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 Tipps zur Insel
Flora
 

Mediterrane Flora unter besonderer Berücksichtigung der Balearen

 
 © Klaus Siepmann

   
Lieber Garten und Pflanzenfreund,

Wi
r werden Ihnen hier die Pflanzen vorstellen, die Ihnen üblicherweise bei einem Besuch auf den Balearen oder im weiteren Mittelmeerraum auffallen werden. Die hier früher oder später erst eingeschleppten Pflanzen werden mit einem Stern* bezeichnet sein.



A) Einleitung 5. Engelstrompeten
B) Gehölze 6. Baumheide
1. Palmen-Einleitung 7. Zistrosen
2. Die Dattelpalme 8. Oleander
3. Zwerg- oder
    Buschpalme
9. Pistazien
10. Kapernstrauch
4. Kanarische
    Dattelpalme
11. Riesenschilf
 
5. Palmera reina E) Kletterpflanzen
6. Chinesische Hanfpalme 1. Macchienwaldrebe
7. Washingtonia-Palme 2. Brennende Waldrebe
  3. Bougainvillea
C) Bäume 4. Morning Glory
1. Olivenbaum 5. Duft-Jasmin
2. Oleaster  
3. Kiefern F) Stauden / Ein- und Zweijährige
4. Johannisbrotbaum
5. Die Echte Zypresse 1. wilder Mohn
6. Eichenarten 2. Goldblume
7. Die Echte Feige 3. Niedriger Sauerklee
8. Akazien- und  
    Eucalyptus-Arten G) Sukkulenten
9. Lorbeer 1. Opuntie
10. Pfefferbaum 2. Amerikanische Agave
11. Mandelbaum  
12. Der gemeine Judasbaum H) Anmerkungen 
      
D) Sträucher I) Literatur
1. Wacholderarten  
2. Rosmarin J) Kontakt: Walter Schmidt
3. Erdbeerbaum  
4. Spanische Ginster Von unserem Spezialisten Walter Schmidt







  
A) Einleitung



Eigentlich möchte man, wenn man von der Flora spricht nur von den urwüchsig-eingeborenen Pflanzen reden, den autochtonen. Ein Begriff, den man jetzt häufig hört und den jeder Spanier kennt, jedenfalls wenn man mit den einheimischen Umweltschützern spricht. Der Begriff kommt aus dem Griechischen von autós = selbst und chthón, chthonos = die Erde.

Aber mit den eigentlich und ursprünglich einheimischen Pflanzen ist das im Mittelmeerraum so eine Sache. Woran erkennt man sie?
Seit alters wurde gerade hier ex- und importiert, und es sind geradezu einige der am stärksten verbreiteten Vorzeige-Pflanzen, die, mit denen Jedermann die Mediterraneis identifiziert, nicht ursprünglich hier zu Hause. Sie werden überrascht sein, was alles hier erst später einwanderte.

Spannend ist die Beschäftigung mit der Botanik durch die Floren-Brille immer, weil man dann so viel Eigentümliches auch über die Menschengeschichte erfährt, wenn man sich um die gegenseitige Beeinflussung Mensch - Pflanze kümmert.
Botanik mit Kulturgeschichte in einem Teil unserer Region hat aufs wunderbarste Eduard Strasburger verbunden in seinem Werk: Streifzüge an der Riviera, Jena 1904, G. Fischer Verlag. Nicht allein aus allgemein historischem Interesse, sondern auch besonders aus speziellen Gründen der Touristik-Geschichte wäre es von Nutzen, dieses Werk wieder neu (kommentiert) aufzulegen. Der ausgezeichnete Verlag existiert ja noch immer.

Wir werden Ihnen jetzt die Pflanzen speziell vorstellen, die Ihnen üblicherweise bei einem Besuch auf den Balearen oder im weiteren Mittelmeerraum auffallen werden. Die hier früher oder später erst eingeschleppten Pflanzen werden mit einem Stern* bezeichnet sein.
Vielleicht werden Sie, wenn Sie mehr und Genaueres wissen möchten, dazu angeregt, in einem Urlaub an einer botanischen Exkursion teilzunehmen oder an einer Kreuzfahrt, die Sie zu den schönsten Gärten der Mediterraneis führt. Dergleichen Bildungs-Unternehmungen in der Begleitung von erfahrenen und kundigen Führern sind höchst kurzweilig. Vergessen Sie den ganzen wellness- Schmus und tauchen Sie ein in die unbeschreiblich starke Pflanzenwelt dieser einzigartigen Region. Wer Natur und Pflanzen liebt, wird die intensivere Auseinandersetzung mit ihnen hier niemals vergessen.

An alle Grundstücks- und Gartenbesitzer.
Übrigens wächst immer mehr das ästhetische und ökologische Bewusstsein, daß man fast ausschließlich mit den einheimischen Pflanzen, der autochtonen Flora, wunderbare Gartenanlagen machen kann. Anlagen, die imEinklang mit der vorhandenen Natur sind, und für deren Erhalt im Sommer nicht unsinnig gewässert werden muß. Auch deshalb ist es sinnvoll, möglichst viel über die einheimischen Pflanzen zu erfahren.

Flora, aus lat. flos, floris Blume , Blüte, war oder ist die lateinische Göttin des blühenden Getreides und der Blumen. In Rom wurden ihr ein Tempel errichtet und seit 173 v.Chr. vom 28. April bis zum 3. Mai die Ludi florales (Floralia) gefeiert, Frühlingsfestlichkeiten, wie es sie in vielen Kulturen bis zum heutigen Tage gibt.
Von dem Namen dieser Göttin abgeleitet, bezeichnet man mit Flora die Gesamtheit aller Pflanzenarten eines bestimmten Gebietes der Erde, also auch der Balearen, und das Buch, welches diese Pflanzenarten jeweils auflistet und, oft verbunden mit einem Bestimmungsschlüssel (Pflanzen-Bestimmungsbuch), beschreibt.

Übrigens ist und war die Flora hier im Mittelmeerraum gar nicht so völlig verschieden vom Pflanzenkleid nördlich der Alpen. Es wird z.B. berichtet, und auf alten Darstellungen ist zu sehen, daß im 17. und 18. Jahrhundert der Apenin mit der klassischen deutschen Weihnachtsfichte (Picea abies) bestanden war. An der Straße nach Valdemosa steht in einem Garten eine solche kerngesund unmittelbar neben einer Washingtonia-Palme. Und auf Mallorca wie im Teutoburger Wald und anderswo wachsen Schlehen (Prunus spinosa) aus deren Früchten man auch hier einen vorzüglichen Likör zu destillieren versteht.
Über 75% der hiesigen Flora wächst oder könnte auch in Deutschland wachsen. Hier und dort natürlich, klimabedingt, etwas anders in Wuchs-Tempo und -Form. Aber sie wächst.

Die landschaftsbestimmenden Akzente der Zypressen, Olivenbäume, die Zitrusfrüchte und der Lorbeer, die gibt’s frei ausgepflanzt natürlich nur hier. Wer diese in Berlin bewundern möchte, ist auf Kübel- oder Gewächshaus-Kultur angewiesen. In Töpfen aber sind diese Pflanzen auch nördlich der Alpen nicht selten. Und wer weiß schon, was in den nächsten Jahrzehnten die Klimaveränderungen uns noch so alles bescheren werden.

Obgleich im Mittelmeerraum die Natur seit Jahrtausenden ausgebeutet wird, ganz besonders in den letzten 200 Jahren und wieder verstärkt nach dem zweiten Weltkrieg, hat sie sich bisher trotzdem irgendwie immer noch behaupten können.
Die Zerstörung der ehemals zusammenhängenden, dichten Wälder in der gesamten Mittelmeerregion zur Holzausbeute, die Beweidung mit Schafen und vor allem Ziegen, die jeden pflanzlichen Jungwuchs unterdrücken, das traditionelle Abbrennen der Gehölze zur Förderung von Weidegräsern, und heute zusätzlich aus durchsichtigen bauspekulativen Gründen, führte vielfach zu enormen Erosionsschäden, bzw. zur totalen Degradation weiter montaner Regionen.

Andererseits sind die küstennahen Buschgesellschaften macchia, garrigue, phrygana oder batha, vielfach schon ein Ergebnis menschlicher Naturverachtung, trotzdem oder gerade deswegen ungemein interessante, artenreiche Vegetationsformen geblieben.
Dennoch sollte niemand so naiv sein zu glauben und zu erwarten, die Natur werde - wie bisher in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, alle Mißwirtschaft und Schindluder, die mit ihr von den Menschen getrieben werden, wegstecken und kompensieren können.


Wir werden jedenfalls alle naturerhaltenden und -schützenden Maßnahmen nach Vermögen unterstützen.
Wer persönlich etwas tun möchte, kann sich in Deutschland beim Naturschutzbund Deutschland e.V.(NABU), Bundesgeschäftsstelle Herbert-Rabius-Str. 26, 53225 BONN; oder auf Mallorca bei Grupo Balear d’Ornitologia i Defensa de la Naturalesa, Veri 1, 3°, E-07001 Palma de Mallorca informieren.
Bei Anfragen sollte man aber vorher schon ganz klare Vorstellungen von dem haben, was man in diesem Bereich an Leistungen einbringen möchte. Nur so ist gewährleistet, daß man richtig beraten wird. Jedenfalls gibt es eine Fülle an Aufgaben für viele Interessenten.

  
B) Gehölze

  
1. Palmen

 
 © Klaus Siepmann

   

Palmen sind für die Menschen immer etwas Besonderes gewesen, weshalb sie der Vater der modernen Botanik, der Schwede Linné, unter dem Namen Principes, die Ersten, einordnete. Zwecks besseren Zurechtfindens teilt der Laie sich diese Pflanzen gemäß ihrer Blattformen in zwei Gruppen ein: die Fiederblättrigen (Fi) und die Fächer-Blättrigen (Fä).
Für die Nordländer ist klar, wenn sie Palmen sehen, sind sie im Süden angekommen. Hier in der Mediterraneis ist man zwar noch nicht in den Tropen, - aber immerhin....

Zwei Arten sind schließlich Anrainer dieses Meeres: die Europäische Zwerg- oder Buschpalme und eine Art der Phoenix-Palmen, die spontan auf Zypern und in der W-Türkei vorkommt und nach dem griechischen, antiken Philosophen Theophrast (* Eresos zwischen 372-369 v.Chr. † Athen zwischen 288-285 v.Chr.) Phoenix theophrastii genannt wurde.

Sie ist bisher leider außerhalb spezieller Pflanzensammlungen kaum zu sehen, allerdings für Laien auch kaum von der Dattelpalme zu unterscheiden. Ihr spezieller Zierwert ist - gemäß konventionellen Vorstellungen nur bescheiden, ihr ökologischer Wert hoch.

  
2. Die Dattelpalme

Viele Bauernhäuser im Lande haben als Hofbaum eine Palme gesetzt. Das ist eine schöne und nach Jahrzehnten auch hilfreiche Sitte. Denn wenn man nicht so genau weiß, wo genau zwischen all den Hecken und Mauern die finca liegt, zeigt die aus allem Gewirr weit herausragende Palme: „Hier ist es!“ Meistens handelt es sich bei diesen Solitären um eine echte Phoenix-Palme, die Dattelpalme oder deren nahe Verwandte mit den ungenießbaren Früchten, die Kanarische Dattelpalme. In einer Baumschule wurden diese Palmen bestimmt nicht gekauft. Man war arm und konnte für den Garten kein Geld ausgeben. Das war auch nicht nötig. Unter irgend einem alten Baum in der Nachbarschaft fanden sich immer spontan gekeimte Jungpflanzen, oder man pflanzte selber einen Dattelkern ein - und wartete. Man hatte Geduld.Übrigens haben sich gerade in dieser Gattung die Arten so lange schon kreuz und quer gemischt, daß reine Typen selten sind. Auch kann man die guten Fruchtsorten der Dattelpalmen sowieso nicht aus Samen vermehren. Man muß von den besten Typen die Schößlinge abnehmen, die sich an der Basis der großen Stämme bilden. Also nur eine vegetative Vermehrung sichert beste Fruchtbäume.

Die Blattkronen der echten Dattelpalmen sind viel weniger dicht, die Stämme schlanker und höher als die der Palme von den Kanarischen Inseln. Brauchbare Datteln kann man auf den Balearen z.B. noch nicht ernten. Dazu ist die Jahreswärmesumme noch zu niedrig.

  
3. (Europäische) Zwerg- oder Buschpalme, mallorq. Garballó (Chamaerops humilis)

 
 © Volker Dannenmann

   
Nicht allein, daß diese Palme wild auf den Balearen wächst, auf Mallorca bes. im Süd-Westen der Insel, sie ist auch ein wunderbares Gewächs für alle Garten- und Landschaftsaufgaben. Sie wird als mehrstämmiger Busch bis zu 4m hoch und doppelt so breit; einstämmig kann sie über 7m Höhe erreichen.

Es ist mit dieser Art ähnlich wie mit dem Johannisbrotbaum: er wird - ein allgemein menschliches Phänomen - wenig geschätzt, weil er z.B. auf den Balearen sowieso überall vorhanden ist. Man achtet eben das Seltene weitaus mehr als das überall Vorhandene, selbst wenn dies Letztere, objektiv betrachtet, viel mehr Qualitäten aufweist.

In Hungerszeiten hat man früher die ganz reifen Früchte der Buschpalmen gegessen. Aus den Blättern machte man Seile, und Schnüre und aus diesen wurden Sohlen für die espardenyes (kastill. alpargatas; esparteñas wenn aus Espartogras geflochten), diese leichten Sommerschlappen mit dem Leinentuchoberteil.

  
4. Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis)* Fi

Sie ist neben der Washintonia die am meisten gepflanzte Art auch auf den Balearen. Sehr häufig sieht man sie leider völlig falsch gepflanzt. Denn die wenigsten Gartenbesitzer können sich vorstellen, daß aus einem so kleinen Samen-Kern eine so gewaltige Pflanze wachsen wird. Fast alle anderen Gehölze, die es gibt, kann man aber durch Schnitt, wenn sie zu groß werden sollten, im Zaume halten. Bei einer Palme ist das nicht möglich. Daher findet man häufig selbst in kleinsten Vorgärten diese gewaltige Phoenix-Palme, wo sie gegen alle Gesetze der Proportion verstößt.

Wo Platz ist - eine ausgewachsene Pflanze auf gutem Grund benötigt etwa 40-50 m² Standraum - wird man sich immer an diesen eindrucksvollen Gestalten erfreuen. Ihre dichten Kronen, die aus bis zu 200 5 bis 7m langen Fiederblättern bestehen, werfen einen angenehmen soliden Schatten.

  
5. Palmera reina (Syagrus romanzoffiana; früher Arecastrum r.)* Fi

 
 © respective Owner

   
Diese S-Amerikanerin ist viel eher ein Gartengehölz. Der gelegentlich für sie gebrauchte (botanisch allerdings falsche) Name Cocos plumosa weist auf die locker geschwungenen fedrig dichten, bis zu 5m langen Fiederblätter hin. Ihr Stamm wird nur bis zu 60cm dick; an Höhe kann sie aber im Laufe der Jahre durchaus 10m erreichen. Doch wird sie eigentlich nirgends zu aufdringlich. Schlank und elegant strebt sie in die Höhe, ihre Blätter schwingen im Wind.

  
6. Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei)* Fä

 
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Die Chinesische Hanfpalme , wird manchmal fälschlich in den hiesigen Baumschulkatalogen Chamaerops excelsa genannt. Nun, solange es sich um Jungpflanzen handelt, könnte man die beiden schon verwechseln. Später allerdings bildet die chinesische Palme immer einen schlanken Stamm, der sehr lange noch mit einem Gewirr harter Fasern bedeckt ist: ihr Erkennungszeichen. Diese Palme ist eine der winterhärtesten der ganzen Familie der Palmen. Im Weinbaugebiet könnte man sie an geschützten Stellen auch in Deutschland draußen auspflanzen. Zierend ist auch bei ihr - wenn sie etwas älter geworden ist - der leuchtende Fruchtstand. Sicherlich ist diese Art für Gärten viel besser geeignet als die Kanarische Dattelpalme oder die Washingtonia.

  
7. Washingtonia-Palme (Washingtonia filifera)* Fä

Von dieser Gattung gibt es zwei Arten. Beide stammen aus demSüden N-Amerikas ( S-Kalifornien, W-Arizona, Baja California und Mexiko).
Hinsichtlich ihrer Art-Namen gibt es eine kleine Kuriosität: die Washingtonia robusta ist viel weniger robust als die andere Art Washingtonia filifera. Diese letztere ist denn auch auf den Balearen die weitaus am häufigsten gepflanzte dieser Palmen-Gattung. Man kann sie sehr gut daran erkennen, daß ihre Fächersegmente an den Kanten stark mit Fäden besetzt sind
Nachdem die Blattbasen abgefallen sind machen beide Palmen einen fein gerauten, grauen Stamm von bis zu 20m und mehr Höhe. Wenn sie im Untergrund immer etwas Wasser finden oder man sie in die Nähe von Klärgruben pflanzt, wachsen sie - für Palmen - erstaunlich schnell.


Es gibt natürlich heute hier noch viel mehr Palmen-Arten in den Gärten und öffentlichen Anlagen. Und ständig werden - von Spezialisten importiert - weitere unter den hiesigen klimatischen Bedingungen ausprobiert. Aber die obigen gehören trotzdem immer noch zum Standardsortiment der Gartenanlagen und der Landschaft.



  
C) Bäume

  
1. Olivenbaum

 
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Der Olivenbaum (Olea europaea) muß hinsichtlich seiner Bedeutung, seines Nutzens für die Menschen, und hinsichtlich seiner Schönheit immer an erster Stelle genannt werden. Einige Wissenschaftler definieren sogar das mediterrane Klima anhand des Vorkommens dieser alterwürdigen Kulturpflanze. Denn schon in dem Jahrhundert 3700 bis 3600 v. Chr. ist sein Anbau als ölhaltige Früchte liefernder Baum nördlich des Schwarzen Meeres nachgewiesen.Er ist auch außerhalb des Mittelmeerraumes so bekannt, daß selbst die sonst pflanzenunkundigen Zeitgenossen diesen Baum immer erkennen. Selbstverständlich sind im Laufe der Jahrtausende ganz unterschiedliche Typen selektiert worden. Heute existieren sicherlich über 500 Varietäten.
Unterscheiden muß man zwischen den Oliven zur Ölgewinnung und den zum Einlegen bestimmten Tafeloliven.
Die Kenner unterscheiden - wie auch beim Wein - sehr sicher die verschiedenen Aroma-Nuancen der Öl-Proveniencen und - Typen von den diversen Baum-Sorten.

Das schonend gepresste Olivenöl ist eines der gesündesten Nahrungsmittel der Menschheit.
Die grünen oder schwarzen Tafeloliven wachsen nicht an verschiedenen Bäumen. Die schwarzen Früchte sind nur die reiferen. Beide gehören als Appetizer - in unterschiedlich gewürzten Laken eingelegt - zum klassischgen Entree jeder mediterranen Mahlzeit.
Alle guten Nutzpflanzen-Typen müssen vegetativ vermehrt werden, dh. durch Stecklinge oder Veredlung.

  
2. Oleaster (O. europaea ssp. sylvestris)

Überall trifft man in der Mediterraneis auch auf die wilde Form des Olivenbaums, den Oleaster (O. europaea ssp. sylvestris), E Olivo silvestre, dessen Bezweigung oft stark dornig besetzt ist, und der mit viel ungenießbaren kleineren und weniger fleischigen Früchtchen aufwartet als die echte Olive, ein Gehölz, das aber sehr gut für Hecken geeignet ist oder als frei wachsender Baum in der Landschaft wirkt.

Beide, die echte und die wilde Olive haben ein ausgezeichnetes, dichtes sehr gut zu bearbeitendes Holz. Leider kann man selten ordentliche Stammstärken ernten. Es reicht meist nur für Kleinmöbel. Aber auch Werkzeugstiele aus diesem zähen Holz sind sehr gesucht. Olivenbäume wachsen auch noch auf den schlechtesten und steinigsten Böden und werden mühelos über 1000 Jahre alt. Vielerorts kann man alte Stamm-Skulpturen bewundern, bei denen die Mitte schon lange weggerottet ist, aus mehreren äußeren Partien aber immer noch eine Baumkrone versorgt wird, die regelmäßig Früchte trägt.

Ein weiteres Phaenomen des Olivenbaums ist, daß er sich noch nach Jahrhunderten verpflanzen lässt. Viele Baumschulen bieten heutzutage pittoresk gealterte ausdrucksstarke Stämme an. Man sollte sich aber überlegen, bevor man so eine lebendige Antiquität fürs eigene Grundstück erwirbt, ob sie wirklich in das intendierte Ambiente passen wird. Man kann auch zahme Neuanlagen vermittels eines knorrig-wuchtigen Altholzes deklassieren.

  
3. Kiefern  mallorq. Pi (Pinus halepensis)

 
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Die Kiefern auf Mallorca sind zu weit über 90% Aleppo-Kiefern, mallorq. Pi (Pinus halepensis) und nicht die üblicherweise von den "Nordlichtern" hier im Süden erwarteten Pinien mit den schirmförmigen Kronen. (Allerdings steht eine dieser Pinus pinea direkt am Fahrbahnrand der Straße von Valldemossa nach Deiá. Ein ganz gewaltiges Naturdenkmal.) Die Nadeln der echten Pinie sind graugrün bis dunkelgrün, 12-18cm lang.

Die Nadeln der Aleppo-Kiefer sind dagegen hellgrün - besonders im Austrieb - und werden nur 10 cm lang. Den Kieferpflanzungen auf Mallorca fehlt daher die düstere Schwere. Sie sind freundlich-heiterer. Wärend man die Samen der echten Pinie essen kann und daher auch kommerziell erntet und verarbeitet, sind die Samen unserer Kiefern hier ohne wirtschaftliche Bedeutung.

  
4. Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)

 
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Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), E Algarrobo ist wie der Olivenbaum immergrün. Ein herrliches Gehölz unserer Region. Trockenheiße Landstriche und Kalkböden machen ihm nichts aus. Die derben, gefiederten Blätter geben einen guten Schatten. Die gelblichen Blüten erscheinen reichlich, aber sind unscheinbar.

Man würde sie vielleicht gar nicht bemerken, wenn man sie nicht röche: ein starkes, weit schweifendes, strenges Aroma, das auch dem seimigen Honig dieser Pflanzen anhaftet. Für viele Menschen ist dieser ausgesprochene Charakterduft gewöhnungsbedürftig. Wenn sie ihn akzeptieren werden, ja im Herbst schon auf ihn warten, dann gehören sie dazu. Haben ein Wesentliches des Flairs dieser Landschaft in sich aufgenommen. Die ganz reifen Schoten-Früchte waren ehemals Naschwerk für Kinder - als es noch nicht die wunderbaren massenhaft beworbenen modernen Industrie-Snacks gab.

Heute sind die ganzen Früchte des Johannisbrotbaumes ein ausgezeichnetes Viehfutter. Unbedingt verträglicher als BSE-verseuchtes Tiermehl. Industriell werden die Früchte auch zur Herstellung alkoholischer Getränke verwendet. Die gemahlenen Samen sind ein wichtiger Quell- und Dickungsstoff in vielen Nahrungsmitteln. Sie werden als solche bei den Ingredienzien oft mit angegeben. Übrigens, vom lateinischen Namen Ceratonia ist das Wort Karat abgeleitet, das Gewichtsmaß für Edelsteine (0,2g), denn früher benutzte man die sehr gleichmäßig wachsenden, getrockneten Samen zum Wiegen von Gold und Edelsteinen.

  
5. Die echte Zypresse mallorq. Ciprer (Cupressus sempervirens)

Bei den Vorzeigepflanzen des Mittelmeerraumes darf man die Echte Zypresse , mallorq. Ciprer (Cupressus sempervirens) nicht vergessen. Vor allem die Säulen-Form dieser Art wird allgemein als eines der Symbole fürs Mediterrane angesehen. Und das nicht erst in neuerer Zeit. Schon im Altertum war diese immergrüne Konifere mit ihrem typischen Wuchs Inbegriff von Dauer (Ewigem Leben) über Vergänglichkeit und Tod hinaus.

Die ausgebreitete Wuchsform dieser Art wird leider zu Unrecht viel zu wenig gepflanzt. Sie wäre im Bereich des öffentlichen Grüns ein sehr robuster Schattenbaum. Beide Typen sind allerdings überhaupt keine Pflanzen für den normalen Privatgarten. Dazu werden sie viel zu groß. Auch kann man mit ihrem weit reichenden Wurzelwerk Ärger bekommen. Denn vor Zypressen und Kiefernwurzeln ist kein Rohrleitungssystem sicher.

  
6. Eichenarten

 
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Zwei immergrüne Eichenarten (und Zwischenformen) findet man auf den Balearen:
1. die Stein-Eiche (Quercus ilex)
2. die Kermes-Eiche (Quercus coccifera)

Die Stein-Eiche, mallorq. Alzina, wird ein bis zu 25m hoher langsamwüchsiger Baum. Blätter 3-7cm lang, die Eicheln meist zu 1-3en, bis zur Hälfte im mit weichhaarigen anliegenden Schuppen besetzten Becher.
Sie wirft einen recht kompackten Schatten. Ihr Stammholz wäre bestes Baumaterial, wenn es nur genügend davon gäbe und die Bäume konsequent gradschäftig gezogen werden könnten.

Die Kermes-Eiche, mallorq. Coscoll, Alzina ravell, ist eine mehr strauchig wachsende Art, 2-4m hoch, mit glänzend grünen, dornig gezähnten, 1,5-4cm langen Blättern. Die Eicheln meist einzeln stehend, halb vom Becher umgeben, der mit kurzen, stacheligen, abstehenden Schuppen besetzt ist.
Auf dieser Art u.a. leben die Kermes-Schildläuse (sh. bei der Opuntie). Ihre erbsengroßen Weibchen wurden früher getrocknet und als Lieferant des roten Farbstoffes Kermes in den Handel gebracht. Daraus entstand das Karmesinrot.
Bei uns steht diese Eiche als Unter- oder Randbewuchs lichterer Wälder, in der garrigue oder macchie in Küstennähe.
Beide Arten wären in den Gärten als Heckenpflanzen gut zu gebrauchen. Nicht zu vergessen, daß Schweine, die regelmäßig auch draußen mit Eicheln gemästet werden ein gar köstliches Fleisch produzieren.

  
7. Die echte Feige mallorq. Figuera borda (Ficus carica)

Die Echte Feige* ist so ganz ur-echt nun auch wieder nicht. Sie stammt höchstwahrscheinlich aus Vorder-Asien, war aber schon in der klassischen Antike im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Es handelt sich um einen sommergrünen dicktriebigen, weichholzigen Großstrauch oder Baum, der wohl auch bis über 10m hoch, und dessen Krone bis zu 20m breit werden kann. Seine langgestielten etwas rauhen Blätter sind gelappt. Eine Besonderheit sind die von uns geschätzten Früchte, die gar keine eigentlichen Früchte sind, sondern der nach innen eingesenkte angeschwollene Blütenboden mit den innen sitzenden Blüten, bzw. Fruchtständen. Bei den Sorten, welche Bestäubung benötigen macht das die auf Feigen spezialisierte Wespe Blastophaga psenes. Sie kriecht durch das Löchlein, welches ganz oben an den Früchten zu sehen ist. Nach der Befruchtung bilden sich bei diesen Pflanzen, die dem Typ der Smyrna-Feigen angehören, richtige Samen, welche den Früchten einen zusätzlichen Nuß-touch verleihen. Die samenhaltigen Früchte eignen sich auch gut zum Trocknen. Die Feigen, welche auf eine Befruchtung verzichten, werden hauptsächlich als Frischobst genutzt.

Ein Feigenbaum kann dreimal im Jahr mit Früchten aufwarten: am aromatischsten sind die Frühjahrsfeigen, im Sommer gibt es die höchsten Erträge und die Herbstfeigen kann man ruhig den Wespen und Vögeln überlassen. Ferner gibt es dunkel-lila-schwarze und grüne Früchte, Sorten, die früher oder andere, die später reifen.

Und da Feigen sehr gesund sind, und man sie auch als Obst vielseitig einsetzen kann, sollte ein jeder, wenn er die Möglichkeit dazu hat, ein oder zwei Feigenbäume in sein Gärtlein setzen.

  
8. Akazien- und Eukalyptus-Arten

 
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Vor allem mit zwei Gattungen hat Australien die entsprechenden Klimaregionen der Welt versorgt. Mit Akazien- und mit Eucalyptus-Arten. Verteufelt werden zu Recht die Eucalyptus*-Monokulturen, die verschiedentlich auch im Mittelmeerraum zur Holzgewinnung für die Papierindustrie angelegt wurden. Eukalyptus, kastill. Eucalipto, ist eine fremdländische Gattung, in welcher sich mit einer allerdings rein tropischen Art der höchste Laubbaum der Erde befindet, der bis zu 100m hoch wachsen kann.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Arten, die nur 2-3 oder bis 5m hoch werden. Die hier industriell gewünschten Arten werden nur 40-60cm hoch; sie wachsen sehr schnell, einige Arten bis zu 3m im Jahr, und beuten den Boden ungeheuer aus und verbrauchen enorm viel Wasser. Ihr Laub zersetzt sich sehr schlecht, bildet keinen Humus. Darüber hinaus verdrängen sie einheimische Flora. In Wirklichkeit ist es mit dem Eukalyptus wie mit so vielen anderen Sachen: man kann mit ihnen sehr viel Unfug anstellen, aber man kann sie auch sehr sinnvoll einsetzen. Denn unter den über 450 sehr unterschiedlichen Arten gibt es auch für den Mittelmeerraum ganz ausgezeichnete Gehölze.
1. welche die mit sehr, sehr wenig Niederschlägen auskommen.
2. einige, die noch auf den allerschlechtesten Böden wachsen.
3. einige, die sogar für den Privatgarten ausgezeichnete Blütenbäume abgeben.
4. und fast alle kennen kaum Krankheiten.
Sie haben ein sauberes, gesundes Laub. Viele Arten können bei Sonne ihre Blätter so stellen, daß die Sonne die Blattspreite nicht trifft. Daher sagt man, daß es in Eukalyptuswäldern kaum Schatten gibt. Ferner haben viele Arten in der Jugend ein stielloses, gel. den Stengel umgreifendes, oft silbern-graugrünes und erst im Alter von diversen Jahren bilden sie ein meist schlankes gestieltes, mehr grünes Blatt aus. Übrigens riechen die Blätter gar nicht aller Arten nach Eukalyptus-Bonbons. Beim hier häufig gepflanzten hochwüchsigen E. globulus ist das allerdings der Fall. Aus seinem Laub wird auch das Eukalyptusöl industriell extrahiert. Wer genauer wissen möchte, was man in dieser aufregenden Gattung alles so finden kann, schlage im Hortus Mediterraneus nach.

In Band II Detailinformationen über die Gattung und in Band IV ACheP findet man eine Reihe von Verwendungslisten. Während die Gattung Eucalyptus nur immergrüne Gehölze kennt und fast ausschließlich auf Australien beschränkt ist, gibt es bei den Akazien*, mallorq. Arambuco (Acacia spec.) mit 750-1 200 Arten, immergrüne und laubabwerfende Arten in Australien, S-Afrika, Zentral- und S-Amerika und Polynesien. Häufig gepflanzt werden bei uns 4-6 Arten, die immer richtig auseinanderzuhalten recht schwierig ist. Nennen wir doch einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Bei allen Akazien gibt es nur gelbe bis gelbliche Blüten. Die Blüten bestehen nur aus Staubgefäßen. Die Blüten stehen an den Gehölzen in Walzen oder in runden Bällchen. (Bei den Floristen-Arten Bällchen-Blüten in großer Menge. Bei einigen auch Duft; die Arten mallorq. Aromo.) Auch unter den Akazien gibt es einige Trockenheitsvirtuosen, weshalb man sie z.B. ausgezeichnet zu landschaftlichen (Re-)Kultivierungsaufgaben einsetzen kann. Daneben sind die meisten - da sie jeden Schnitt vertragen - gute Gartengehölze.


  
9. Lorbeer

Der Lorbeer, mallorq. Llorer, (Laurus nobilis) wurde schon im Altertum als Heil- und Gewürzpflanze kultiviert. Eigentlich jeder kennt seine getrockneten Blätter vom häuslichen Küchen-Gewürzbord her. Er ist ein Strauch oder Baum 5-15m hoch; die Blätter,3,8-10 x 1,3-3,8cm, ledrig, zugespitzt, oberseits dunkelgrün; die Blüten grünlichgelb, zu mehreren März bis April.
Auch der Lorbeer ist heute eigentlich eines der Gehölze, das zu selten gepflanzt wird.

Sogar im kleineren Privatgarten wäre für ihn Platz, da man den Lorbeer ausgezeichnet mit der Schere im Zaum halten kann.

  
10. Pfefferbaum

Den Begriff Pfefferbaum* sollte man nicht zu wörtlich nehmen. Früher wurden in der Tat die Früchte des Pebreboner (mallorq.), der in Mexiko, Chile und Brasilien zuhause ist, gemahlen als Pfefferersatz gelegentlich verwendet. Sie sind überaus gesundheitsschädlich. Auffallen tuen diese immergrünen Bäume mit ihren gefiederten Blättern als unglaublich robuste Straßenbäume. Die Blüten in kleinen gelblichweißen Rispen werden gefolgt von den rosaroten Beerenfrüchten, die ebenfalls zierend sind. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, daher sind die Beeren nicht an allen Pflanzen zu finden.

  
11. Der Mandelbaum

 
 © Klaus Siepmann

   
Der Mandelbaum (Prunus dulcis) ist ursprünglich in Mittel- und Vorderasien heimisch, kam aber schon in der Antike in den Mittelmeerraum. Er ist ja nun für Mallorca immer noch landschaftsbestimmend. Bis vor 1940 war die Insel das größte zusammenhängende Mandelanbaugebiet der Welt. Danach übernahm Kalifornien diese Position. Aber immer noch - und ich teile diese Ansicht durchaus - sind die mallorquinischen Mandeln, was das Aroma angeht, allen anderen Provenienzen vorzuziehen. Das liegt u.a. einfach daran, daß die Kalifornier ihre Plantagen düngen und wässern, wodurch größere, aber keineswegs bessere Früchte erzielt werden.

Die Mandeln, welche zu den Steinfrüchten gehören, sind genau so strukturiert wie Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Kirschen, Nektarinen. 1. unter der Außenhaut ein weiches Fruchtfleisch (bei den Mandeln wenig ausgebildet, wenig saftig und ungenießbar; höchstens Viehfutter) 2. dann kommt eine harte Schale und 3. in der Schale ein weicher Kern, die essbare Mandel; die Kerne aus Pfirsichen und Aprikosen werden zu Persipan verarbeitet, dem Ersatz für das edlere Marzipan, das aus Mandeln hergestellt wird.

Bei den Süß-Mandeln (Prunus dulcis var. dulcis) gibt es unterdes eine Fülle von Sorten. Eine grobe Unterteilung kann man machen, wenn man die hartschaligen von den weichschaligen, die man mühelos mit der Hand knacken könnte, trennt. Natürlich kommen für den Anbau auf Mallorca nur die hartschaligen Sorten infrage. Schon deren Früchte werden zu gern von den Mandelratten geerntet. Dh. diese Tierlein - von denen es auf der Insel abermillionen gibt - ernähren sich hauptsächlich von Mandeln. Weichschalige Sorten (Prunus dulcis var. fragilis) könnten zusätzlich bestens auch von allen Vögeln konsumiert werden. Da würde für eine menschliche Ernte wenig über bleiben. Die Bitter-Mandeln muß man jetzt nicht mehr extra anbauen, weil man das Bittermandelöl, das ein wenig in der Bäckerei verwendet wird, leichter und preiswerter aus den Kernen von Aprikosen gewinnen kann.

  
12. Der gemeine Judasbaum (Cercis siliquastrum)

Der Gemeine Judasbaum (Cercis siliquastrum) trägt einen wenig attraktiven deutschen Namen, wobei das Wort gemein nicht auf eine niedrige Gesinnung, sondern nur auf sein allgemeines Vorkommen hinweisen soll. Die Mallorquiner nennen ihn viel galanter Arbre de l’Amor. Es handelt sich um einen bis zu 10m hohen Baum oder Großstrauch. Von seinen purpurrosa Blüten ist er im März, noch blattlos, völlig bedeckt. Eine Kuriosität ist, daß die Blüten sogar direkt aus der Rinde des Stammes oder der mehr oder weniger dicken Äste entspringen kann. Und diese Blüten sind essbar. Sie waren schon in der Antike wegen ihres delikaten Aromas beliebt. Eine schöne Möglichkeit bunte Salate zu kreiern.

  
D) Sträucher

  
1. Wacholderarten

 
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Auf den Balearen sind zwei Wacholderarten zuhause: der Stech-Wacholder, mallorq. Ginebró (Juniperus oxycedrus) und der Phoenizische Wacholder, mallorq. Sivina (Juniperus phoenicea). Ersterer - wie der Name schon sagt - sticht, der letztere nicht. Die Nadeln des ersteren sind weit gestellt, die Zäpfchen reifen im zweiten Jahr und sind dann glänzend rotbraun. Beim Phoenizischen Wacholder sind nur bei den Jungpflanzen die Blätter nadelig, später sind sie schuppig amliegend, hell- bis blaugrün. Der Stech-Wacholder wächst besonders gern in der Nähe der Meeres, z.B. meistens in den Dünen hier zu finden. Auf besten Standorten kann er 12m hoch werden. Der nicht stechende, andere gedeiht auch in Küstennähe und kann 2-6m hoch werden.

  
2. Rosmarin mallorq. Romani, kastill. Romero

Den Rosmarin, mallorq. Romani, kastill. Romero werden wohl auch die meisten Laien-Botaniker erkennen, besonders dann, wenn sie gute Köche sind.
Er ist ein immergrüner 0,5- (höchstens) 2m hoher sehr aromatischer Strauch. Seine ledrigen nadelförmigen Blättchen sind am Rande eingerollt, oberseits tiefgrün, unterseits graufilzig. Die Blüten sind blaß- oder intensivblau bis weißlich. Man findet den Rosmarin im gesamten Mittelmeerraum. Für naturhafte Gartenanlagen ist er unverzichtbar. Zu diesem Zwecke wurden auch schon in der Vergangenheit mehrere Wuchsformen selektiert: z.B. ganz straff aufrecht wachsende für niedrige Hecken, sich flach dem Boden anschmiegende als Bodenbedecker. Schon die alten Griechen benutzten ihn als Heil- und Würzpflanze.
Botanisch betrachtet ist der Rosmarin dem Lavendel nahe verwandt. Das Rosmarin-Öl ist noch heute wichtiges Ingredienz des sog. „Kölnisch Wasser“.

  
3. Erdbeerbaum (Arbutus unedo)

 
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Erdbeerbaum (Arbutus unedo), das ist doch ein schöner Name für ein wunderschönes Gehölz, den man sich gut merken kann. Zumal die Früchte dieses immergrünen Großstrauchs oder kleinen Baumes durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Erdbeeren haben. Und essen kann man sie auch. Muß man aber nicht, denn soweit geht die Ähnlichkeit mit der Erdbeere denn doch nicht, daß diese Strauch-Früchte nun auch noch wirklich wie Erdbeeren schmeckten. Nein, ihr Aroma ist eher fade, die Konsistenz mehlig.

Die Blätter oberseits glänzend grün, unterseits matt; der Rand gesägt; kleine weiß bis rosa hängende Glockenblütchen in Rispen; und dann die bis 2cm dicken rundlichen Beeren mit der warzigen Oberfläche. Es ist dies eine der wenigen, den Ericaceen zugehörigen Pflanzen, die auch noch kalkhaltige Böden verträgt.
Es gibt zu dieser Gattung noch eine mehr im Osten angesiedelte Art und die Kreuzung zwischen den beiden, und dann noch den Verwandten aus dem westlichen N-Amerika, den Madrono, der aber insofern zu den anderen nicht so recht passt, weil er nun wieder keinen Kalk verträgt und auch sonst überaus heikel in der Kultur ist. Jedoch alle diese Arten der Gattung Arbutus sind in jedem Falle wunderbare mediterrane Gehölze.

  
4. Spanische Ginster

Wer auf Mallorca oder anderswo hier im Süden über die Autobahn fährt, sieht neben dem Oleander im April bis Mai eine weiteres Blütengehölz, 1,8-2,5m hoch, das etwas Besonderes ist. Der mit grazilen weißen, stark duftenden Blütenkaskaden aufwartende Spanische Ginster * oder Küstenretama, kastill. Retama blanca (Retama monosperma). Eine im Aufbau ähnliche Art mit gelben, jedoch praktisch duftlosen Blüten ist der Retama común*.
  
5. Engelstrompeten

Aus Deutschland kennen wir die Engelstrompeten* (Brugmansia) als eindrucksvolle Kübelpflanzen, hier können sie, frei ausgepflanzt bis zu kleinen Bäumen mit 5-10m Höhe heranwachsen. (Früher hat man wohl auch „Stechapfel“ zu ihnen gesagt.) Diese Gattung mit etwa 5 Arten kommt aus den Anden S-Amerikas. Bei den Arten und Gartenformen werden mehr oder weniger weite Blütentrompeten, hängend oder nickend, einfach oder doppelt, in weiß, gelb oder rot, und mit oder ohne Duft, der besonders abends betörend stark ist, ausgebildet.


  
6. Baumheide

 
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Die Baumheide, mallorq. bruc (Erica arborea) gehört zu den bestimmenden Pflanzen der Macchie. Sie gibt es aber auch sonst, etwas weiter im Inland; die Büsche können 2-5 m hoch werden. Wie fast alle Ericaceen möchte auch die Baumheide kalkfreie Böden. Erkennen kann sie auch ein Laie leicht, hat sie doch das typische, feine Heidelaub und die ebenso charakteristische -blüte. In Baumärkten und Pflanzencentern werden zu Rollen aufgewickelte Reisigmatten, aus dieser Heide gefertigt, angeboten. Als Sicht- und Sonnenschutz leisten sie hervorragende Dienste.

  
7. Zistrosen (mallorq. estepa)

 
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Von den Zistrosen, mallorq. estepa, die nun wirklich richtige Mittelmeeranwohner sind, gibt es auf den Balearen 5-6 Arten. Nicht zu rechnen die hybriden Formen, welche in Gärten gepflanzt werden. Es sind Sträucher, meistens um die 1m hoch, wenngleich bei einigen Arten auch Höhen bis zu 2 und mehr Metern vorkommen könnten. Die Blätter sind bei allen gegenständig, bei einigen gänzlich oder teilweise filzig, oder eingerollt, gel. einen harzig-aromatischen Duft verströmend.

Die sehr zarten Blütenblätter sind rosarot oder weiß, in der Mitte ein Büschel gelber Staubgefäße, und nahe denen bei einigen dunkle braunrote Basalflecken. Wenn die für Wildsträucher ungewöhnlich großen und edlen Blüten sich im Frühling bis Frühsommer am Morgen öffnen, sind sie zuerst noch recht zerknittert, sie glätten sich schnell in der Sonne, mittags fallen sie aber leider meist schon ab. Aber da Knospen in Fülle die Büsche bedecken, darf man in den kommenden Wochen mit einem ununterbrochenen Blühen rechnen.

  
8. Oleander

Den Oleander, Nerium oleander, E Adelfa, bewundert man gemeiniglich hier zum ersten Male, wenn man über Autobahnen fährt. Welch eine Mühe muß man sich z.B. in Deutschland mit den Oleander-Kübelpflanzen machen. Und hier - Straßenbegleitgrün.
Er ist ein echt mediterranes Gehölz, wird in der Antike schon als Zierpflanze beschrieben.
Aber Vorsicht: die Pflanze ist in allen ihren Teilen giftig, und man sollte aufpassen, daß Kleinkinder nicht Blätter und Blüten in den Mund nehmen.

Im Laufe der Zeit haben sich viele Sorten herausgebildet, die sich hinsichtlich ihrer Wuchs- und Blütenformen und -farben unterscheiden. Den Duft brachten die indischen Varietäten ins Spiel. Oleander kann man auch zu herrlichen kleinen (Straßen-)Bäumen erziehen. Leider schafft es der spanische Gartenbau bisher nicht, gleichmäßig hohe, auf gute Stammbildner veredelte, klar sortenmäßig definierte Hochstämme anzubieten. Peinlich!

  
9. Pistazie

 
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Von den Pistazien gibt es bei uns zwei richtig heimische Arten, mit männlichen und weiblichen Pflanzen: den immergrünen Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) und die sommergrüne Terpentinpistazie (Pistacia terebinthus). Die erstere, mallorq. Mata genannt, wird 2-3m hoch, die Blätter gefiedert; Früchte zuerst rot, dann schwarz. Blätter und Rinde riechen, zerrieben, stark harzig. Eine Unterform dieser Art wird in Griechenland zur Gewinnung von Harz (Mastix) angebaut.

Der Terebinto, mallorq. Abre del pi, dagegen kann bis zur Größe eines kleinen Baumes heranwachsen. Blätter, harzig duftend, glänzend dunkelgrün, unpaarig gefiedert, Früchte leuchtend rot. Die Echte Pistazie*, deren frische Nüsse in der Mortadella-Wurst unverzichtbar, die gerösteten in Snacks so beliebt sind, ist im Iran und Zentral-Asien daheim. Man könnte sie auch auf Mallorca anbauen. Aber noch ist ihre Kultur selten.

  
10. Kapernstrauch

 
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Der Kapernstrauch ist wieder eine wirklich einheimische Pflanze. Mit ihrem sauberen Laub und den herrlichen Blüten ist sie ein wirklicher Edelstein unter den autochtonen Wildpflanzen der Balearen. Aber was heißt hier Wildpflanze. Sie wird schon seit Jahrhunderten gezielt angebaut. Früher waren die Balearen ein Hauptproduzent für die Gewürz-Kapern.

Und noch heute werden die Blütenknospen dieser Pflanze, denn das sind die für die Küche benötigten Ingredienzien, von vielen tüchtigen mallorquinischen Hausfrauen gemäß alten traditionellen Rezepturen eingelegt. Die haben ein so feines Aroma, daß sie bestens als Appetizer serviert werden können. Der sommergrüne Strauch kann 1m hoch und doppelt so breit werden. Besonders attraktiv wirkt er, wenn man ihn über Mauern bis zu 2 m herabfallend zieht. Die 4 Blütenblätter sind weißlich bis hellrosa, zahlreiche hellviolette lange Staubfäden und gelbe Staubbeutel vervollkomnen diese filigranen Blütengestalten. Die länglichen Beerenfrüchte werden ebenfalls eingelegt konserviert.

  
11. Riesenschilf

Das Phahlrohr oder Riesenschilf (Arundo donax) ist bis zum heutigen Tage eine für den Gartenbau sehr nützliche Pflanze. Es steht in gewisser Weise zwischen den ganz krautigen Gräsern und dem voll verholzenden Bambus, der ursprünglich hier nicht vorkommt, jedoch heute schon mit mehreren Arten gepflanzt wird. Arundo ist ein Schilf. Es wächst sehr schnell 3-6m hoch und kann, wenn es gelegentlich im Jahr reichlich mit Feuchtigkeit versorgt ist, sehr lange Durststrecken überstehen. Im alten Ägypten hat man mit Halmstücken dieses Schilfes geschrieben, und zum Bau von Musikinstrumenten benutzte man es. Noch heute werden die Blätter von Klarinetten, Saxophonen, Oboen, Fagotten aus den Rohren dieses Riesengrases geschnitten. Prosaischer ist seine Verwendung als Viehfutter, zur Produktion von Zellulose. Und, wo immer es im Garten gilt etwas anzubinden und aufzurichten, bedient man sich der fast überall vorhandenen Schilf-Rohre. Sie sind nicht so stabil wie Bambus-Rohre und vergammeln auch schneller, aber ein wenig halten sie doch. Geshreddert sind Rohre und Laub ein ausgezeichnetes Mulchmaterial.

  
E) Kletterpflanzen

  
1. Macchien-Waldrebe

Wollte man nur die gesamte Lebenswelt der Trockenmauern vollständig darstellen, müßte das ein dickes Buch ergeben, so reich ist dieses Biom (Zusammenleben von Tier- und Pflanzenarten, die einen einheitlichen Lebensraum bewohnen.) Neben den Flechten, Moosen, Farnen und Steinbrech- und Sempervivum-Gewächsen fallen zwei Clematisarten auf:
Die immergrüne Macchien-Waldrebe (Clematis cirrhosa) und die Brennende Waldrebe (Clematis flammula).

Die immergrüne Macchien-Waldrebe (Clematis cirrhosa) kann bis zu 4m weit oder hoch klettern, bei uns meistens nur bis zu 2m. Ihre nickenden oder hängenden Glocken-Blüten sind cremefarben, meist dunkel kastanienrot gefleckt.

  
2. Brennende Waldrebe

Die laubabwerfende Brennende Waldrebe hat weit offene Sternchen-Blüten in vielblumigen Rispen, die kräftig nach bitteren Mandeln duften. Beide Arten schmücken sich später mit dem so lange haltenden fedrigen Samenstand.

  
3. Bougainvillea

Bougainvillea*, von deren Sorten und Arten einige fast das ganze Jahr über blühen mit ihren knallig-leuchtenden Farben kennt wohl ein jeder. Besonders der lila-blaue Typ ist wegen seiner Robustheit sehr verbreitet. Allerdings sind die auffällig blütenartig geordneten Blättchen gar keine Blüten. Es sind - wie beim Weihnachtsstern Hochblätter, welche die eigentliche, in ihrer Mitte unscheinbar liegende Blüte umgeben. Die Bougainvilleën kommen aus S-Amerika, hauptsächlich aus Brasilien.

  
4. Morning Glory

Morning Glory*, der englische Name ist wohl der zutreffendste für diese einjährige bis staudige Trichterwinde (Ipomoea tricolor). Ihre Herkunft ist ungewiss, wahrscheinlich aus dem trop. Amerika, heute überall in den Tropen naturalisiert, aber auf keinen Fall eine mediterrane Pflanze. Und doch - welch eine Form- und Farbenschönheit. Für mich eine der vollendetsten Blütengestalten überhaupt.

Vielleicht sind die Blüten in großer Fülle immer so perfekt, weil sie, sich am Morgen öffnend, schon um die Mittagszeit, bzw. im Laufe des Nachmittags verblühen. Besonders schön sind neben anderen auch die beiden bekannten intensiv dunkel-himmelblauen Sorten ‘Heavenly Blue’ (bzw.’Heavenly Blue Improved’) und die mehr oder weniger identische ‘Clarke’s Himmelblau’.

  
5. Duft-Jasmin

Der echte Duft-Jasmin*, mallorq. Gessami oder Llessami (Jasminum officinale ‘Grandiflorum’; Jasminum polyanthum) kommt mit seinen, hier bei uns wichtigsten Arten aus Fern-Ost. Man kann aber sagen, daß der laubabwerfende Jasmin, J. officinale, sich hier schon gut eingebürgert hat. Es ist ein wüchsiger Strauch, dessen grüne Triebe bis 10m lang werden können. Die zu fünft stehenden, weißen Blüten duften sehr stark. Die Selektion ‘Grandiflorum’ wird in S-Frankreich (Grasse) zur Gewinnung von Jasminöl angebaut.

Der fast immergrüne andere Jasmin kommt aus W-China. Seine weißen, stark duftenden Blüten sind außen rötlich überhaucht; sie stehen ebenfalls zu mehreren, in achselständigen Rispen.


  
F) Stauden / Ein- und Zweijährige

In dieser Gruppe begegnen wir vielen Pflanzen, die wir auch schon aus dem Norden kennen. Dort allerdings oft als mehr oder weniger Einjährige Beet- und Balkonpflanzen gezogen, obgleich sie das Zeug zu staudiger Dauer hätten, wie sie uns hier im Süden beweisen werden.

  
1. wilder Mohn

 
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Im Frühling bis Früh-Sommer erfreut uns auf den Feldern und an den Straßen- und Wegesrändern der wilde Mohn (Papaver rhoeas) mallorq. Rosella, Kastill. Amapola.
Sein knalliges, warmes Rot blitzt im Sonnenlicht. Die Gärtner sollten ruhig mal es auch mit den modernen Hybriden dieser Art in allen möglichen anderen Farben versuchen, und diese in ihren Gärten verwildern lassen. Mohnfarben sind unvergleichlich weithin leuchtend schön.

Übrigens stammt der berüchtigte Schlafmohn (Papaver somniferum) ursprünglich auch aus dem Mittelmeergebiet. Schon um 1400 v.Chr. wurde auf Kreta eine Mohngöttin verehrt. Heute ist der Anbau des Schlafmohns in Europa genehmigungspflichtig. Immerhin möchte man ja auch die ungefährlichen Samen dieser Art zum Kochen und in der Brot- und Feinbäckerei verwenden. Das in der Medizin benötigte und von „bösen Buben“ mißbrauchte Opium ist der aus den angeritzten unreifen Samenkapseln austretende, später eingedickte, Milchsaft. Die Anbaugenehmigungspflicht, hier wie bei einigen anderen Drogen, soll gewährleisten, daß man sich nicht im Do-it-yourself-Verfahren im eigenen Garten den Stoff für die künstlichen Paradise anbaut.

  
2. Goldblume

Die andere auf den regelmäßig gepflügten Feldern zu abertausenden auftretenden Einjährigen Blumen ist die Goldblume oder Kronenwucherblume (Chrysanthemum coronarium), mallorq. Margarida. Auf besten Standorten kann sie bis zu 80cm hoch werden; sie trägt das auch für die Zucht-Chrysanthemen typische fiederschnittige Laub; die Blütenköpfe bis zu 5cm im Durchmesser; die Randblüten oft gebändert, in intensivem bis blassem Gelb. Die Felder hinreißend in ihrer Blütenfülle. Die Einzelblüte in einer satten Üppigkeit, die sich vor keiner hochgezüchteten Hybride zu verstecken brauchte.

  
3. Niedriger Sauerklee

Der Niedrige Sauerklee* (Oxalis pes-caprae) ist eines der hinreißendsten „Unkräuter“, das ich kenne. Er kommt eigentlich aus S-Afrika. Man kann ihn leicht an dem typischen, langgestielten Kleeblatt erkennen. Seine Blüten, vom Dezember bis Mai, mit 5 Kronblättern, sind leuchtend gelb. Man findet ihn eigentlich überall, an Wegräundern und unten vor Mauern. Für die Bauern ist er äußerst lästig, zumal er sich so enorm ausgebreitet hat. Wenn doch alles, was lästig ist, so schön wäre.

  
G) Sukkulenten (lat. succulentus = saftreich)

 
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Das sind die Kakteen und andere Pflanzenarten, welche spezielle Speicherorgane für Wasser entwickelt haben, die sie in die Lage versetzen, längere Trockenzeiten vermittels ihrer gespeicherten Reserven zu überleben. Es sind hier vor allem zwei Kulturflüchtlinge, also Kulturpflanzen aus fremden Regionen - diesmal Mexiko - die verwilderten und heute überall in freier Landschaft anzutreffen sind:
1. die Feigen-Opuntie (Opuntia ficus-indica) und
2. die Amerikanische Agave (Agave americana)

  
1. Opuntie

Daß es sich bei der Opuntie* um eine Kaktus-Pflanze handelt, erkennen wohl auch noch selbst botanisch wenig versierte Laien. Alle Kakteen kommen aus der Neuen Welt. In der Alten Welt, Afrika, kommen nur die in einigen Fällen ähnlich aussehenden Euphorbien vor.
Kakteen sind nicht allein an längere Trockenzeiten bestens angepasst, sie wachsen auch auf kümmerlichsten Böden.
Das jedoch war nicht der einzige Grund, diese Opuntie, aus einer der umfangreichsten Gattungen mit über 200 Arten, im Mittelmeerraum und besonders auf den Kanaren einzuführen. Man hat nämlich auf ihr, besonders auf der dornenarmen Selektion, die Cochenille-Laus (Koschenille) kultiviert. Im 19. Jahrhundert ein wichtiger (Neben-)Erwerbszweig. Koschenille ist die Bezeichnung für bestimmte, getrocknete und zu Pulver zermalene weibliche Schildläuse, aus denen der Farbstoff Karmin gewonnen wurde.

Um 1 kg Koschenille zu gewinnen, das dann schließlich etwa 50gr Karmin ergab, mußte man rund 140 000 Tiere von den Kakteen schaben. Ein mühsames Unterfangen. Seit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe hat die Koschenille-Laus zur Farbgewinnung nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Auf den Balearen hat die Läusekultur wohl sowieso nicht die Rolle gespielt wie anderswo.
Hier hat man die Pflanze gebraucht, welche - wie Mandel, Johannisbrotbaum und Olive - keinerlei Bewässerung benötigte. Ihre durchaus zierenden Früchte sind essbar, ja werden heutzutage sogar in den Gemüsegeschäften in Deutschland angeboten. Richtig zubereitet lässt sich aus ihnen ein erfrischender und gesundheitsfördernder Nachtisch kreieren. Auch aus den Blättern könnte man ein sehr magenfreundliches Gemüse gewinnen. (Auf jeden Fall gutes Viehfutter. Und auch das wird heutzutage kaum noch genutzt.)

Die stärker bedornten Typen lassen sich relativ schnell zu einer undurchdringlichen Hecke aufpflanzen. Der Feigenkaktus wird 2-5m hoch. Wenn man seine seitlich wachsenden Stengelglieder regelmäßig ausbricht, kann man aus ihm einen pittoresken kleinen Baum ziehen.

  
2. Amerikanische Agave

 
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Die Amerikanische Agave* ist die andere Sukkulente, die sich im Mittelmeerraum heimatlich eingerichtet hat.
Aus ihrer Grundrosette graugrüner, bis zu 2m langen, scharf zugespitzten dickfleischigen Blättern schiebt sich nach 10-15 Jahren ein imposanter bis zu 8m hoher, schlanker, zuerst phallusartiger, später sich in regelmäßigen Etagen waagerecht verzweigender Blütenstand mit bis zu über tausend gelblicher Blüten und/oder auch Brutpflänzchen, die, wenn sie vom Samenstand auf den Boden abfallen, wurzeln und sogleich neue Pflänzchen bilden.

Der englische Name für die Pflanze, Century Plant, geht auf die Annahme zurück, daß diese Agaven erst nach 100 Jahren zum ersten und letzten Male blühen würden, was - wie gesagt - ein Irrtum ist, denn die Blühfähigkeit ist, wie man sich leicht vorzustellen vermag, hauptsächlich abhängig vom jeweiligen Individualzustand der Pflanzen. Einen so gewaltigen Blütenstand zu produzieren wie es die Agaven tun, schwächt die Pflanzen sosehr, daß sie daraufhin eingehen.

Aber schon vorher hatten die blühreifen Exemplare um sich herum eine Reihe von Ausläufer-Pflänzchen gebildet, und dann sind da ja auch noch die Samen und Brutpflänzchen, sodaß nicht zu erwarten steht, daß es nicht genügend Nachkommen geben wird. In Mexiko wird gel. der sich hervorschiebende Blütenschaft geköpft, um den daraufhin austretenden Saft zu gewinnen. Dieser Blutungssaft fließt oft tagelang. Es können bei einer Pflanze bis zu 1000! Liter werden. Der fermentierte Saft heißt pulque. (In deutschen Reformhäusern etc. kann man diesen als Agaven-Dicksaft kaufen, ein hervorragendes und gesundes Süßungsmittel für viele Nachspeisen.) Er ist die pulque, eines der Nationalgetränke Mexikos. Aus der pulque kann man mescal und tequila destillieren.

Es existieren von dieser Art Spielarten mit in der Mitte oder am Rande gelb oder gelblich-weiß gezeichneten Blättern. Die Spitzen der Blätter aller dieser Typen sind enorm fest und sehr gefährlich. Kinder sollten nie in der Nähe von dieser Agave spielen. Breite Abpflanzungen mit dieser Agaven-Art sind nach spätestens 5 Jahren völlig undurchdringlich. Daß eine andere Agave Lieferantin für die erneut hochgeschätzte Sisal-Faser ist, soll hier nur noch am Rande erwähnt werden.

  
H) Anmerkungen

 
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Übrigens ist und war die Flora hier im Mittelmeerraum gar nicht so völlig verschieden vom Pflanzenkleid nördlich der Alpen. Es wird z.B. berichtet, und auf alten Darstellungen ist zu sehen, daß im 17. und 18. Jahrhundert der Apenin mit der klassischen deutschen Weihnachtsfichte (Picea abies) bestanden war. An der Straße nach Valdemosa steht in einem Garten eine solche kerngesund unmittelbar neben einer Washingtonia-Palme. Und auf Mallorca wie im Teutoburger Wald und anderswo wachsen Schlehen (Prunus spinosa) aus deren Früchten man auch hier einen vorzüglichen Likör zu destillieren versteht.

Über 75% der hiesigen Flora wächst oder könnte auch in Deutschland wachsen. Hier und dort natürlich, klimabedingt, etwas anders in Wuchs-Tempo und -Form. Aber sie wächst.

Die landschaftsbestimmenden Akzente der Zypressen, Olivenbäume, die Zitrusfrüchte und der Lorbeer, die gibt's frei ausgepflanzt natürlich nur hier. Wer diese in Berlin bewundern möchte, ist auf Kübel- oder Gewächshaus-Kultur angewiesen. In Töpfen aber sind diese Pflanzen auch nördlich der Alpen nicht selten. Und wer weiß schon, was in den nächsten Jahrzehnten die Klimaveränderungen uns noch so alles bescheren werden.

Obgleich im Mittelmeerraum die Natur seit Jahrtausenden ausgebeutet wird, ganz besonders in den letzten 200 Jahren und wieder verstärkt nach dem zweiten Weltkrieg, hat sie sich bisher trotzdem irgendwie immer noch behaupten können.

Die Zerstörung der ehenmals zusammenhängenden, dichten Wälder in der gesamten Mittelmeerregion zur Holzausbeute, die Beweidung mit Schafen und vor allem Ziegen, die jeden pflanzlichen Jungwuchs unterdrücken, das traditionelle Abbrennen der Gehölze zur Förderung von Weidegräsern, und heute zusätzlich aus durchsichtigen bauspekulativen Gründen, führte vielfach zu enormen Erosionsschäden, bzw. zur totalen Degradation weiter montaner Regionen.

Andererseits sind die küstennahen Buschgesellschaften macchia, garrigue, phrygana oder batha, vielfach schon ein Ergebnis menschlicher Naturverachtung, trotzdem oder gerade deswegen ungemein interessante, artenreiche Vegetationsformen geblieben. Dennoch sollte niemand so naiv sein zu glauben und zu erwarten, die Natur werde - wie bisher in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, alle Mißwirtschaft und Schindluder, die mit ihr von den Menschen getrieben werden, wegstecken und kompensieren können.


  
I) Literatur

Fr. Bonafè Barceló, Flora de Mallorca, 4 Bände, ISBN 84-273-0239-8
I. und P.Schönfelder, Kosmos-Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora, ISBN 3-440-06223-6
A.Bärtels, Farbatlas Mediterrane Pflanzen, ISBN 3-8001-3488-8
A.Bärtels, Farbatlas Tropenpflanzen, ISBN 3-8001-3468-3

  
J) Kontakt: Walter Schmidt


Walter Schmidt, Son Borras, 9 in 07340 Alaró-Mallorca,
Tel. Mallorca: +34 971 87 90 27
e-mail: vogelschmidt@t-online.d
Deutschland: Wiesengrund 19 a, D-21224 Rosengarten,
Tel. Deutschland: 04108/49 08 72

Fachautor der mediterranen Gartenenzyklopädie HORTUS MEDITERRANEUS, erschienen im Ulmer-Verlag, www.ulmer.de

  
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