Pollenca mit seinen jetzt ca. 16.500 Einwohnern
ist sicherlich eines der attraktivsten und schönsten Dörfer der
Insel.
Nicht umsonst war es eines der ersten Gebiete, die vom Tourismus
heimgesucht wurden.
Die Landschaft um Pollenca ist reich an Konstrasten, und ein großer
Teil der Serra de Tramuntana befindet sich innerhalb des Gemeindegebiets.
Der Ort liegt eingerahmt von Bergen am Ende eines zur Küste hin
sich öffnenden fruchtbaren Tals. Pollenca hat ein sehr großes
kulturelles und künstlerisches Angebot, und ein Bummel durch die
Gassen wird durch die vielen kleinen Läden, in denen handgearbeitete
Artikel, vor allem Web- und Lederarbeiten, angeboten werden, sehr abwechslungsreich.
Interessant ist darüber hinaus das Angebot an Musikveranstaltungen,
besonders die inzwischen weit über Mallorca hinaus bekannten Sommerfestspiele
im Kloster Santo Domingo (gegründet 1578), die in den Monaten August
und September stattfinden. Dann treten hier weltbekannte Stars wie Montserrat
Caballé, José Carreras oder Sir Peter Ustinov auf.
Die Römer landeten im Jahre 121 v. Chr. unweit vom heutigen
Alcudia auf Mallorca und gründeten die Siedlung Pollentia. Im 5.Jh.
wurde die Siedlung von den Vandalen zerstört, und die Überlebenden
des Angriffs ließen sich im heutigen Torrent den Sant Jordi nieder.
Sie gaben der neuen Siedlung den Namen der Verlorenen: Pollentia, woraus
heute das katalanische Pollenca geworden ist.
Später, nach Regierungszeit der Araber, wurde die Kultivierung
der Gegend fortgesetzt, und auch noch heute spürt man im Ortskern
den maurischen Einfluß. Auf dem Platz vor dem Portal der Kirche
Senyora dels Angeles findet jeden Sonntagvormittag ein bunter Markt
statt, wo alles zu kaufen ist.
Bei einem Spaziergang durch das Dorf kommt man unweigerlich an
dem berühmten Hahnenbrunnen, Placa de Font des Gall, vorbei. Auf
einer großen bauchigen Steinvase sitzt ein gußeiserner Hahn,
das Wappentier der Stadt. Als echte sportliche Leistung ist der Anstieg
auf den Kalvarienberg zu werten. Der Puig de Calvari, war einst als
Sühneweg gedacht. Auf dem Weg über 365 Stufen konnte der Reuige
am Karfreitag für jeden Tag des Jahres Abbitte leisten. Für
die Mühe wird man mit einem herrlichen Rundblick entschädigt.
Am ersten Wochenende im August erinnern die Einwohner mit einem
Straßenschauspiel an den heroischen Kampf unter der Führung
von Joan Mas gegen die arbabischen Freischärler. Empfindliche Ohren
seien vorgewarnt, die Umzüge und Schlachten werden lautstark von
Musikkapellen, Kampfgesängen und Feuerwerk begleitet.
Autor: Bernd Ewert
Eine Stadt von begnadeter Lage - Geschichte & Rückblicke
Wer immer in prähistorischer Zeit vom Meer her in den
Buchten von Cala Bóquer, Cala de San Vicente oder der Bucht
von Pollensa gelandet sein mag, wird die geographische Lage als
ideal befunden und sich dort zur Seßhaftigkeit entschieden
haben. Von einer vielfältigen vorgeschichtlichen Kultur legen
auf dem Gemeindegebiet Pollencas Überreste von 70 Bauwerken
aus der talaiotischen Zeugnis ab. Eine der frühesten schriftlichen
Aufzeichnungen, die auf den Balearen gefunden worden sind, stammen
von Ausgrabungsarbeiten bei der Cala Bóquer.
Von welcher Seite her der Besucher auch Pollenca erreicht,
erlebt er die bezaubernde Lage dieses kleinen Städtchens. Die
Hochgipfel der Serra de Tramuntana mit ihren bis zum Cap de Formentor
abfallenden Ausläufern, die fruchtbaren Ebenen und das Meer
bilden die viel beschriebene und bemalte Kulisse von Pollenca. Die
Bergkette der Serra de Tramuntana bietet Schutz vor den Stürmen
des westlichen Meeres. Die Bucht von Pollensa als natürlicher
Hafen machten für die pollencines den Weg zur See frei und
bot den Fischern reiche Fanggründe. Die fruchtbare Ebene um
die Gemeinde hat ihr schon immer eine ertragreiche Landwirtschaft
ermöglicht. Es entstanden große Güter, die es auch
heute noch gibt.
Die Stadtentwicklung Pollencas ist eng mit der Geschichte
Alcudias verknüpft. Als Quintus Caecilius Metellus (nein, wir
haben den Namen nicht aus Asterix) im Jahre 123 v.Chr. die Insel
Mallorca für Rom in Besitz nahm, ging er von seinem in der
Bucht von Alcúdia- etwa bei dem heutigen, erst in neuerer
Zeit entstandenen Puerto de Alcúdia - ankernden Schiff an
Land. Er berichtet von einer reichen und blühenden Stadt, deren
Name seit jeher Bocchoris gewesen sei. Dieser wurde jedoch von den
Römern im Jahre 123 v. Chr. in Pollentia, die lateinsiche Bezeichnung
für ,,die Starke, umgeändert. Und unter diesem neuen
Namen blieb das heutige Alcúdia die ganze Römerzeit
über Hauptstadt Mallorcas. Im Zuge der arabischen Besitznahme
verlor Pollentia seinen Namen und wurde Al Kudia - der Hügel
- genannt. Als ab 1400 die Piratenüberfalle aus Nordafrika
auf den Inseln zu einer unerträglichen Plage wurden, verließ
die Bevölkerung von Alcúdia die Stadt und zog sich weiter
zurück, den Schutz des Gebirges suchend. In Erinnerung an das
einstige römische Pollentia erhielt die neue Ortschaft den
Namen Pollenca.
Der Templerorden in Pollenca
Während der maurischen Besetzung gehörte Pollenca
zu dem Distrikt des Juz de Bulansa. Nach der Eroberung Mallorcas
durch Jaume I. ging ein großer Teil des Gemeindegebiets von
Pollensa an den Templerorden, nach dem heute noch eine Straße
Pollensas benannt ist. Der 1119 von Hugo von Payens gegründete
Orden verfügte in West- und in Südwesteuropa über
erhebliche Reichtümer. Der Name der Templer leitete sich von
ihrem Domizil auf dem Tempelberg in Jerusalem ab. Auch im mittelalterlichen
Pollenca verstand es die Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen
Tempel aus der Landaufteilung durch Jaume I. für sich
Nutzen zu ziehen. 1237 waren sie im Besitz von großen Ländereien
und forderten beträchtliche Tribute von den Untertanen. Der
Ritterorden wurde zunächst vom Papsttum reich privilegiert.
Ab 1307 wurden die geistlichen Herren in Frankreich verfolgt und
der Orden 1312 vom Papst Klemens V. aufgehoben. Auch die Besitztümer
des Templerordens in Pollença gingen im selben Jahr an neue
Eigentümer über. Die Ordensbrüder mußten die
Insel bei Nacht und Nebel verlassen.
Bauern und Handwerker
Während der arabischen Besetzung gab es im Gebiet um
Pollensa 14 Windmühlen, mit denen Wasser gefördert wurde.
Das war die Basis dafür, daß sich die Landwirtschaft
in der Zeit nach der sogenannten christlichen Eroberung durch Jaume
I. entwickeln konnte, die Kultivierung des Landes nahm auch unter
der katalanisch-aragonensischen Herrschaft zu. Seit prähistorischer
Zeit gab es schon Schafsherden, Schweine und Rinder. Als Erbe aus
römischer Zeit blieb der Weinanbau, aus arabischer Zeit die
Zitrusfrüchte und die Mandelbäume, später dann kamen
der Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten dazu. Die Pollencins
scheinen fleißige Leute gewesen zu sein. Denn in Zeiten, in
denen auf dem Feld nicht viel zu tun war, widmeten sie sich handwerklichen
Tätigkeiten. Daraus entstanden die ersten kleinen Handwerksbetriebe.
Die Handwerker wie Schmiede, Bäcker, Schreiner sowie Weber
gründeten und organisierten sich auch bald in der Art der Zünfte.
Der Tourismus
Anglada Camarasa machte Pollensa bekannt, die Künstler,
die sich um ihn scharten, zogen nach Puerto Pollensa. 1930 wurden
dort bereits 500 Einwohner registriert, wo zuvor nur einige wenige
Fischerfamilien gewohnt hatten. Die ersten Hotels mit eher familiären
Charakter entstanden. 1940 wurde das erste Tourismusbüro gegründet,
Hotels wurden erweitert und neue Hotels, wie zum Beipsiel lUllal,
errichtet. Die Besucher waren vorwiegend Engländer und Franzosen.
Und von da an war es Schluß mit der Armut der Pollencins.
Fast jeder hatte ein Stück Land zu verkaufen, baute ein Hotel.
Die Hotels hatten viele weiße Wände und auf einmal wurden
Bilder nicht mehr verschenkt, sondern zu guten Preisen verkauft.
Die Escola pollençina
Nach Toni Bennàssar, Sohn des Malers Dionís
Bennàssar, gehörte sein Vater zum engen Kreis derer,
die man heute vielleicht etwas voreilig als Schule Pollencas bezeichnet.
,,Pollensa war ein eher verschlafenes Städtchen, der Tourismus
der 60er Jahre hatte der Gemeinde noch nicht das Vermögen gebracht,
das wir heute haben. 1914 kam Anglada Camarasa aus Paris nach
Pollensa. Er war damals schon ein Künstler von internationalem
Prestige. Er traf auf Joaquín Mir und Santiago Russinyol.
Und so wie es immer ist, wenn ein renommierter Künstler an
einen Ort zieht, folgen andere nach. Das kennt man schon aus Schwabing,
vom Lago Maggiore und eben auch aus Deià. Anglada Camarasa
folgten Tito Cittadini, Roberto Montenegro und Felipe Bellini, um
nur einige zu nennen. Die Künstler, die als Gäste nach
Pollenca kamen, trafen auf dort ansässige Künstler wie
Bartolomeu Seguí Palau, Guillem Bestard, Joan Vives Lull,
Fernando Arasa und eben auf Dionís Bennàssar. Die
Maler hielten sich nicht damit auf, einen gemeinsamen Konsens zu
finden. Anglada Camarasa hatte aus Paris einen Malstil mitgebracht,
der die anderen Maler inspirierte. Toni Bennàssar über
den Malstil, der sie verband: ,,Zuerst brachte Anglada Camarasa
den modernistischen Malstil nach Pollenca. Warum gerade Pollensa?
Pollensa war noch arm und man lebte entbehrungsreich. Aus der Armut
entsteht oft Kreativität. Man bezahlte Rechnungen mit Gemälden.
In manchem Haus in Pollenca sieht man heute Bilder von unschätzbarem
Wert. Der modernistische Malstil wurde nie abstrakt. Die Künstler
blieben der Landschaftsmalerei treu. Und es scheint, als hätte
Pollensa und seine Umgebung genügend Motive zu bieten. Wenn
man heute in Archiven nach Motivationen sucht, warum die Künstler
nach Pollenca gekommen sind und warum die pollencinischen Künstler
auch immer wieder Motive malten, die sich um die damals noch eher
dörflich anmutende Stadt drehten, dann kommt immer das Argument,
daß sie sich wegen dem Licht in Pollenca eingefunden haben.
Für dieses Licht und die malerische Lage langt kein ganzes
Künstlerleben, um beide mit Pinsel und Farbe festzuhalten.
Auf den Bildern findet man immer wieder Berge, das Meer, Badende
und eine Farbenpracht mit blühenden Bäumen und stimmungsvollen
Buchten.
Warum nannte man die lose Zusammenkunft der Künstler,
die sich gegenseitig inspirierten, Escola Pollencina?
Toni Bennàssar weiß die Frage zu beantworten. ,,Es
gab in den zwanziger und dreißiger Jahren Künstler in
Deià. Dort malte man vorwiegend abstrakt. Es gab auch Maler
in Palma, die eher klassisch arbeiteten. Um der modernistischen,
in vielen Momenten an den Jugendstil erinnernden Malerei in Pollenca
einen Namen zu geben, nannte man sie Escuela Pollensina.
Sehen Sie, in Barcelona gab es die Bar Quatre Gats.
Dort trafen sich Picasso, Dalí und Miró, bevor sie
ins Exil gingen. Aber auch dort entstand nicht gleich eine Künstlervereinigung,
die mit dem Blauen Reiter oder der Brücke vergleichbar gewesen
wäre.
Lermita del Puig de Maria
Oberhalb des Calvari führten drei tugendhafte, fromme Frauen
ein Eremitendasein. Sie sahen eines Nachts auf dem gegenüberliegenden
Berg ein Licht, das danach jede Nacht immer wieder auftauchte. Daraufhin
schalteten die Frauen den Rektor von Pollenca ein, der mit anderen
Stadtpfarrern auf den Berg stieg, um die Herkunft des Lichts zu
erkunden. Sie fanden zwischen Felsbrocken und Gras eine Marienfigur.
Sie entschieden sich, diese in der Pfarrkirche von Pollenca aufzustellen.
Doch sie ließ sich nicht bewegen, auch nicht von acht starken
Männern. Die beteiligten Geistlichen und Bürger von Pollenca
nahmen das als göttliches Zeichen hin und beschlossen, an diesem
Ort der Eingebung eine Kapelle zu errichten. In den Stadtarchiven
ist verzeichnet, daß von den Räten im Jahre 1348 der
Bau der Marienkapelle angeordnet worden ist. Insgesamt 20 fromme
Klosterfrauen zogen in die Ermita und gründeten dort oben,
hoch auf dem Berg, eine Schule.
Jedes Jahr am Ostermontag, dem Tag der Pancaritat, ziehen
die pollencins auf Alpargats und einem Korb mit einer guten Merienda
zum Puig de Maria. In diesem Jahr werden die Glossadors, die Volksdichter,
von einer neuen Geschichte erzählen können: Alle 50 Jahre
einmal wird die Jungfrau Maria in die Stadt getragen. Pollensa wird
geschmückt und allerorts geputzt, an den Balkonen hängen
dunkelrote Schabraken mit goldenen Kreuzen. Die Pollencins begleiten
die Statue auf ihrem Weg ins Dorf. Doch dieses Jahr wird die Statue
den Kunsthistorikern übergeben. Sie wird vermessen, gewogen
und durchleuchtet. So wird man endgültig feststellen können,
ob die Statue auch wirklich aus der Mitte des 14.Jahrhunderts stammt.
Aber auch das wird die Frage nicht klären können, warum
mitten auf dem Berg zwischen Unkraut und Felsen eine Madonna auftaucht,
die ja von irgendeinem Künstler geschnitzt und bemalt worden
sein muß. Sicher ist, daß man den Statuen oft die Gesichter
schwärzte, damit sie den islamischen Besetzern nicht zum Opfer
fielen. Manche wurden auch an Orten versteckt, an denen ihre Gesichter
mit den Jahren dunkel wurden.
Auf die Frage, warum die Jungfrau dieses Jahr - im Gegensatz
vor 650 Jahren - so leicht zu bewegen war, gibt es eine einfache
Erklärung: Sie ist sicher, daß sie von Pollenca bis nach
Port de Pollenca durch alle Kirchen ziehen kann und immer wieder
zu ihrem Standort zurückkommt. Über die Untersuchungen
der Kunsthistoriker, die vermuten, daß sie schon 100 Jahre
älter ist, kann sie nur lächeln. Mit der ihr eigenen Milde.
Einwohner 2007: 16.570
Quelle: LEBEN auf den Balearen Die
Zeitschrift in deutscher Sprache