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 Pollenca
 
 
 © Klaus Siepmann    
Puig de Calvari  
Pollenca mit seinen jetzt ca. 16.500 Einwohnern ist sicherlich eines der attraktivsten und schönsten Dörfer der Insel.

Nicht umsonst war es eines der ersten Gebiete, die vom Tourismus heimgesucht wurden.
Die Landschaft um Pollenca ist reich an Konstrasten, und ein großer Teil der Serra de Tramuntana befindet sich innerhalb des Gemeindegebiets. Der Ort liegt eingerahmt von Bergen am Ende eines zur Küste hin sich öffnenden fruchtbaren Tals. Pollenca hat ein sehr großes kulturelles und künstlerisches Angebot, und ein Bummel durch die Gassen wird durch die vielen kleinen Läden, in denen handgearbeitete Artikel, vor allem Web- und Lederarbeiten, angeboten werden, sehr abwechslungsreich.

Interessant ist darüber hinaus das Angebot an Musikveranstaltungen, besonders die inzwischen weit über Mallorca hinaus bekannten Sommerfestspiele im Kloster Santo Domingo (gegründet 1578), die in den Monaten August und September stattfinden. Dann treten hier weltbekannte Stars wie Montserrat Caballé, José Carreras oder Sir Peter Ustinov auf.

Die Römer landeten im Jahre 121 v. Chr. unweit vom heutigen Alcudia auf Mallorca und gründeten die Siedlung Pollentia. Im 5.Jh. wurde die Siedlung von den Vandalen zerstört, und die Überlebenden des Angriffs ließen sich im heutigen Torrent den Sant Jordi nieder. Sie gaben der neuen Siedlung den Namen der Verlorenen: Pollentia, woraus heute das katalanische Pollenca geworden ist.
Später, nach Regierungszeit der Araber, wurde die Kultivierung der Gegend fortgesetzt, und auch noch heute spürt man im Ortskern den maurischen Einfluß. Auf dem Platz vor dem Portal der Kirche Senyora dels Angeles findet jeden Sonntagvormittag ein bunter Markt statt, wo alles zu kaufen ist.

Bei einem Spaziergang durch das Dorf kommt man unweigerlich an dem berühmten Hahnenbrunnen, Placa de Font des Gall, vorbei. Auf einer großen bauchigen Steinvase sitzt ein gußeiserner Hahn, das Wappentier der Stadt. Als echte sportliche Leistung ist der Anstieg auf den Kalvarienberg zu werten. Der Puig de Calvari, war einst als Sühneweg gedacht. Auf dem Weg über 365 Stufen konnte der Reuige am Karfreitag für jeden Tag des Jahres Abbitte leisten. Für die Mühe wird man mit einem herrlichen Rundblick entschädigt.

Am ersten Wochenende im August erinnern die Einwohner mit einem Straßenschauspiel an den heroischen Kampf unter der Führung von Joan Mas gegen die arbabischen Freischärler. Empfindliche Ohren seien vorgewarnt, die Umzüge und Schlachten werden lautstark von Musikkapellen, Kampfgesängen und Feuerwerk begleitet.


Autor: Bernd Ewert

Eine Stadt von begnadeter Lage - Geschichte & Rückblicke

Wer immer in prähistorischer Zeit vom Meer her in den Buchten von Cala Bóquer, Cala de San Vicente oder der Bucht von Pollensa gelandet sein mag, wird die geographische Lage als ideal befunden und sich dort zur Seßhaftigkeit entschieden haben. Von einer vielfältigen vorgeschichtlichen Kultur legen auf dem Gemeindegebiet Pollencas Überreste von 70 Bauwerken aus der talaiotischen Zeugnis ab. Eine der frühesten schriftlichen Aufzeichnungen, die auf den Balearen gefunden worden sind, stammen von Ausgrabungsarbeiten bei der Cala Bóquer.

Von welcher Seite her der Besucher auch Pollenca erreicht, erlebt er die bezaubernde Lage dieses kleinen Städtchens. Die Hochgipfel der Serra de Tramuntana mit ihren bis zum Cap de Formentor abfallenden Ausläufern, die fruchtbaren Ebenen und das Meer bilden die viel beschriebene und bemalte Kulisse von Pollenca. Die Bergkette der Serra de Tramuntana bietet Schutz vor den Stürmen des westlichen Meeres. Die Bucht von Pollensa als natürlicher Hafen machten für die pollencines den Weg zur See frei und bot den Fischern reiche Fanggründe. Die fruchtbare Ebene um die Gemeinde hat ihr schon immer eine ertragreiche Landwirtschaft ermöglicht. Es entstanden große Güter, die es auch heute noch gibt.

Die Stadtentwicklung Pollencas ist eng mit der Geschichte Alcudias verknüpft. Als Quintus Caecilius Metellus (nein, wir haben den Namen nicht aus Asterix) im Jahre 123 v.Chr. die Insel Mallorca für Rom in Besitz nahm, ging er von seinem in der Bucht von Alcúdia- etwa bei dem heutigen, erst in neuerer Zeit entstandenen Puerto de Alcúdia - ankernden Schiff an Land. Er berichtet von einer reichen und blühenden Stadt, deren Name seit jeher Bocchoris gewesen sei. Dieser wurde jedoch von den Römern im Jahre 123 v. Chr. in Pollentia, die lateinsiche Bezeichnung für ,,die Starke”, umgeändert. Und unter diesem neuen Namen blieb das heutige Alcúdia die ganze Römerzeit über Hauptstadt Mallorcas. Im Zuge der arabischen Besitznahme verlor Pollentia seinen Namen und wurde Al Kudia - der Hügel - genannt. Als ab 1400 die Piratenüberfalle aus Nordafrika auf den Inseln zu einer unerträglichen Plage wurden, verließ die Bevölkerung von Alcúdia die Stadt und zog sich weiter zurück, den Schutz des Gebirges suchend. In Erinnerung an das einstige römische Pollentia erhielt die neue Ortschaft den Namen Pollenca.

Der Templerorden in Pollenca

Während der maurischen Besetzung gehörte Pollenca zu dem Distrikt des Juz de Bulansa. Nach der Eroberung Mallorcas durch Jaume I. ging ein großer Teil des Gemeindegebiets von Pollensa an den Templerorden, nach dem heute noch eine Straße Pollensas benannt ist. Der 1119 von Hugo von Payens gegründete Orden verfügte in West- und in Südwesteuropa über erhebliche Reichtümer. Der Name der Templer leitete sich von ihrem Domizil auf dem Tempelberg in Jerusalem ab. Auch im mittelalterlichen Pollenca verstand es die ‘Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel’ aus der Landaufteilung durch Jaume I. für sich Nutzen zu ziehen. 1237 waren sie im Besitz von großen Ländereien und forderten beträchtliche Tribute von den Untertanen. Der Ritterorden wurde zunächst vom Papsttum reich privilegiert. Ab 1307 wurden die geistlichen Herren in Frankreich verfolgt und der Orden 1312 vom Papst Klemens V. aufgehoben. Auch die Besitztümer des Templerordens in Pollença gingen im selben Jahr an neue Eigentümer über. Die Ordensbrüder mußten die Insel bei Nacht und Nebel verlassen.

Bauern und Handwerker

Während der arabischen Besetzung gab es im Gebiet um Pollensa 14 Windmühlen, mit denen Wasser gefördert wurde. Das war die Basis dafür, daß sich die Landwirtschaft in der Zeit nach der sogenannten christlichen Eroberung durch Jaume I. entwickeln konnte, die Kultivierung des Landes nahm auch unter der katalanisch-aragonensischen Herrschaft zu. Seit prähistorischer Zeit gab es schon Schafsherden, Schweine und Rinder. Als Erbe aus römischer Zeit blieb der Weinanbau, aus arabischer Zeit die Zitrusfrüchte und die Mandelbäume, später dann kamen der Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten dazu. Die Pollencins scheinen fleißige Leute gewesen zu sein. Denn in Zeiten, in denen auf dem Feld nicht viel zu tun war, widmeten sie sich handwerklichen Tätigkeiten. Daraus entstanden die ersten kleinen Handwerksbetriebe. Die Handwerker wie Schmiede, Bäcker, Schreiner sowie Weber gründeten und organisierten sich auch bald in der Art der Zünfte.

Der Tourismus

Anglada Camarasa machte Pollensa bekannt, die Künstler, die sich um ihn scharten, zogen nach Puerto Pollensa. 1930 wurden dort bereits 500 Einwohner registriert, wo zuvor nur einige wenige Fischerfamilien gewohnt hatten. Die ersten Hotels mit eher familiären Charakter entstanden. 1940 wurde das erste Tourismusbüro gegründet, Hotels wurden erweitert und neue Hotels, wie zum Beipsiel l’Ullal, errichtet. Die Besucher waren vorwiegend Engländer und Franzosen. Und von da an war es Schluß mit der Armut der Pollencins. Fast jeder hatte ein Stück Land zu verkaufen, baute ein Hotel. Die Hotels hatten viele weiße Wände und auf einmal wurden Bilder nicht mehr verschenkt, sondern zu guten Preisen verkauft.

Die Escola pollençina

Nach Toni Bennàssar, Sohn des Malers Dionís Bennàssar, gehörte sein Vater zum engen Kreis derer, die man heute vielleicht etwas voreilig als Schule Pollencas bezeichnet. ,,Pollensa war ein eher verschlafenes Städtchen, der Tourismus der 60er Jahre hatte der Gemeinde noch nicht das Vermögen gebracht, das wir heute haben.” 1914 kam Anglada Camarasa aus Paris nach Pollensa. Er war damals schon ein Künstler von internationalem Prestige. Er traf auf Joaquín Mir und Santiago Russinyol. Und so wie es immer ist, wenn ein renommierter Künstler an einen Ort zieht, folgen andere nach. Das kennt man schon aus Schwabing, vom Lago Maggiore und eben auch aus Deià. Anglada Camarasa folgten Tito Cittadini, Roberto Montenegro und Felipe Bellini, um nur einige zu nennen. Die Künstler, die als Gäste nach Pollenca kamen, trafen auf dort ansässige Künstler wie Bartolomeu Seguí Palau, Guillem Bestard, Joan Vives Lull, Fernando Arasa und eben auf Dionís Bennàssar. Die Maler hielten sich nicht damit auf, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Anglada Camarasa hatte aus Paris einen Malstil mitgebracht, der die anderen Maler inspirierte. Toni Bennàssar über den Malstil, der sie verband: ,,Zuerst brachte Anglada Camarasa den modernistischen Malstil nach Pollenca. Warum gerade Pollensa? Pollensa war noch arm und man lebte entbehrungsreich. Aus der Armut entsteht oft Kreativität. Man bezahlte Rechnungen mit Gemälden. In manchem Haus in Pollenca sieht man heute Bilder von unschätzbarem Wert.” Der modernistische Malstil wurde nie abstrakt. Die Künstler blieben der Landschaftsmalerei treu. Und es scheint, als hätte Pollensa und seine Umgebung genügend Motive zu bieten. Wenn man heute in Archiven nach Motivationen sucht, warum die Künstler nach Pollenca gekommen sind und warum die pollencinischen Künstler auch immer wieder Motive malten, die sich um die damals noch eher dörflich anmutende Stadt drehten, dann kommt immer das Argument, daß sie sich wegen dem Licht in Pollenca eingefunden haben. Für dieses Licht und die malerische Lage langt kein ganzes Künstlerleben, um beide mit Pinsel und Farbe festzuhalten. Auf den Bildern findet man immer wieder Berge, das Meer, Badende und eine Farbenpracht mit blühenden Bäumen und stimmungsvollen Buchten.

Warum nannte man die lose Zusammenkunft der Künstler, die sich gegenseitig inspirierten, ‘Escola Pollencina’? Toni Bennàssar weiß die Frage zu beantworten. ,,Es gab in den zwanziger und dreißiger Jahren Künstler in Deià. Dort malte man vorwiegend abstrakt. Es gab auch Maler in Palma, die eher klassisch arbeiteten. Um der modernistischen, in vielen Momenten an den Jugendstil erinnernden Malerei in Pollenca einen Namen zu geben, nannte man sie ‘Escuela Pollensina’. Sehen Sie, in Barcelona gab es die Bar ‘Quatre Gats’. Dort trafen sich Picasso, Dalí und Miró, bevor sie ins Exil gingen. Aber auch dort entstand nicht gleich eine Künstlervereinigung, die mit dem Blauen Reiter oder der Brücke vergleichbar gewesen wäre.”

L’ermita del Puig de Maria

Oberhalb des Calvari führten drei tugendhafte, fromme Frauen ein Eremitendasein. Sie sahen eines Nachts auf dem gegenüberliegenden Berg ein Licht, das danach jede Nacht immer wieder auftauchte. Daraufhin schalteten die Frauen den Rektor von Pollenca ein, der mit anderen Stadtpfarrern auf den Berg stieg, um die Herkunft des Lichts zu erkunden. Sie fanden zwischen Felsbrocken und Gras eine Marienfigur. Sie entschieden sich, diese in der Pfarrkirche von Pollenca aufzustellen. Doch sie ließ sich nicht bewegen, auch nicht von acht starken Männern. Die beteiligten Geistlichen und Bürger von Pollenca nahmen das als göttliches Zeichen hin und beschlossen, an diesem Ort der Eingebung eine Kapelle zu errichten. In den Stadtarchiven ist verzeichnet, daß von den Räten im Jahre 1348 der Bau der Marienkapelle angeordnet worden ist. Insgesamt 20 fromme Klosterfrauen zogen in die Ermita und gründeten dort oben, hoch auf dem Berg, eine Schule.

Jedes Jahr am Ostermontag, dem Tag der Pancaritat, ziehen die pollencins auf Alpargats und einem Korb mit einer guten Merienda zum Puig de Maria. In diesem Jahr werden die Glossadors, die Volksdichter, von einer neuen Geschichte erzählen können: Alle 50 Jahre einmal wird die Jungfrau Maria in die Stadt getragen. Pollensa wird geschmückt und allerorts geputzt, an den Balkonen hängen dunkelrote Schabraken mit goldenen Kreuzen. Die Pollencins begleiten die Statue auf ihrem Weg ins Dorf. Doch dieses Jahr wird die Statue den Kunsthistorikern übergeben. Sie wird vermessen, gewogen und durchleuchtet. So wird man endgültig feststellen können, ob die Statue auch wirklich aus der Mitte des 14.Jahrhunderts stammt. Aber auch das wird die Frage nicht klären können, warum mitten auf dem Berg zwischen Unkraut und Felsen eine Madonna auftaucht, die ja von irgendeinem Künstler geschnitzt und bemalt worden sein muß. Sicher ist, daß man den Statuen oft die Gesichter schwärzte, damit sie den islamischen Besetzern nicht zum Opfer fielen. Manche wurden auch an Orten versteckt, an denen ihre Gesichter mit den Jahren dunkel wurden.

Auf die Frage, warum die Jungfrau dieses Jahr - im Gegensatz vor 650 Jahren - so leicht zu bewegen war, gibt es eine einfache Erklärung: Sie ist sicher, daß sie von Pollenca bis nach Port de Pollenca durch alle Kirchen ziehen kann und immer wieder zu ihrem Standort zurückkommt. Über die Untersuchungen der Kunsthistoriker, die vermuten, daß sie schon 100 Jahre älter ist, kann sie nur lächeln. Mit der ihr eigenen Milde.


Einwohner 2007: 16.570



 
  
 
 
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