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 Sant Elm
 
 
 © Volker Dannenmann    
Bucht von Sant Elm  
Das hinterste Ende Mallorcas

Eigentlich sind Inseln eher rund und haben daher weder Anfang noch Ende. Das trifft im Prinzip auch auf Mallorca zu. Trotzdem kann man bei genauerer Erforschung dieses Eilands feststellen, daß es an einigen Stellen nicht mehr weiter zu gehen scheint. So wie zum Beispiel in Sant Telm. Der Ort, der am Ende eines langen Tals im Südwesten Mallorcas liegt. Oder wie einer der rund 200 Bewohner es ausdrückt: “El último rincón de Mallorca”, was frei übersetzt heisst “die hinterste Ecke von Mallorca”.

Dieser Winkel, das Westkap von Mallorca, ist der erste Zipfel, den man sieht, wenn man die Baleareninsel vom spanischen Festland aus mit dem Schiff ansteuert. Als allererstes sieht man jedoch eine vorgelagerte Insel: Sa Dragonera, die Dracheninsel.

Die Dracheninsel

Die Isla und der kleine Küstenort, die beide meistens in einem Atemzug genannt werden, verbindet eine symbiotische Beziehung.Sa Dragonera ist auf den kleinen Hafen und die Boote aus Sant Telm angewiesen. Und das kleine Dorf profitiert davon, dass jährlich Tausende von Touristen den Weg durchs Tal finden, um auf die vorgelagerte Insel zu fahren.

Für die Überfahrt ist Pepe verantwortlich. Mit seinem kleinen Fischerboot “Margarita”, an dessen Bug eine pralle Meerjungfrau gepinselt ist, braucht man etwa 20 Minuten für eine Tour. Bei starkem Wellengang verlängert sich schon mal die Fahrt, während die Besatzung von Minute zu Minute merklich ruhiger wird. Pepe ist zwar in Sant Telm geboren. Jetzt wohnt er aber in Palma, fährt jeden Tag eine dreiviertel Stunde mit dem Auto zur Arbeit. “Ich habe eine dreizehnjährige Tochter. Der ist es hier zu langweilig. Vor allem im Winter ist der Ort ziemlich ausgestorben”, sagt der Kapitän, der keine Ausnahme darstellt. Denn viele Menschen, die hier arbeiten, wohnen woanders. Die stämmige mallorquinische Besitzerin vom Hamburguesa-Laden sagt auch warum: “Aquí es el último rincón...” Doch sie will sich nicht beklagen: “Wir leben schliesslich nicht schlecht vom Tourismus.”

Auf den haben sich auch die beiden kleinen Tante Emma-Läden voll und ganz eingestellt. Das Angebot von Gemüse, Wurst, Käse und anderen Lebensmitteln ist eher dürftig. Dafür türmen sich in den Regalen die Wein- und Likörflaschen. In den Wintermonaten, wenn keine Urlauber kommen, bleibt der Laden geschlossen.

Wasser

Früher war Sant Telm einmal ein idyllisches Fischerdörfchen. Ein paar kleine Häuschen am “Plaça de na Caragola” deuten noch darauf hin. Doch die Zeiten sind vorbei. In der schönen Bucht ankern zwar noch einige Fischerbötchen. Einen hauptberuflichen Fischer gibt es aber schon lange nicht mehr. Der Wandel wird eindrucksvoll durch “La Nina” ausgedrückt. Das ist ein Fischerboot mit der kaum lesbaren Nummer PM 1934 - 92 - 7. Es liegt in einem kleinen verwilderten Garten und hat seit Jahren keinen Tropfen Wasser unterm Kiel gehabt.

Doch nicht nur die kleine Barkasse leidet unter Wassermangel. Sondern die ganze Region, denn der Südwesten Mallorcas zählt zu den trockensten Gegenden der Insel. Deshalb ist die Waldbrandgefahr hier auch besonders gross. Noch immer haben die Bewohner nicht die Katastrophe vor fünf Jahren vergessen. Da vernichtete ein riesiges Feuer über 1.300 Hektar Natur. Darunter auch das Naturschutzgebiet La Trapa. Aber zum Glück reichte das Feuer nicht ganz an Sant Telm heran. So ist in dem Tal noch eine üppige Vegetation zu bewundern, wie sie sonst wohl nirgends auf Mallorca zu finden ist. Man wird unweigerlich ans Valle Gran Rey auf der Kanareninsel La Gomera erinnert. Es fehlen nur noch die Bananenplantagen.

Feuer

Doch es besteht jeden Sommer erneut Feuergefahr Alarmstufe rot. Vor allem durch fahrlässiges Verhalten der Menschen. Dabei kann schon eine unachtsam auf den Boden geworfene Glassscherbe einen Brand entfachen. Von einer Zigarettenkippe ganz zu schweigen. Deshalb warnen auf der Strasse von Andratx über S’Arraco nach Sant Telm auch zahlreiche Schilder: “Prohibit encendre Foc” oder “Sie befinden sich in einer Zone mit erhöhter Waldbrandgefahr”.


Strand

Die Gefahr ist erst beendet, wenn man in Sant Telm angekommen ist. Denn dann stösst man direkt zum Strand der weiten offenen Bucht. Hier tummeln sich die sonnenhungrigen Touristen am weissen Sandstrand. Dazwischen skurril verwachsene Pinien, die bei der Morgengymnastik erstarrt zu sein scheinen. Wo die ganzen Urlauber wohnen, wird einem klar, wenn man vom offenen mehr den Blick nach links in die Berge schwenkt. Da sind nämlich über hundert Apartments in die Felsen gebaut. Viel schöner ist die Aussicht in die andere Richung. Auf Sa Dragonera und auf die mächtigen Felsklippen am Ende Sant Telms. “El último rincón” von Mallorca.



 
  
 
 
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