeboten. Dann werden die Werkstätten von richtigen Schuhmachern, Webern, Töpfern und Stickerinnen bevölkert, die allesamt mallorquinische Trachten tragen.

Am Ende des Rundgangs winkt eine Weinprobe mit köstlichen Tropfen. Dazu kann man "Bunyols" naschen, das aus Kartoffeln hergestellte süße Schmalzgebäck.

Einwohner 2007: 4.640





 
  
 
 
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