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Mallorca-Info
Palma
 

Palma ist eine wunderschöne Stadt und verbirgt viele kleine und grosse Überraschungen. Ein Bummel durch die Altstadt mit ihren herrlichen Palästen und Patios, das Lonja-Viertel mit der Seehandelsbörse ( heute Kunst-Ausstellungsfläche) und den kleinen Restaurants und Tapas-Bars oder der Besuch der belebten Einkaufsstrassen ( Fussgängerzone) sowie der Borne oder die Av. Jaime III ist ein "Muss". Und dann gibt es ja noch die beiden Yachthäfen, mit dem Paseo Marítimo ( Promenade am Meer), und die Masten der Segelyachten, die dem Stadtbild einen unverwechselbaren Charakter geben... Für einen Palma-Besuch sollte man schon mindestens einen Tag einplanen!

Informationen bekommen Sie auch kostenlos in den Fremdenverkehrsbüros der Stadt Palma:

- Plaça de la Rein 2, Tel. 971 712216
- Plaça d'Espanya, Tel. 971 711527
- Sant Domingo, Tel. 971 724090

TIPP:
Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, parken Sie für die Besichtigung der Innenstadt am besten im Parkhaus am Parc de la Mar (unterhalb der Kathedrale), dort bekommen Sie meistens einen freien Platz und brauchen nicht erst durch die Stadt zu fahren. Übrigens: Sonntags ist in Palma absolut "tote Hose". Alle Geschäfte und viele Restaurants haben geschlossen, aber viele Sehenswürdigkeiten stehen dem interessierten Stadtbummler offen (trotzdem auf Öffnungszeiten achten).

Palma-Altstadtviertel
 

 
 © Klaus Siepmann
   
Vor über 2000 Jahren eroberte Quintus Caecilius Metellus mit seiner Flotte Mallorca. Als eine seiner ersten Amtshandlungen gründete der römische Konsul die Stadt Palma. Nach den Römern kamen Vandalen, Byzantiner, Araber, Pisaner, Bourbonen, Katalanen. Und mit ihnen ihre Baumeister, die auf den Balearen, vor allem in Palma, ihre Spuren hinterließen und somit eine der schönsten Städte Europas gestalteten.

Wir stöberten in Palmas "casco antiguo" und entdeckten zwischen der Kathedrale und der Basilika de Sant Francesc ein Stück authentisches Mallorca, dessen Tage jedoch langsam gezählt sein dürften. "Como siempre?" Fernando Jorge Tarragón begrüßt fast alle Kunden mit den gleichen Worten: Wie immer? Ein simples "si" reicht dem Friseur, um zu wissen, welchen Schnitt sein Gast bevorzugt. Denn die Männer, die sich auf einen der drei gußeisernen Frisierstühle mit den durchgesessenen roten Sitzpolstern den weißen Plastikumhang umlegen lassen, kommen meistens nicht das erste Mal in den Salon am Plaça de Santa Eulalia. "Das meiste sind Stammkunden. Nicht selten habe ich auch schon den Vätern oder den Urgroßvätern das Haar gestutzt", sagt Fernando, nicht ohne einen gewissen Stolz über die Treue seiner Kunden durchklingen zu lassen.

  
  
Der 74jährige Friseurmeister schnibbelt seit immerhin 43 Jahren im 1932 gebauten Eckhaus am Plaça de Santa Eulalia Menschen aus allen Schichten die Haare. "Hier saßen unzählige Prominente, Fernsehstars, Fotomodelle und Politiker wie z.B. Jaume Matas." Den ehemaligen Ministerpräsidenten der Balearen traf Fernando auch schon außerhalb seines Salons, im Casino von Palma. Denn dort überreichte Matas ihm den "Premi D'or" und damit die höchste Auszeichnung der spanischen Frisörinnung. Ein Farbfoto an der Wand des drei mal sechs Meter großen Ladens, in dem sich seit der Eröffnung nichts verändert zu haben scheint, dokumentiert den großen Augenblick in Fernandos Leben.

Doch nicht nur in der Peluqueria scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das ganze Viertel ist ein Zeitdokument vergangener Jahrhunderte. Die meisten alten Häuser, die die engen Gassen säumen, sind noch im Urstand. Grau bis schwarz die Fassaden, von der Zeit gezeichnet. In den Parterre-Wohnungen haben noch zahlreiche Handwerker ihre Werkstätten wie z. B. Schuster, Polsterer, Tischler, Rahmenbauer oder Friseure. Unbeirrt von Touristenstrom und Durchgangsverkehr gehen sie, meist bei offenen Türen, emsig ihrer täglichen Arbeit nach. Gleich nebenan, eher unscheinbar, die vielen kleinen Bars, voller mallorquinischer Männer, die vorbeischlendernden Touristen eher skeptisch betrachtend. Ihre Frauen steuern andere Häuser an: die kleinen labyrinthartigen Tante Emma Läden, prall gefüllt mit einem scheinbar unerschöpflichen Sortiment - von der über der Registrier-Kasse baumelnden Sobrasada bis zur Mausefalle, die bereits vor über 20 Jahren hergestellt worden sein muß. Diese Geschäfte können mit den ofertas der Carrefours und Syps zwar nicht konkurrieren, dafür wird fast jeder Kunde freundlich mit Namen begrüßt. Ein kleines Schwätzchen ist im Preis natürlich mit inbegriffen, allerdings nur auf Mallorquin.

 © respective owner

Doch die scheinbale Idylle des Viertels trügt. Denn es gibt ein ein Problem, das die Bewohner ganz gewaltig stört: "Der Verkehr. Seit Jahren hat er im casco ständig zugenommen, und eine Beruhigung ist nicht in Sicht", sagt Pedro, der seit seiner Geburt hier lebt. Das liege vor allem daran, weil man in Palma noch mit dem Auto mitten ins Zentrum kutschieren kann. Durch Einbahnstraßen wird der Verkehr durch die ganze Altstadt geleitet. Anwohner und Touristen, die von den Avenidas kommen, biegen am Plaza Porta D'es Camp in den historischen Kern ein.

Die kurvenreiche Ralley führt durch die Carrers Antoni Planas, Temple und Ramon Llull zunächst zum Plaça de Santa Eulalia. Mofas und Mopeds düsen gleich weiter. Autos drehen einige Runden um den Platz, meist vergeblich, um einen der begehrten Parkplätze zu ergattern. Weiter geht's durch den schmalen Convent de Sant Francesc, auf dem die zahlreichen Fußgänger an den Hauswänden kleben, um nicht von einem Wagen erfaßt zu werden, zum Santa Eulalia. Hier gibt's auch nur 30 Parkplätze, die eigentlich durch die beschränkte Parkdauer alle 90 Minuten ihren Besitzer wechseln sollten. Wer wieder nichts findet, kurvt eben weiter: zurück zum Sant Francesc... . Nach jeder Runde steigt zwar die Frustration. Die Wahrscheinlichkeit, das Blechgefährt legal abzustellen, bleibt jedoch gleich. Da aus der anderen Richtung über den Plaça Cort genauso viele Fahrzeuge den Plaça de Santa Eulalia passieren, ist das mittlere bis große tägliche Verkehrschaos perfekt, das Fernando schon verinnerlicht zu haben scheint: "Den Lärm höre ich gar nicht mehr."

 
 © respective owner
   
Nahezu zum Erliegen kommt der Verkehr zweimal täglich am Plaça de Sant Francesc: gegen neun Uhr morgens und am späten Nachmittag gegen sechs. Denn dann ist Schulanfang bzw. -ende am Colegio, und zahlreiche Eltern liefern ihre Zöglinge dort ab oder wollen sie wieder abholen. Auf diese halb privatisierte Schule gehen die Kinder aus den besser situierten Familien Palmas. Sie hat den Ruf, daß sie erzkonservativ ist, das Lehrpersonal bestand bis vor nicht allzu langer Zeit vornehmlich aus katholischen Priestern.
Vor mehr als 500 Jahren, lange vor der Erfindung des Autos, gab es schon mal ein vergleichbares Gedrängel auf diesem Platz. Denn 1490 trugen hier die Amadans und die Espanyls, zwei der mächtigsten und einflußreichsten Familien Palmas, eine Fehde aus. Insgesamt gingen 300 Leute aus beiden Sippen aufeinander los, mit Knüppeln und anderen Schlagutensilien bewaffnet. Die Anzahl der Verletzten nach diesem Gemetzel ist bis zum heutigen Zeitpunkt genauso unbekannt wie die Ursache, worum es bei den Streitigkeiten überhaupt ging.

Zehn Jahre zuvor wurde hier 1480 in der Basilika von Sant Francesc Mallorcas berühmtester Sohn, der Philosoph und Missionär Ramón Llull, in einem eigens für ihn errichteten Grabmal beigesetzt. Diese gotische Kirche wurde von den Franziskanern 1281 erbaut und erhielt zwischen 1618 und 1700 eine Barrock-Fassade. Das zur Kirche gehörende Kloster, das im 14. Jahrhundert fertiggestellt wurde, ist zum bereits erwähnten Colegio umfunktioniert worden. Der spätgotische Kreuzgang der heutigen Schule gehört zu den bedeutendsten Palmas. 115 Säulen mit zierlichen Spitz- und Kleeblattbögen säumen den trapezförmigen Innenhof, der durch einen schmiedeeisenen Brunnen verschönert wird.

Nicht weniger einducksvoll ist die 100 Meter entfernte Kirche von Santa Eulalia, die zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erbaut wurde. Sie war eine der ersten Pfarrkirchen, die nach der Eroberung der Katalanen gegründet wurde. Mit Ausnahme der Kathedrale ist sie die einzige dreischiffige Kirche gotischen Baustils auf Mallorca. Die Hauptfassade wurde von 1894 bis 1924 kunstvoll erneuert.
Fernando, der sich erstmal eine Zigarette anzündet, während er mein Haar stutzt, betritt selten in Kirche gegenüber seines Ladens. Ihn zieht es mehr ins Fußballstadion. Seit fast 20 Jahren besitzt er eine Dauerkarte von Real Mallorca, hat fast keine Partie versäumt.
Nach dem Fönen erhebe ich mich aus dem Stuhl mit der "Imperator"-Fußstütze und bin erstaunt, daß man in so einem alten Laden einen topmodernen Schnitt verpaßt bekommt. Fernando klärt mich auf: "Ich kann jede gewünschte Frisur kreieren. Denn jede Haarmode wiederholt sich nach einiger Zeit." Diese Regelmäßigkeit trifft in der Architektur nur bedingt zu. Kaum denkbar, daß in Zukunft noch einmal Kirchen gebaut werden wie Santa Eulalia, Sant Francesc oder wie Palmas Wahrzeichen: die Kathedrale - "La Seu". Sie ist im wesentlichen ein Bauwerk, das der Gotik zugeordnet wird. Auch wenn ihr Hauptportal, das im Jahre 1601 fertiggestellt wurde, der späten Rennaissance zugeordnet wird. Prunkstück ist jedoch die Südfassade von "La Seu". Die dem Meer zugewandte Seite, die durch das Wechselspiel von verschieden großen mit Fialen verzierten Strebefeilern charakterisiert wird und jeden Betrachter verzaubert. Besonders wenn sie sich im künstlich angelegten See des Parc de la Mar widerspiegelt oder nachts, wenn die Spitzen der Kathedrale magisch im Mondlicht glänzen.

 
 © Klaus Siepmann
   
Hier wurde auch die Stadt Palma gegründet. Gegenüber der Kathedrale auf der Anhöhe, auf der sich heute der Almudaina-Palast befindet. Der islamische Palast wurde innerhalb der ersten von Quintus Metellus im Jahre 123 v. Chr. gegründeten römischen Siedlung Palmas errichtet. Als der arabische Kaufmann Al Hawlani, vom König von Córdoba bevollmächtigt, die Balearen 902 nach Chr. besetzte, wurde er der erste maurische Gouverneur auf Mallorca. Als Wohnsitz wählte er sich den Almudaina-Palast. Genauso taten es alle folgenden Gouverneure. Gelegentlich wird der Palast noch von herrschaftlichem Glanz erfüllt. Denn Spaniens König nutzt ihn bei seinen Mallorca-Besuchen noch für Empfänge. Ansonsten wird der Nordflügel vom Militär bewohnt. Der andere Teil ist als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Die 500 Jahre andauernde Herrschaft der Mauren brachte der Insel kulturelle Blüte. Viel ist davon aber nicht mehr zu sehen. Denn die nachfolgenden "Insel-Besetzer" zerstörten viele Zeugnisse islamischer Baukunst. Die drei Moscheen, die der letzte maurische Gouverneuer Abu Yahya errichten ließ, wurden zum Beispiel von den Christen dem Erdboden gleichgemacht. Nur die Fundamente der zerstörten Moscheen wurden weiterverwertet. Darauf stehen jetzt die Kathedrale sowie die Kirchen von Sant Miguel und Santa Eulalia. Und vielleicht gab es am Plaça de Santa Eulalia in den vergangenen 2000 Jahren schon einmal ein Friseurgeschäft, das wieder abgerissen wurde. Auf dessen Fundament schnibbelt Fernando wahrscheinlich seit mehr als 40 Jahren Haare.

Quelle: LEBEN auf den Balearen
             Die Zeitschrift in deutscher Sprache

 
  
 
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