Wir werden Ihnen hier die Pflanzen vorstellen, die Ihnen üblicherweise
bei einem Besuch auf den Balearen oder im weiteren Mittelmeerraum auffallen
werden. Die hier früher oder später erst eingeschleppten Pflanzen
werden mit einem Stern* bezeichnet sein.
Eigentlich möchte man, wenn man von der Flora spricht nur
von den urwüchsig-eingeborenen Pflanzen reden, den autochtonen.
Ein Begriff, den man jetzt häufig hört und den jeder Spanier
kennt, jedenfalls wenn man mit den einheimischen Umweltschützern
spricht. Der Begriff kommt aus dem Griechischen von autós = selbst
und chthón, chthonos = die Erde.
Aber mit den eigentlich und ursprünglich einheimischen
Pflanzen ist das im Mittelmeerraum so eine Sache. Woran erkennt man
sie?
Seit alters wurde gerade hier ex- und importiert, und es sind geradezu
einige der am stärksten verbreiteten Vorzeige-Pflanzen, die, mit
denen Jedermann die Mediterraneis identifiziert, nicht ursprünglich
hier zu Hause. Sie werden überrascht sein, was alles hier erst
später einwanderte.
Spannend ist die Beschäftigung mit der Botanik durch die
Floren-Brille immer, weil man dann so viel Eigentümliches auch
über die Menschengeschichte erfährt, wenn man sich um die
gegenseitige Beeinflussung Mensch - Pflanze kümmert.
Botanik mit Kulturgeschichte in einem Teil unserer Region hat aufs wunderbarste
Eduard Strasburger verbunden in seinem Werk: Streifzüge an der
Riviera, Jena 1904, G. Fischer Verlag. Nicht allein aus allgemein historischem
Interesse, sondern auch besonders aus speziellen Gründen der Touristik-Geschichte
wäre es von Nutzen, dieses Werk wieder neu (kommentiert) aufzulegen.
Der ausgezeichnete Verlag existiert ja noch immer.
Wir werden Ihnen jetzt die Pflanzen speziell vorstellen, die
Ihnen üblicherweise bei einem Besuch auf den Balearen oder im weiteren
Mittelmeerraum auffallen werden. Die hier früher oder später
erst eingeschleppten Pflanzen werden mit einem Stern* bezeichnet sein.
Vielleicht werden Sie, wenn Sie mehr und Genaueres wissen möchten,
dazu angeregt, in einem Urlaub an einer botanischen Exkursion teilzunehmen
oder an einer Kreuzfahrt, die Sie zu den schönsten Gärten
der Mediterraneis führt. Dergleichen Bildungs-Unternehmungen in
der Begleitung von erfahrenen und kundigen Führern sind höchst
kurzweilig. Vergessen Sie den ganzen wellness- Schmus und tauchen Sie
ein in die unbeschreiblich starke Pflanzenwelt dieser einzigartigen
Region. Wer Natur und Pflanzen liebt, wird die intensivere Auseinandersetzung
mit ihnen hier niemals vergessen.
An alle Grundstücks- und Gartenbesitzer.
Übrigens wächst immer mehr das ästhetische und ökologische
Bewusstsein, daß man fast ausschließlich mit den einheimischen
Pflanzen, der autochtonen Flora, wunderbare Gartenanlagen machen kann.
Anlagen, die imEinklang mit der vorhandenen Natur sind, und für
deren Erhalt im Sommer nicht unsinnig gewässert werden muß.
Auch deshalb ist es sinnvoll, möglichst viel über die einheimischen
Pflanzen zu erfahren.
Flora, aus lat. flos, floris Blume , Blüte, war oder ist
die lateinische Göttin des blühenden Getreides und der Blumen.
In Rom wurden ihr ein Tempel errichtet und seit 173 v.Chr. vom 28. April
bis zum 3. Mai die Ludi florales (Floralia) gefeiert, Frühlingsfestlichkeiten,
wie es sie in vielen Kulturen bis zum heutigen Tage gibt.
Von dem Namen dieser Göttin abgeleitet, bezeichnet man mit Flora
die Gesamtheit aller Pflanzenarten eines bestimmten Gebietes der Erde,
also auch der Balearen, und das Buch, welches diese Pflanzenarten jeweils
auflistet und, oft verbunden mit einem Bestimmungsschlüssel (Pflanzen-Bestimmungsbuch),
beschreibt.
Übrigens ist und war die Flora hier im Mittelmeerraum gar
nicht so völlig verschieden vom Pflanzenkleid nördlich der
Alpen. Es wird z.B. berichtet, und auf alten Darstellungen ist zu sehen,
daß im 17. und 18. Jahrhundert der Apenin mit der klassischen
deutschen Weihnachtsfichte (Picea abies) bestanden war. An der Straße
nach Valdemosa steht in einem Garten eine solche kerngesund unmittelbar
neben einer Washingtonia-Palme. Und auf Mallorca wie im Teutoburger
Wald und anderswo wachsen Schlehen (Prunus spinosa) aus deren Früchten
man auch hier einen vorzüglichen Likör zu destillieren versteht.
Über 75% der hiesigen Flora wächst oder könnte auch in
Deutschland wachsen. Hier und dort natürlich, klimabedingt, etwas
anders in Wuchs-Tempo und -Form. Aber sie wächst.
Die landschaftsbestimmenden Akzente der Zypressen, Olivenbäume,
die Zitrusfrüchte und der Lorbeer, die gibts frei ausgepflanzt
natürlich nur hier. Wer diese in Berlin bewundern möchte,
ist auf Kübel- oder Gewächshaus-Kultur angewiesen. In Töpfen
aber sind diese Pflanzen auch nördlich der Alpen nicht selten.
Und wer weiß schon, was in den nächsten Jahrzehnten die Klimaveränderungen
uns noch so alles bescheren werden.
Obgleich im Mittelmeerraum die Natur seit Jahrtausenden ausgebeutet
wird, ganz besonders in den letzten 200 Jahren und wieder verstärkt
nach dem zweiten Weltkrieg, hat sie sich bisher trotzdem irgendwie immer
noch behaupten können.
Die Zerstörung der ehemals zusammenhängenden, dichten Wälder
in der gesamten Mittelmeerregion zur Holzausbeute, die Beweidung mit
Schafen und vor allem Ziegen, die jeden pflanzlichen Jungwuchs unterdrücken,
das traditionelle Abbrennen der Gehölze zur Förderung von
Weidegräsern, und heute zusätzlich aus durchsichtigen bauspekulativen
Gründen, führte vielfach zu enormen Erosionsschäden,
bzw. zur totalen Degradation weiter montaner Regionen.
Andererseits sind die küstennahen Buschgesellschaften macchia,
garrigue, phrygana oder batha, vielfach schon ein Ergebnis menschlicher
Naturverachtung, trotzdem oder gerade deswegen ungemein interessante,
artenreiche Vegetationsformen geblieben.
Dennoch sollte niemand so naiv sein zu glauben und zu erwarten, die
Natur werde - wie bisher in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, alle
Mißwirtschaft und Schindluder, die mit ihr von den Menschen getrieben
werden, wegstecken und kompensieren können.
Wir werden jedenfalls alle naturerhaltenden und -schützenden
Maßnahmen nach Vermögen unterstützen.
Wer persönlich etwas tun möchte, kann sich in Deutschland
beim Naturschutzbund Deutschland e.V.(NABU),
Bundesgeschäftsstelle Herbert-Rabius-Str. 26, 53225 BONN; oder
auf Mallorca bei Grupo Balear dOrnitologia
i Defensa de la Naturalesa, Veri 1, 3°, E-07001 Palma de
Mallorca informieren.
Bei Anfragen sollte man aber vorher schon ganz klare Vorstellungen von
dem haben, was man in diesem Bereich an Leistungen einbringen möchte.
Nur so ist gewährleistet, daß man richtig beraten wird. Jedenfalls
gibt es eine Fülle an Aufgaben für viele Interessenten.
Palmen sind für die Menschen immer etwas Besonderes gewesen,
weshalb sie der Vater der modernen Botanik, der Schwede Linné,
unter dem Namen Principes, die Ersten, einordnete. Zwecks besseren Zurechtfindens
teilt der Laie sich diese Pflanzen gemäß ihrer Blattformen
in zwei Gruppen ein: die Fiederblättrigen (Fi) und die Fächer-Blättrigen
(Fä).
Für die Nordländer ist klar, wenn sie Palmen sehen, sind sie
im Süden angekommen. Hier in der Mediterraneis ist man zwar noch
nicht in den Tropen, - aber immerhin....
Zwei Arten sind schließlich Anrainer dieses Meeres: die
Europäische Zwerg- oder Buschpalme und eine Art der Phoenix-Palmen,
die spontan auf Zypern und in der W-Türkei vorkommt und nach dem
griechischen, antiken Philosophen Theophrast (* Eresos zwischen 372-369
v.Chr. Athen zwischen 288-285 v.Chr.) Phoenix theophrastii genannt
wurde.
Sie ist bisher leider außerhalb spezieller Pflanzensammlungen
kaum zu sehen, allerdings für Laien auch kaum von der Dattelpalme
zu unterscheiden. Ihr spezieller Zierwert ist - gemäß konventionellen
Vorstellungen nur bescheiden, ihr ökologischer Wert hoch.
2. Die
Dattelpalme
Viele Bauernhäuser im Lande haben als Hofbaum
eine Palme gesetzt. Das ist eine schöne und nach Jahrzehnten auch
hilfreiche Sitte. Denn wenn man nicht so genau weiß, wo genau zwischen
all den Hecken und Mauern die finca liegt, zeigt die aus allem Gewirr
weit herausragende Palme: Hier ist es! Meistens handelt es
sich bei diesen Solitären um eine echte Phoenix-Palme, die Dattelpalme
oder deren nahe Verwandte mit den ungenießbaren Früchten, die
Kanarische Dattelpalme. In einer Baumschule wurden diese Palmen bestimmt
nicht gekauft. Man war arm und konnte für den Garten kein Geld ausgeben.
Das war auch nicht nötig. Unter irgend einem alten Baum in der Nachbarschaft
fanden sich immer spontan gekeimte Jungpflanzen, oder man pflanzte selber
einen Dattelkern ein - und wartete. Man hatte Geduld.Übrigens haben
sich gerade in dieser Gattung die Arten so lange schon kreuz und quer
gemischt, daß reine Typen selten sind. Auch kann man die guten Fruchtsorten
der Dattelpalmen sowieso nicht aus Samen vermehren. Man muß von
den besten Typen die Schößlinge abnehmen, die sich an der Basis
der großen Stämme bilden. Also nur eine vegetative Vermehrung
sichert beste Fruchtbäume.
Die Blattkronen der echten Dattelpalmen sind viel weniger dicht,
die Stämme schlanker und höher als die der Palme von den Kanarischen
Inseln. Brauchbare Datteln kann man auf den Balearen z.B. noch nicht ernten.
Dazu ist die Jahreswärmesumme noch zu niedrig.
3. (Europäische)
Zwerg- oder Buschpalme, mallorq. Garballó (Chamaerops humilis)
Nicht allein, daß diese Palme wild auf den Balearen wächst,
auf Mallorca bes. im Süd-Westen der Insel, sie ist auch ein wunderbares
Gewächs für alle Garten- und Landschaftsaufgaben. Sie wird als
mehrstämmiger Busch bis zu 4m hoch und doppelt so breit; einstämmig
kann sie über 7m Höhe erreichen.
Es ist mit dieser Art ähnlich wie mit dem Johannisbrotbaum:
er wird - ein allgemein menschliches Phänomen - wenig geschätzt,
weil er z.B. auf den Balearen sowieso überall vorhanden ist. Man
achtet eben das Seltene weitaus mehr als das überall Vorhandene,
selbst wenn dies Letztere, objektiv betrachtet, viel mehr Qualitäten
aufweist.
In Hungerszeiten hat man früher die ganz reifen Früchte
der Buschpalmen gegessen. Aus den Blättern machte man Seile, und
Schnüre und aus diesen wurden Sohlen für die espardenyes (kastill.
alpargatas; esparteñas wenn aus Espartogras geflochten), diese
leichten Sommerschlappen mit dem Leinentuchoberteil.
4. Kanarische Dattelpalme
(Phoenix canariensis)* Fi
Sie ist neben der Washintonia die am meisten gepflanzte Art auch
auf den Balearen. Sehr häufig sieht man sie leider völlig falsch
gepflanzt. Denn die wenigsten Gartenbesitzer können sich vorstellen,
daß aus einem so kleinen Samen-Kern eine so gewaltige Pflanze wachsen
wird. Fast alle anderen Gehölze, die es gibt, kann man aber durch
Schnitt, wenn sie zu groß werden sollten, im Zaume halten. Bei einer
Palme ist das nicht möglich. Daher findet man häufig selbst
in kleinsten Vorgärten diese gewaltige Phoenix-Palme, wo sie gegen
alle Gesetze der Proportion verstößt.
Wo Platz ist - eine ausgewachsene Pflanze auf gutem Grund benötigt
etwa 40-50 m² Standraum - wird man sich immer an diesen eindrucksvollen
Gestalten erfreuen. Ihre dichten Kronen, die aus bis zu 200 5 bis 7m langen
Fiederblättern bestehen, werfen einen angenehmen soliden Schatten.
5. Palmera reina (Syagrus
romanzoffiana; früher Arecastrum r.)* Fi
Diese S-Amerikanerin ist viel eher ein Gartengehölz. Der gelegentlich
für sie gebrauchte (botanisch allerdings falsche) Name Cocos plumosa
weist auf die locker geschwungenen fedrig dichten, bis zu 5m langen Fiederblätter
hin. Ihr Stamm wird nur bis zu 60cm dick; an Höhe kann sie aber im
Laufe der Jahre durchaus 10m erreichen. Doch wird sie eigentlich nirgends
zu aufdringlich. Schlank und elegant strebt sie in die Höhe, ihre
Blätter schwingen im Wind.
Die Chinesische Hanfpalme , wird manchmal fälschlich in den
hiesigen Baumschulkatalogen Chamaerops excelsa genannt. Nun, solange es
sich um Jungpflanzen handelt, könnte man die beiden schon verwechseln.
Später allerdings bildet die chinesische Palme immer einen schlanken
Stamm, der sehr lange noch mit einem Gewirr harter Fasern bedeckt ist:
ihr Erkennungszeichen. Diese Palme ist eine der winterhärtesten der
ganzen Familie der Palmen. Im Weinbaugebiet könnte man sie an geschützten
Stellen auch in Deutschland draußen auspflanzen. Zierend ist auch
bei ihr - wenn sie etwas älter geworden ist - der leuchtende Fruchtstand.
Sicherlich ist diese Art für Gärten viel besser geeignet als
die Kanarische Dattelpalme oder die Washingtonia.
7. Washingtonia-Palme (Washingtonia filifera)*
Fä
Von dieser Gattung gibt es zwei Arten. Beide stammen aus demSüden
N-Amerikas ( S-Kalifornien, W-Arizona, Baja California und Mexiko).
Hinsichtlich ihrer Art-Namen gibt es eine kleine Kuriosität: die Washingtonia
robusta ist viel weniger robust als die andere Art Washingtonia filifera.
Diese letztere ist denn auch auf den Balearen die weitaus am häufigsten
gepflanzte dieser Palmen-Gattung. Man kann sie sehr gut daran erkennen,
daß ihre Fächersegmente an den Kanten stark mit Fäden besetzt
sind
Nachdem die Blattbasen abgefallen sind machen beide Palmen einen fein gerauten,
grauen Stamm von bis zu 20m und mehr Höhe. Wenn sie im Untergrund immer
etwas Wasser finden oder man sie in die Nähe von Klärgruben pflanzt,
wachsen sie - für Palmen - erstaunlich schnell.
Es gibt natürlich heute hier noch viel mehr Palmen-Arten in
den Gärten und öffentlichen Anlagen. Und ständig werden -
von Spezialisten importiert - weitere unter den hiesigen klimatischen Bedingungen
ausprobiert. Aber die obigen gehören trotzdem immer noch zum Standardsortiment
der Gartenanlagen und der Landschaft.
Der Olivenbaum (Olea europaea) muß hinsichtlich seiner
Bedeutung, seines Nutzens für die Menschen, und hinsichtlich seiner
Schönheit immer an erster Stelle genannt werden. Einige Wissenschaftler
definieren sogar das mediterrane Klima anhand des Vorkommens dieser
alterwürdigen Kulturpflanze. Denn schon in dem Jahrhundert 3700
bis 3600 v. Chr. ist sein Anbau als ölhaltige Früchte liefernder
Baum nördlich des Schwarzen Meeres nachgewiesen.Er ist auch außerhalb
des Mittelmeerraumes so bekannt, daß selbst die sonst pflanzenunkundigen
Zeitgenossen diesen Baum immer erkennen. Selbstverständlich sind
im Laufe der Jahrtausende ganz unterschiedliche Typen selektiert worden.
Heute existieren sicherlich über 500 Varietäten.
Unterscheiden muß man zwischen den Oliven zur Ölgewinnung
und den zum Einlegen bestimmten Tafeloliven.
Die Kenner unterscheiden - wie auch beim Wein - sehr sicher die verschiedenen
Aroma-Nuancen der Öl-Proveniencen und - Typen von den diversen
Baum-Sorten.
Das schonend gepresste Olivenöl ist eines der gesündesten
Nahrungsmittel der Menschheit.
Die grünen oder schwarzen Tafeloliven wachsen nicht an verschiedenen
Bäumen. Die schwarzen Früchte sind nur die reiferen. Beide
gehören als Appetizer - in unterschiedlich gewürzten Laken
eingelegt - zum klassischgen Entree jeder mediterranen Mahlzeit.
Alle guten Nutzpflanzen-Typen müssen vegetativ vermehrt werden,
dh. durch Stecklinge oder Veredlung.
2. Oleaster (O. europaea ssp. sylvestris)
Überall trifft man in der Mediterraneis auch auf die wilde Form
des Olivenbaums, den Oleaster (O. europaea ssp. sylvestris), E Olivo silvestre,
dessen Bezweigung oft stark dornig besetzt ist, und der mit viel ungenießbaren
kleineren und weniger fleischigen Früchtchen aufwartet als die echte
Olive, ein Gehölz, das aber sehr gut für Hecken geeignet ist oder
als frei wachsender Baum in der Landschaft wirkt.
Beide, die echte und die wilde Olive haben ein ausgezeichnetes, dichtes
sehr gut zu bearbeitendes Holz. Leider kann man selten ordentliche Stammstärken
ernten. Es reicht meist nur für Kleinmöbel. Aber auch Werkzeugstiele
aus diesem zähen Holz sind sehr gesucht. Olivenbäume wachsen auch
noch auf den schlechtesten und steinigsten Böden und werden mühelos
über 1000 Jahre alt. Vielerorts kann man alte Stamm-Skulpturen bewundern,
bei denen die Mitte schon lange weggerottet ist, aus mehreren äußeren
Partien aber immer noch eine Baumkrone versorgt wird, die regelmäßig
Früchte trägt.
Ein weiteres Phaenomen des Olivenbaums ist, daß er sich noch
nach Jahrhunderten verpflanzen lässt. Viele Baumschulen bieten heutzutage
pittoresk gealterte ausdrucksstarke Stämme an. Man sollte sich aber
überlegen, bevor man so eine lebendige Antiquität fürs eigene
Grundstück erwirbt, ob sie wirklich in das intendierte Ambiente passen
wird. Man kann auch zahme Neuanlagen vermittels eines knorrig-wuchtigen
Altholzes deklassieren.
Die Kiefern auf Mallorca sind zu weit über 90% Aleppo-Kiefern, mallorq.
Pi (Pinus halepensis) und nicht die üblicherweise von den "Nordlichtern"
hier im Süden erwarteten Pinien mit den schirmförmigen Kronen. (Allerdings
steht eine dieser Pinus pinea direkt am Fahrbahnrand der Straße von Valldemossa
nach Deiá. Ein ganz gewaltiges Naturdenkmal.) Die Nadeln der echten Pinie
sind graugrün bis dunkelgrün, 12-18cm lang.
Die Nadeln der Aleppo-Kiefer sind dagegen hellgrün - besonders im
Austrieb - und werden nur 10 cm lang. Den Kieferpflanzungen auf Mallorca
fehlt daher die düstere Schwere. Sie sind freundlich-heiterer. Wärend man
die Samen der echten Pinie essen kann und daher auch kommerziell erntet
und verarbeitet, sind die Samen unserer Kiefern hier ohne wirtschaftliche
Bedeutung.
Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), E Algarrobo ist wie der
Olivenbaum immergrün. Ein herrliches Gehölz unserer Region. Trockenheiße
Landstriche und Kalkböden machen ihm nichts aus. Die derben, gefiederten
Blätter geben einen guten Schatten. Die gelblichen Blüten erscheinen reichlich,
aber sind unscheinbar.
Man würde sie vielleicht gar nicht bemerken, wenn man sie nicht röche:
ein starkes, weit schweifendes, strenges Aroma, das auch dem seimigen Honig
dieser Pflanzen anhaftet. Für viele Menschen ist dieser ausgesprochene Charakterduft
gewöhnungsbedürftig. Wenn sie ihn akzeptieren werden, ja im Herbst schon
auf ihn warten, dann gehören sie dazu. Haben ein Wesentliches des Flairs
dieser Landschaft in sich aufgenommen. Die ganz reifen Schoten-Früchte waren
ehemals Naschwerk für Kinder - als es noch nicht die wunderbaren massenhaft
beworbenen modernen Industrie-Snacks gab.
Heute sind die ganzen Früchte des Johannisbrotbaumes ein ausgezeichnetes
Viehfutter. Unbedingt verträglicher als BSE-verseuchtes Tiermehl. Industriell
werden die Früchte auch zur Herstellung alkoholischer Getränke verwendet.
Die gemahlenen Samen sind ein wichtiger Quell- und Dickungsstoff in vielen
Nahrungsmitteln. Sie werden als solche bei den Ingredienzien oft mit angegeben.
Übrigens, vom lateinischen Namen Ceratonia ist das Wort Karat abgeleitet,
das Gewichtsmaß für Edelsteine (0,2g), denn früher benutzte man die sehr
gleichmäßig wachsenden, getrockneten Samen zum Wiegen von Gold und Edelsteinen.
5. Die echte Zypresse mallorq. Ciprer
(Cupressus sempervirens)
Bei den Vorzeigepflanzen des Mittelmeerraumes darf man die Echte
Zypresse , mallorq. Ciprer (Cupressus sempervirens) nicht vergessen. Vor
allem die Säulen-Form dieser Art wird allgemein als eines der Symbole
fürs Mediterrane angesehen. Und das nicht erst in neuerer Zeit. Schon
im Altertum war diese immergrüne Konifere mit ihrem typischen Wuchs
Inbegriff von Dauer (Ewigem Leben) über Vergänglichkeit und Tod
hinaus.
Die ausgebreitete Wuchsform dieser Art wird leider zu Unrecht viel
zu wenig gepflanzt. Sie wäre im Bereich des öffentlichen Grüns
ein sehr robuster Schattenbaum. Beide Typen sind allerdings überhaupt
keine Pflanzen für den normalen Privatgarten. Dazu werden sie viel
zu groß. Auch kann man mit ihrem weit reichenden Wurzelwerk Ärger
bekommen. Denn vor Zypressen und Kiefernwurzeln ist kein Rohrleitungssystem
sicher.
Zwei immergrüne Eichenarten (und Zwischenformen) findet man
auf den Balearen:
1. die Stein-Eiche (Quercus ilex)
2. die Kermes-Eiche (Quercus coccifera)
Die Stein-Eiche, mallorq. Alzina, wird ein
bis zu 25m hoher langsamwüchsiger Baum. Blätter 3-7cm lang, die
Eicheln meist zu 1-3en, bis zur Hälfte im mit weichhaarigen anliegenden
Schuppen besetzten Becher.
Sie wirft einen recht kompackten Schatten. Ihr Stammholz wäre bestes
Baumaterial, wenn es nur genügend davon gäbe und die Bäume
konsequent gradschäftig gezogen werden könnten.
Die Kermes-Eiche, mallorq. Coscoll, Alzina
ravell, ist eine mehr strauchig wachsende Art, 2-4m hoch, mit glänzend
grünen, dornig gezähnten, 1,5-4cm langen Blättern. Die Eicheln
meist einzeln stehend, halb vom Becher umgeben, der mit kurzen, stacheligen,
abstehenden Schuppen besetzt ist. Auf dieser Art u.a. leben die Kermes-Schildläuse (sh. bei der Opuntie).
Ihre erbsengroßen Weibchen wurden früher getrocknet und als Lieferant
des roten Farbstoffes Kermes in den Handel gebracht. Daraus entstand das
Karmesinrot.
Bei uns steht diese Eiche als Unter- oder Randbewuchs lichterer Wälder,
in der garrigue oder macchie in Küstennähe.
Beide Arten wären in den Gärten als Heckenpflanzen gut zu gebrauchen.
Nicht zu vergessen, daß Schweine, die regelmäßig auch draußen
mit Eicheln gemästet werden ein gar köstliches Fleisch produzieren.
7. Die echte Feige mallorq. Figuera borda
(Ficus carica)
Die Echte Feige* ist so ganz ur-echt nun auch wieder nicht. Sie stammt
höchstwahrscheinlich aus Vorder-Asien, war aber schon in der klassischen
Antike im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Es handelt sich um einen sommergrünen
dicktriebigen, weichholzigen Großstrauch oder Baum, der wohl auch
bis über 10m hoch, und dessen Krone bis zu 20m breit werden kann. Seine
langgestielten etwas rauhen Blätter sind gelappt. Eine Besonderheit
sind die von uns geschätzten Früchte, die gar keine eigentlichen
Früchte sind, sondern der nach innen eingesenkte angeschwollene Blütenboden
mit den innen sitzenden Blüten, bzw. Fruchtständen. Bei den Sorten,
welche Bestäubung benötigen macht das die auf Feigen spezialisierte
Wespe Blastophaga psenes. Sie kriecht durch das Löchlein, welches ganz
oben an den Früchten zu sehen ist. Nach der Befruchtung bilden sich
bei diesen Pflanzen, die dem Typ der Smyrna-Feigen angehören, richtige
Samen, welche den Früchten einen zusätzlichen Nuß-touch
verleihen. Die samenhaltigen Früchte eignen sich auch gut zum Trocknen.
Die Feigen, welche auf eine Befruchtung verzichten, werden hauptsächlich
als Frischobst genutzt.
Ein Feigenbaum kann dreimal im Jahr mit Früchten aufwarten:
am aromatischsten sind die Frühjahrsfeigen, im Sommer gibt es die höchsten
Erträge und die Herbstfeigen kann man ruhig den Wespen und Vögeln
überlassen. Ferner gibt es dunkel-lila-schwarze und grüne Früchte,
Sorten, die früher oder andere, die später reifen.
Und da Feigen sehr gesund sind, und man sie auch als Obst vielseitig
einsetzen kann, sollte ein jeder, wenn er die Möglichkeit dazu hat,
ein oder zwei Feigenbäume in sein Gärtlein setzen.
Vor allem mit zwei Gattungen hat Australien die entsprechenden Klimaregionen
der Welt versorgt. Mit Akazien- und mit Eucalyptus-Arten. Verteufelt werden
zu Recht die Eucalyptus*-Monokulturen, die verschiedentlich auch im Mittelmeerraum
zur Holzgewinnung für die Papierindustrie angelegt wurden. Eukalyptus, kastill.
Eucalipto, ist eine fremdländische Gattung, in welcher sich mit einer allerdings
rein tropischen Art der höchste Laubbaum der Erde befindet, der bis zu 100m
hoch wachsen kann.
Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Arten, die nur 2-3 oder bis
5m hoch werden. Die hier industriell gewünschten Arten werden nur 40-60cm
hoch; sie wachsen sehr schnell, einige Arten bis zu 3m im Jahr, und beuten
den Boden ungeheuer aus und verbrauchen enorm viel Wasser. Ihr Laub zersetzt
sich sehr schlecht, bildet keinen Humus. Darüber hinaus verdrängen sie einheimische
Flora. In Wirklichkeit ist es mit dem Eukalyptus wie mit so vielen anderen
Sachen: man kann mit ihnen sehr viel Unfug anstellen, aber man kann sie
auch sehr sinnvoll einsetzen. Denn unter den über 450 sehr unterschiedlichen
Arten gibt es auch für den Mittelmeerraum ganz ausgezeichnete Gehölze.
1. welche die mit sehr, sehr wenig Niederschlägen auskommen.
2. einige, die noch auf den allerschlechtesten Böden wachsen.
3. einige, die sogar für den Privatgarten ausgezeichnete Blütenbäume abgeben.
4. und fast alle kennen kaum Krankheiten. Sie haben ein sauberes, gesundes Laub. Viele Arten können bei Sonne
ihre Blätter so stellen, daß die Sonne die Blattspreite nicht trifft. Daher
sagt man, daß es in Eukalyptuswäldern kaum Schatten gibt. Ferner haben viele
Arten in der Jugend ein stielloses, gel. den Stengel umgreifendes, oft silbern-graugrünes
und erst im Alter von diversen Jahren bilden sie ein meist schlankes gestieltes,
mehr grünes Blatt aus. Übrigens riechen die Blätter gar nicht aller Arten
nach Eukalyptus-Bonbons. Beim hier häufig gepflanzten hochwüchsigen E. globulus
ist das allerdings der Fall. Aus seinem Laub wird auch das Eukalyptusöl
industriell extrahiert. Wer genauer wissen möchte, was man in dieser aufregenden
Gattung alles so finden kann, schlage im Hortus Mediterraneus nach.
In Band II Detailinformationen über die Gattung und in Band IV ACheP
findet man eine Reihe von Verwendungslisten. Während die Gattung Eucalyptus
nur immergrüne Gehölze kennt und fast ausschließlich auf Australien beschränkt
ist, gibt es bei den Akazien*, mallorq. Arambuco (Acacia spec.) mit 750-1
200 Arten, immergrüne und laubabwerfende Arten in Australien, S-Afrika,
Zentral- und S-Amerika und Polynesien. Häufig gepflanzt werden bei uns 4-6
Arten, die immer richtig auseinanderzuhalten recht schwierig ist. Nennen
wir doch einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Bei allen Akazien gibt
es nur gelbe bis gelbliche Blüten. Die Blüten bestehen nur aus Staubgefäßen.
Die Blüten stehen an den Gehölzen in Walzen oder in runden Bällchen. (Bei
den Floristen-Arten Bällchen-Blüten in großer Menge. Bei einigen auch Duft;
die Arten mallorq. Aromo.) Auch unter den Akazien gibt es einige Trockenheitsvirtuosen,
weshalb man sie z.B. ausgezeichnet zu landschaftlichen (Re-)Kultivierungsaufgaben
einsetzen kann. Daneben sind die meisten - da sie jeden Schnitt vertragen
- gute Gartengehölze.
9. Lorbeer
Der Lorbeer, mallorq. Llorer, (Laurus nobilis) wurde schon im Altertum
als Heil- und Gewürzpflanze kultiviert. Eigentlich jeder kennt seine
getrockneten Blätter vom häuslichen Küchen-Gewürzbord
her. Er ist ein Strauch oder Baum 5-15m hoch; die Blätter,3,8-10 x
1,3-3,8cm, ledrig, zugespitzt, oberseits dunkelgrün; die Blüten
grünlichgelb, zu mehreren März bis April.
Auch der Lorbeer ist heute eigentlich eines der Gehölze, das zu selten
gepflanzt wird.
Sogar im kleineren Privatgarten wäre für ihn Platz, da
man den Lorbeer ausgezeichnet mit der Schere im Zaum halten kann.
10. Pfefferbaum
Den Begriff Pfefferbaum* sollte man nicht zu wörtlich nehmen.
Früher wurden in der Tat die Früchte des Pebreboner (mallorq.),
der in Mexiko, Chile und Brasilien zuhause ist, gemahlen als Pfefferersatz
gelegentlich verwendet. Sie sind überaus gesundheitsschädlich.
Auffallen tuen diese immergrünen Bäume mit ihren gefiederten Blättern
als unglaublich robuste Straßenbäume. Die Blüten in kleinen
gelblichweißen Rispen werden gefolgt von den rosaroten Beerenfrüchten,
die ebenfalls zierend sind. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen,
daher sind die Beeren nicht an allen Pflanzen zu finden.
Der Mandelbaum (Prunus dulcis) ist ursprünglich in Mittel-
und Vorderasien heimisch, kam aber schon in der Antike in den Mittelmeerraum.
Er ist ja nun für Mallorca immer noch landschaftsbestimmend. Bis
vor 1940 war die Insel das größte zusammenhängende Mandelanbaugebiet
der Welt. Danach übernahm Kalifornien diese Position. Aber immer
noch - und ich teile diese Ansicht durchaus - sind die mallorquinischen
Mandeln, was das Aroma angeht, allen anderen Provenienzen vorzuziehen.
Das liegt u.a. einfach daran, daß die Kalifornier ihre Plantagen
düngen und wässern, wodurch größere, aber keineswegs
bessere Früchte erzielt werden.
Die Mandeln, welche zu den Steinfrüchten gehören, sind
genau so strukturiert wie Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Kirschen, Nektarinen.
1. unter der Außenhaut ein weiches Fruchtfleisch (bei den Mandeln
wenig ausgebildet, wenig saftig und ungenießbar; höchstens
Viehfutter) 2. dann kommt eine harte Schale und 3. in der Schale ein weicher
Kern, die essbare Mandel; die Kerne aus Pfirsichen und Aprikosen werden
zu Persipan verarbeitet, dem Ersatz für das edlere Marzipan, das
aus Mandeln hergestellt wird.
Bei den Süß-Mandeln (Prunus dulcis var. dulcis) gibt
es unterdes eine Fülle von Sorten. Eine grobe Unterteilung kann man
machen, wenn man die hartschaligen von den weichschaligen, die man mühelos
mit der Hand knacken könnte, trennt. Natürlich kommen für
den Anbau auf Mallorca nur die hartschaligen Sorten infrage. Schon deren
Früchte werden zu gern von den Mandelratten geerntet. Dh. diese Tierlein
- von denen es auf der Insel abermillionen gibt - ernähren sich hauptsächlich
von Mandeln. Weichschalige Sorten (Prunus dulcis var. fragilis) könnten
zusätzlich bestens auch von allen Vögeln konsumiert werden.
Da würde für eine menschliche Ernte wenig über bleiben.
Die Bitter-Mandeln muß man jetzt nicht mehr extra anbauen, weil
man das Bittermandelöl, das ein wenig in der Bäckerei verwendet
wird, leichter und preiswerter aus den Kernen von Aprikosen gewinnen kann.
12. Der gemeine Judasbaum (Cercis siliquastrum)
Der Gemeine Judasbaum (Cercis siliquastrum) trägt einen wenig
attraktiven deutschen Namen, wobei das Wort gemein nicht auf eine niedrige
Gesinnung, sondern nur auf sein allgemeines Vorkommen hinweisen soll.
Die Mallorquiner nennen ihn viel galanter Arbre de lAmor. Es handelt
sich um einen bis zu 10m hohen Baum oder Großstrauch. Von seinen
purpurrosa Blüten ist er im März, noch blattlos, völlig
bedeckt. Eine Kuriosität ist, daß die Blüten sogar direkt
aus der Rinde des Stammes oder der mehr oder weniger dicken Äste
entspringen kann. Und diese Blüten sind essbar. Sie waren schon in
der Antike wegen ihres delikaten Aromas beliebt. Eine schöne Möglichkeit
bunte Salate zu kreiern.
Auf den Balearen sind zwei Wacholderarten zuhause: der Stech-Wacholder,
mallorq. Ginebró (Juniperus oxycedrus) und der Phoenizische Wacholder,
mallorq. Sivina (Juniperus phoenicea). Ersterer - wie der Name schon sagt
- sticht, der letztere nicht. Die Nadeln des ersteren sind weit gestellt,
die Zäpfchen reifen im zweiten Jahr und sind dann glänzend rotbraun.
Beim Phoenizischen Wacholder sind nur bei den Jungpflanzen die Blätter
nadelig, später sind sie schuppig amliegend, hell- bis blaugrün.
Der Stech-Wacholder wächst besonders gern in der Nähe der Meeres,
z.B. meistens in den Dünen hier zu finden. Auf besten Standorten
kann er 12m hoch werden. Der nicht stechende, andere gedeiht auch in Küstennähe
und kann 2-6m hoch werden.
2. Rosmarin mallorq.
Romani, kastill. Romero
Den Rosmarin, mallorq. Romani, kastill. Romero werden wohl auch
die meisten Laien-Botaniker erkennen, besonders dann, wenn sie gute Köche
sind.
Er ist ein immergrüner 0,5- (höchstens) 2m hoher sehr aromatischer
Strauch. Seine ledrigen nadelförmigen Blättchen sind am Rande
eingerollt, oberseits tiefgrün, unterseits graufilzig. Die Blüten
sind blaß- oder intensivblau bis weißlich. Man findet den
Rosmarin im gesamten Mittelmeerraum. Für naturhafte Gartenanlagen
ist er unverzichtbar. Zu diesem Zwecke wurden auch schon in der Vergangenheit
mehrere Wuchsformen selektiert: z.B. ganz straff aufrecht wachsende für
niedrige Hecken, sich flach dem Boden anschmiegende als Bodenbedecker.
Schon die alten Griechen benutzten ihn als Heil- und Würzpflanze.
Botanisch betrachtet ist der Rosmarin dem Lavendel nahe verwandt. Das
Rosmarin-Öl ist noch heute wichtiges Ingredienz des sog. Kölnisch
Wasser.
Erdbeerbaum (Arbutus unedo), das ist doch ein schöner Name
für ein wunderschönes Gehölz, den man sich gut merken
kann. Zumal die Früchte dieses immergrünen Großstrauchs
oder kleinen Baumes durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Erdbeeren
haben. Und essen kann man sie auch. Muß man aber nicht, denn soweit
geht die Ähnlichkeit mit der Erdbeere denn doch nicht, daß
diese Strauch-Früchte nun auch noch wirklich wie Erdbeeren schmeckten.
Nein, ihr Aroma ist eher fade, die Konsistenz mehlig.
Die Blätter oberseits glänzend grün, unterseits
matt; der Rand gesägt; kleine weiß bis rosa hängende
Glockenblütchen in Rispen; und dann die bis 2cm dicken rundlichen
Beeren mit der warzigen Oberfläche. Es ist dies eine der wenigen,
den Ericaceen zugehörigen Pflanzen, die auch noch kalkhaltige Böden
verträgt.
Es gibt zu dieser Gattung noch eine mehr im Osten angesiedelte Art und
die Kreuzung zwischen den beiden, und dann noch den Verwandten aus dem
westlichen N-Amerika, den Madrono, der aber insofern zu den anderen
nicht so recht passt, weil er nun wieder keinen Kalk verträgt und
auch sonst überaus heikel in der Kultur ist. Jedoch alle diese
Arten der Gattung Arbutus sind in jedem Falle wunderbare mediterrane
Gehölze.
4. Spanische Ginster
Wer auf Mallorca oder anderswo hier im Süden über die
Autobahn fährt, sieht neben dem Oleander im April bis Mai eine weiteres
Blütengehölz, 1,8-2,5m hoch, das etwas Besonderes ist. Der mit
grazilen weißen, stark duftenden Blütenkaskaden aufwartende
Spanische Ginster * oder Küstenretama, kastill. Retama blanca (Retama
monosperma). Eine im Aufbau ähnliche Art mit gelben, jedoch praktisch
duftlosen Blüten ist der Retama común*.
5. Engelstrompeten
Aus Deutschland kennen wir die Engelstrompeten* (Brugmansia) als
eindrucksvolle Kübelpflanzen, hier können sie, frei ausgepflanzt
bis zu kleinen Bäumen mit 5-10m Höhe heranwachsen. (Früher
hat man wohl auch Stechapfel zu ihnen gesagt.) Diese Gattung
mit etwa 5 Arten kommt aus den Anden S-Amerikas. Bei den Arten und Gartenformen
werden mehr oder weniger weite Blütentrompeten, hängend oder nickend,
einfach oder doppelt, in weiß, gelb oder rot, und mit oder ohne Duft,
der besonders abends betörend stark ist, ausgebildet.
Die Baumheide, mallorq. bruc (Erica arborea) gehört zu den bestimmenden
Pflanzen der Macchie. Sie gibt es aber auch sonst, etwas weiter im Inland;
die Büsche können 2-5 m hoch werden. Wie fast alle Ericaceen möchte auch
die Baumheide kalkfreie Böden. Erkennen kann sie auch ein Laie leicht, hat
sie doch das typische, feine Heidelaub und die ebenso charakteristische
-blüte. In Baumärkten und Pflanzencentern werden zu Rollen aufgewickelte
Reisigmatten, aus dieser Heide gefertigt, angeboten. Als Sicht- und Sonnenschutz
leisten sie hervorragende Dienste.
Von den Zistrosen, mallorq. estepa, die nun wirklich richtige
Mittelmeeranwohner sind, gibt es auf den Balearen 5-6 Arten. Nicht zu
rechnen die hybriden Formen, welche in Gärten gepflanzt werden.
Es sind Sträucher, meistens um die 1m hoch, wenngleich bei einigen
Arten auch Höhen bis zu 2 und mehr Metern vorkommen könnten.
Die Blätter sind bei allen gegenständig, bei einigen gänzlich
oder teilweise filzig, oder eingerollt, gel. einen harzig-aromatischen
Duft verströmend.
Die sehr zarten Blütenblätter sind rosarot oder weiß,
in der Mitte ein Büschel gelber Staubgefäße, und nahe
denen bei einigen dunkle braunrote Basalflecken. Wenn die für Wildsträucher
ungewöhnlich großen und edlen Blüten sich im Frühling
bis Frühsommer am Morgen öffnen, sind sie zuerst noch recht
zerknittert, sie glätten sich schnell in der Sonne, mittags fallen
sie aber leider meist schon ab. Aber da Knospen in Fülle die Büsche
bedecken, darf man in den kommenden Wochen mit einem ununterbrochenen
Blühen rechnen.
8. Oleander
Den Oleander, Nerium oleander, E Adelfa, bewundert man gemeiniglich
hier zum ersten Male, wenn man über Autobahnen fährt. Welch eine
Mühe muß man sich z.B. in Deutschland mit den Oleander-Kübelpflanzen
machen. Und hier - Straßenbegleitgrün.
Er ist ein echt mediterranes Gehölz, wird in der Antike schon als Zierpflanze
beschrieben.
Aber Vorsicht: die Pflanze ist in allen ihren Teilen giftig, und man sollte
aufpassen, daß Kleinkinder nicht Blätter und Blüten in den
Mund nehmen.
Im Laufe der Zeit haben sich viele Sorten herausgebildet, die sich
hinsichtlich ihrer Wuchs- und Blütenformen und -farben unterscheiden.
Den Duft brachten die indischen Varietäten ins Spiel. Oleander kann
man auch zu herrlichen kleinen (Straßen-)Bäumen erziehen. Leider
schafft es der spanische Gartenbau bisher nicht, gleichmäßig
hohe, auf gute Stammbildner veredelte, klar sortenmäßig definierte
Hochstämme anzubieten. Peinlich!
Von den Pistazien gibt es bei uns zwei richtig heimische Arten, mit
männlichen und weiblichen Pflanzen: den immergrünen Mastixstrauch (Pistacia
lentiscus) und die sommergrüne Terpentinpistazie (Pistacia terebinthus).
Die erstere, mallorq. Mata genannt, wird 2-3m hoch, die Blätter gefiedert;
Früchte zuerst rot, dann schwarz. Blätter und Rinde riechen, zerrieben,
stark harzig. Eine Unterform dieser Art wird in Griechenland zur Gewinnung
von Harz (Mastix) angebaut.
Der Terebinto, mallorq. Abre del pi, dagegen kann bis zur Größe eines
kleinen Baumes heranwachsen. Blätter, harzig duftend, glänzend dunkelgrün,
unpaarig gefiedert, Früchte leuchtend rot. Die Echte Pistazie*, deren frische
Nüsse in der Mortadella-Wurst unverzichtbar, die gerösteten in Snacks so
beliebt sind, ist im Iran und Zentral-Asien daheim. Man könnte sie auch
auf Mallorca anbauen. Aber noch ist ihre Kultur selten.
Der Kapernstrauch ist wieder eine wirklich einheimische Pflanze.
Mit ihrem sauberen Laub und den herrlichen Blüten ist sie ein wirklicher
Edelstein unter den autochtonen Wildpflanzen der Balearen. Aber was heißt
hier Wildpflanze. Sie wird schon seit Jahrhunderten gezielt angebaut. Früher
waren die Balearen ein Hauptproduzent für die Gewürz-Kapern.
Und noch heute werden die Blütenknospen dieser Pflanze, denn das
sind die für die Küche benötigten Ingredienzien, von vielen tüchtigen mallorquinischen
Hausfrauen gemäß alten traditionellen Rezepturen eingelegt. Die haben ein
so feines Aroma, daß sie bestens als Appetizer serviert werden können. Der
sommergrüne Strauch kann 1m hoch und doppelt so breit werden. Besonders
attraktiv wirkt er, wenn man ihn über Mauern bis zu 2 m herabfallend zieht.
Die 4 Blütenblätter sind weißlich bis hellrosa, zahlreiche hellviolette
lange Staubfäden und gelbe Staubbeutel vervollkomnen diese filigranen Blütengestalten.
Die länglichen Beerenfrüchte werden ebenfalls eingelegt konserviert.
11. Riesenschilf
Das Phahlrohr oder Riesenschilf (Arundo donax) ist bis zum heutigen
Tage eine für den Gartenbau sehr nützliche Pflanze. Es steht in gewisser
Weise zwischen den ganz krautigen Gräsern und dem voll verholzenden Bambus,
der ursprünglich hier nicht vorkommt, jedoch heute schon mit mehreren Arten
gepflanzt wird. Arundo ist ein Schilf. Es wächst sehr schnell 3-6m hoch
und kann, wenn es gelegentlich im Jahr reichlich mit Feuchtigkeit versorgt
ist, sehr lange Durststrecken überstehen. Im alten Ägypten hat man mit Halmstücken
dieses Schilfes geschrieben, und zum Bau von Musikinstrumenten benutzte
man es. Noch heute werden die Blätter von Klarinetten, Saxophonen, Oboen,
Fagotten aus den Rohren dieses Riesengrases geschnitten. Prosaischer ist
seine Verwendung als Viehfutter, zur Produktion von Zellulose. Und, wo immer
es im Garten gilt etwas anzubinden und aufzurichten, bedient man sich der
fast überall vorhandenen Schilf-Rohre. Sie sind nicht so stabil wie Bambus-Rohre
und vergammeln auch schneller, aber ein wenig halten sie doch. Geshreddert
sind Rohre und Laub ein ausgezeichnetes Mulchmaterial.
E) Kletterpflanzen
1. Macchien-Waldrebe
Wollte man nur die gesamte Lebenswelt der Trockenmauern vollständig
darstellen, müßte das ein dickes Buch ergeben, so reich ist dieses
Biom (Zusammenleben von Tier- und Pflanzenarten, die einen einheitlichen
Lebensraum bewohnen.) Neben den Flechten, Moosen, Farnen und Steinbrech-
und Sempervivum-Gewächsen fallen zwei Clematisarten auf:
Die immergrüne Macchien-Waldrebe (Clematis cirrhosa) und die Brennende
Waldrebe (Clematis flammula).
Die immergrüne Macchien-Waldrebe (Clematis cirrhosa) kann bis
zu 4m weit oder hoch klettern, bei uns meistens nur bis zu 2m. Ihre nickenden
oder hängenden Glocken-Blüten sind cremefarben, meist dunkel kastanienrot
gefleckt.
2. Brennende Waldrebe
Die laubabwerfende Brennende Waldrebe hat weit offene Sternchen-Blüten
in vielblumigen Rispen, die kräftig nach bitteren Mandeln duften. Beide
Arten schmücken sich später mit dem so lange haltenden fedrigen
Samenstand.
3. Bougainvillea
Bougainvillea*, von deren Sorten und Arten einige fast das ganze
Jahr über blühen mit ihren knallig-leuchtenden Farben kennt wohl
ein jeder. Besonders der lila-blaue Typ ist wegen seiner Robustheit sehr
verbreitet. Allerdings sind die auffällig blütenartig geordneten
Blättchen gar keine Blüten. Es sind - wie beim Weihnachtsstern
Hochblätter, welche die eigentliche, in ihrer Mitte unscheinbar liegende
Blüte umgeben. Die Bougainvilleën kommen aus S-Amerika, hauptsächlich
aus Brasilien.
4. Morning Glory
Morning Glory*, der englische Name ist wohl der zutreffendste für
diese einjährige bis staudige Trichterwinde (Ipomoea tricolor). Ihre
Herkunft ist ungewiss, wahrscheinlich aus dem trop. Amerika, heute überall
in den Tropen naturalisiert, aber auf keinen Fall eine mediterrane Pflanze.
Und doch - welch eine Form- und Farbenschönheit. Für mich eine
der vollendetsten Blütengestalten überhaupt.
Vielleicht sind die Blüten in großer Fülle immer
so perfekt, weil sie, sich am Morgen öffnend, schon um die Mittagszeit,
bzw. im Laufe des Nachmittags verblühen. Besonders schön sind
neben anderen auch die beiden bekannten intensiv dunkel-himmelblauen Sorten
Heavenly Blue (bzw.Heavenly Blue Improved) und
die mehr oder weniger identische Clarkes Himmelblau.
5. Duft-Jasmin
Der echte Duft-Jasmin*, mallorq. Gessami oder Llessami (Jasminum
officinale Grandiflorum; Jasminum polyanthum) kommt mit seinen,
hier bei uns wichtigsten Arten aus Fern-Ost. Man kann aber sagen, daß
der laubabwerfende Jasmin, J. officinale, sich hier schon gut eingebürgert
hat. Es ist ein wüchsiger Strauch, dessen grüne Triebe bis 10m
lang werden können. Die zu fünft stehenden, weißen Blüten
duften sehr stark. Die Selektion Grandiflorum wird in S-Frankreich
(Grasse) zur Gewinnung von Jasminöl angebaut.
Der fast immergrüne andere Jasmin kommt aus W-China. Seine weißen,
stark duftenden Blüten sind außen rötlich überhaucht;
sie stehen ebenfalls zu mehreren, in achselständigen Rispen.
F) Stauden / Ein- und Zweijährige
In dieser Gruppe begegnen wir vielen Pflanzen, die wir auch schon
aus dem Norden kennen. Dort allerdings oft als mehr oder weniger Einjährige
Beet- und Balkonpflanzen gezogen, obgleich sie das Zeug zu staudiger Dauer
hätten, wie sie uns hier im Süden beweisen werden.
Im Frühling bis Früh-Sommer erfreut uns auf den Feldern
und an den Straßen- und Wegesrändern der wilde Mohn (Papaver
rhoeas) mallorq. Rosella, Kastill. Amapola.
Sein knalliges, warmes Rot blitzt im Sonnenlicht. Die Gärtner sollten
ruhig mal es auch mit den modernen Hybriden dieser Art in allen möglichen
anderen Farben versuchen, und diese in ihren Gärten verwildern
lassen. Mohnfarben sind unvergleichlich weithin leuchtend schön.
Übrigens stammt der berüchtigte Schlafmohn (Papaver
somniferum) ursprünglich auch aus dem Mittelmeergebiet. Schon um
1400 v.Chr. wurde auf Kreta eine Mohngöttin verehrt. Heute ist
der Anbau des Schlafmohns in Europa genehmigungspflichtig. Immerhin
möchte man ja auch die ungefährlichen Samen dieser Art zum
Kochen und in der Brot- und Feinbäckerei verwenden. Das in der
Medizin benötigte und von bösen Buben mißbrauchte
Opium ist der aus den angeritzten unreifen Samenkapseln austretende,
später eingedickte, Milchsaft. Die Anbaugenehmigungspflicht, hier
wie bei einigen anderen Drogen, soll gewährleisten, daß man
sich nicht im Do-it-yourself-Verfahren im eigenen Garten den Stoff für
die künstlichen Paradise anbaut.
2. Goldblume
Die andere auf den regelmäßig gepflügten Feldern
zu abertausenden auftretenden Einjährigen Blumen ist die Goldblume
oder Kronenwucherblume (Chrysanthemum coronarium), mallorq. Margarida. Auf
besten Standorten kann sie bis zu 80cm hoch werden; sie trägt das auch
für die Zucht-Chrysanthemen typische fiederschnittige Laub; die Blütenköpfe
bis zu 5cm im Durchmesser; die Randblüten oft gebändert, in intensivem
bis blassem Gelb. Die Felder hinreißend in ihrer Blütenfülle.
Die Einzelblüte in einer satten Üppigkeit, die sich vor keiner
hochgezüchteten Hybride zu verstecken brauchte.
3. Niedriger Sauerklee
Der Niedrige Sauerklee* (Oxalis pes-caprae) ist eines der hinreißendsten
Unkräuter, das ich kenne. Er kommt eigentlich aus S-Afrika.
Man kann ihn leicht an dem typischen, langgestielten Kleeblatt erkennen.
Seine Blüten, vom Dezember bis Mai, mit 5 Kronblättern, sind leuchtend
gelb. Man findet ihn eigentlich überall, an Wegräundern und unten
vor Mauern. Für die Bauern ist er äußerst lästig, zumal
er sich so enorm ausgebreitet hat. Wenn doch alles, was lästig ist,
so schön wäre.
Das sind die Kakteen und andere Pflanzenarten, welche spezielle Speicherorgane
für Wasser entwickelt haben, die sie in die Lage versetzen, längere Trockenzeiten
vermittels ihrer gespeicherten Reserven zu überleben. Es sind hier vor allem
zwei Kulturflüchtlinge, also Kulturpflanzen aus fremden Regionen - diesmal
Mexiko - die verwilderten und heute überall in freier Landschaft anzutreffen
sind:
1. die Feigen-Opuntie (Opuntia ficus-indica) und
2. die Amerikanische Agave (Agave americana)
1. Opuntie
Daß es sich bei der Opuntie* um eine Kaktus-Pflanze handelt,
erkennen wohl auch noch selbst botanisch wenig versierte Laien. Alle Kakteen
kommen aus der Neuen Welt. In der Alten Welt, Afrika, kommen nur die in
einigen Fällen ähnlich aussehenden Euphorbien vor.
Kakteen sind nicht allein an längere Trockenzeiten bestens angepasst,
sie wachsen auch auf kümmerlichsten Böden.
Das jedoch war nicht der einzige Grund, diese Opuntie, aus einer der umfangreichsten
Gattungen mit über 200 Arten, im Mittelmeerraum und besonders auf den
Kanaren einzuführen. Man hat nämlich auf ihr, besonders auf der
dornenarmen Selektion, die Cochenille-Laus (Koschenille) kultiviert. Im
19. Jahrhundert ein wichtiger (Neben-)Erwerbszweig. Koschenille ist die
Bezeichnung für bestimmte, getrocknete und zu Pulver zermalene weibliche
Schildläuse, aus denen der Farbstoff Karmin gewonnen wurde.
Um 1 kg Koschenille zu gewinnen, das dann schließlich etwa
50gr Karmin ergab, mußte man rund 140 000 Tiere von den Kakteen schaben.
Ein mühsames Unterfangen. Seit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe
hat die Koschenille-Laus zur Farbgewinnung nur noch eine untergeordnete
Bedeutung. Auf den Balearen hat die Läusekultur wohl sowieso nicht
die Rolle gespielt wie anderswo.
Hier hat man die Pflanze gebraucht, welche - wie Mandel, Johannisbrotbaum
und Olive - keinerlei Bewässerung benötigte. Ihre durchaus zierenden
Früchte sind essbar, ja werden heutzutage sogar in den Gemüsegeschäften
in Deutschland angeboten. Richtig zubereitet lässt sich aus ihnen ein
erfrischender und gesundheitsfördernder Nachtisch kreieren. Auch aus
den Blättern könnte man ein sehr magenfreundliches Gemüse
gewinnen. (Auf jeden Fall gutes Viehfutter. Und auch das wird heutzutage
kaum noch genutzt.)
Die stärker bedornten Typen lassen sich relativ schnell zu einer
undurchdringlichen Hecke aufpflanzen. Der Feigenkaktus wird 2-5m hoch. Wenn
man seine seitlich wachsenden Stengelglieder regelmäßig ausbricht,
kann man aus ihm einen pittoresken kleinen Baum ziehen.
Die Amerikanische Agave* ist die andere Sukkulente, die sich im Mittelmeerraum
heimatlich eingerichtet hat.
Aus ihrer Grundrosette graugrüner, bis zu 2m langen, scharf zugespitzten
dickfleischigen Blättern schiebt sich nach 10-15 Jahren ein imposanter bis
zu 8m hoher, schlanker, zuerst phallusartiger, später sich in regelmäßigen
Etagen waagerecht verzweigender Blütenstand mit bis zu über tausend gelblicher
Blüten und/oder auch Brutpflänzchen, die, wenn sie vom Samenstand auf den
Boden abfallen, wurzeln und sogleich neue Pflänzchen bilden.
Der englische Name für die Pflanze, Century Plant, geht auf die Annahme
zurück, daß diese Agaven erst nach 100 Jahren zum ersten und letzten Male
blühen würden, was - wie gesagt - ein Irrtum ist, denn die Blühfähigkeit
ist, wie man sich leicht vorzustellen vermag, hauptsächlich abhängig vom
jeweiligen Individualzustand der Pflanzen. Einen so gewaltigen Blütenstand
zu produzieren wie es die Agaven tun, schwächt die Pflanzen sosehr, daß sie daraufhin eingehen.
Aber schon vorher hatten die blühreifen Exemplare um sich herum eine
Reihe von Ausläufer-Pflänzchen gebildet, und dann sind da ja auch noch die
Samen und Brutpflänzchen, sodaß nicht zu erwarten steht, daß es nicht genügend
Nachkommen geben wird. In Mexiko wird gel. der sich hervorschiebende Blütenschaft
geköpft, um den daraufhin austretenden Saft zu gewinnen. Dieser Blutungssaft
fließt oft tagelang. Es können bei einer Pflanze bis zu 1000! Liter werden.
Der fermentierte Saft heißt pulque. (In deutschen Reformhäusern etc. kann
man diesen als Agaven-Dicksaft kaufen, ein hervorragendes und gesundes Süßungsmittel
für viele Nachspeisen.) Er ist die pulque, eines der Nationalgetränke Mexikos.
Aus der pulque kann man mescal und tequila destillieren.
Es existieren von dieser Art Spielarten mit in der Mitte oder am Rande gelb
oder gelblich-weiß gezeichneten Blättern. Die Spitzen der Blätter aller
dieser Typen sind enorm fest und sehr gefährlich. Kinder sollten nie in
der Nähe von dieser Agave spielen. Breite Abpflanzungen mit dieser Agaven-Art
sind nach spätestens 5 Jahren völlig undurchdringlich. Daß eine andere Agave
Lieferantin für die erneut hochgeschätzte Sisal-Faser ist, soll hier nur
noch am Rande erwähnt werden.
Übrigens ist und war die Flora hier im Mittelmeerraum gar nicht so
völlig verschieden vom Pflanzenkleid nördlich der Alpen. Es wird z.B. berichtet,
und auf alten Darstellungen ist zu sehen, daß im 17. und 18. Jahrhundert
der Apenin mit der klassischen deutschen Weihnachtsfichte (Picea abies)
bestanden war. An der Straße nach Valdemosa steht in einem Garten eine solche
kerngesund unmittelbar neben einer Washingtonia-Palme. Und auf Mallorca
wie im Teutoburger Wald und anderswo wachsen Schlehen (Prunus spinosa) aus
deren Früchten man auch hier einen vorzüglichen Likör zu destillieren versteht.
Über 75% der hiesigen Flora wächst oder könnte auch in Deutschland
wachsen. Hier und dort natürlich, klimabedingt, etwas anders in Wuchs-Tempo
und -Form. Aber sie wächst.
Die landschaftsbestimmenden Akzente der Zypressen, Olivenbäume, die
Zitrusfrüchte und der Lorbeer, die gibt's frei ausgepflanzt natürlich nur
hier. Wer diese in Berlin bewundern möchte, ist auf Kübel- oder Gewächshaus-Kultur
angewiesen. In Töpfen aber sind diese Pflanzen auch nördlich der Alpen nicht
selten. Und wer weiß schon, was in den nächsten Jahrzehnten die Klimaveränderungen
uns noch so alles bescheren werden.
Obgleich im Mittelmeerraum die Natur seit Jahrtausenden ausgebeutet
wird, ganz besonders in den letzten 200 Jahren und wieder verstärkt nach
dem zweiten Weltkrieg, hat sie sich bisher trotzdem irgendwie immer noch
behaupten können.
Die Zerstörung der ehenmals zusammenhängenden, dichten Wälder in
der gesamten Mittelmeerregion zur Holzausbeute, die Beweidung mit Schafen
und vor allem Ziegen, die jeden pflanzlichen Jungwuchs unterdrücken, das
traditionelle Abbrennen der Gehölze zur Förderung von Weidegräsern, und
heute zusätzlich aus durchsichtigen bauspekulativen Gründen, führte vielfach
zu enormen Erosionsschäden, bzw. zur totalen Degradation weiter montaner
Regionen.
Andererseits sind die küstennahen Buschgesellschaften macchia, garrigue,
phrygana oder batha, vielfach schon ein Ergebnis menschlicher Naturverachtung,
trotzdem oder gerade deswegen ungemein interessante, artenreiche Vegetationsformen
geblieben. Dennoch sollte niemand so naiv sein zu glauben und zu erwarten,
die Natur werde - wie bisher in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, alle
Mißwirtschaft und Schindluder, die mit ihr von den Menschen getrieben werden,
wegstecken und kompensieren können.
I) Literatur
Fr. Bonafè Barceló, Flora de Mallorca, 4
Bände, ISBN 84-273-0239-8
I. und P.Schönfelder, Kosmos-Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora,
ISBN 3-440-06223-6
A.Bärtels, Farbatlas Mediterrane Pflanzen, ISBN 3-8001-3488-8
A.Bärtels, Farbatlas Tropenpflanzen, ISBN 3-8001-3468-3
J) Kontakt: Walter Schmidt
Walter Schmidt, Son Borras, 9 in 07340 Alaró-Mallorca,
Tel. Mallorca: +34 971 87 90 27
e-mail: vogelschmidt@t-online.d Deutschland: Wiesengrund 19 a, D-21224 Rosengarten,
Tel. Deutschland: 04108/49 08 72
Fachautor der mediterranen Gartenenzyklopädie HORTUS
MEDITERRANEUS, erschienen im Ulmer-Verlag, www.ulmer.de