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| © Klaus Siepmann |
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Frühjahr
ist nicht gleich Frühjahr. Denn
während es in den meisten Gegenden Deutschlands um diese Zeit oft auch unerfreulich kalt ist, können
wir auf Mallorca draußen sitzen. Auf Mallorca beginnt das Frühjahr gelegentlich schon im Februar
und kann dann unter Umständen bis Ende April dauern. Das wären sozusagen die äußersten
Grenzen. Aber manchmal ist der April schon sehr sonnenreich und warm.
Gar nicht mehr gut geeignet zu tun, was Gärtner im Frühling beflügelt:
zu pflanzen.
Daher,
falls man jetzt im Frühjahr noch unbedingt Bäume, Büsche und Stauden im Garten setzen
möchte, muss die kontinuierliche Wässerung bis über den Sommer hinaus
sicher gestellt sein. Ferner sollte man, falls die Sonne plötzlich losschmettert,
für das Neugepflanzte Schattiermaterial parat haben. Am wenigsten Probleme
hat man mit dem zu diesen Zwecken hergestellten Plastikgeweben.
Niedrigere
Pflanzungen werden damit, wenn die Sonne zu stark scheint, in der Mittagszeit
abgedeckt, indem man die Netze entweder direkt über die Pflanzen wirft,
oder über den Pflanzen eine leichte Stellage aus Cañas errichtet, die
dann das Gewebe hält. Einzelpflanzen, z.B. Zypressen etc. kann man auch
einfach damit einwickeln.
Und
wieder blühen die Rosen!
Vielleicht
merken Sie sich bei Freunden und Bekannten besonders schön blühende
und gesunde Rosensträucher. Wenn Sie eine solche Sorte im Garten haben
möchten, sollten Sie es mit der Steckholzvermehrung probieren: ein Zweiglein,
25-30cm lang, stecken Sie IX-III zu 2/3 in den Boden. Am besten drei
Stöckchen in einem Topf. Aufstellung schattig, und gleichmäßig feucht
- nicht nass - halten. Im kommenden Jahr haben sich dann meist schon
kleine Pflänzlein entwickelt, die man dann, je nach Witterung, ab Oktober
im Garten aussetzen kann. Im Laufe weniger Jahre kann man so zu einem
beträchtlichen Rosengarten kommen.
Die
fürs Leben unwirtliche Jahreszeit ist in Deutschland der Winter, hier
aber der Sommer. Und der nächste kommt spätestens in zwei Monaten.
Haben
Sie schon daran gedacht, wie Sie ihren Garten sommerfest machen werden?
Jetzt ist der Boden hier glücklicherweise tiefgründig mit Regen gesättigt
worden: die ideale Situation, um ohne zu zögern eine 3-5cm dicke organische
Mulchschicht als Austrocknungsschutz darüber zu legen. Als Mulch eignen
sich besonders geshredderte Pinienrinde, geshredderte Holzabfälle und
Seetang. Ersteres gibt's in Säcken zu kaufen, den Seetang könnte man
sich, falls nicht zuviel davon benötigt wird, selber am Strand (einmal
abregnen lassen oder vorm Ausbringen kurz abspülen) sammeln.
Die
Tröpfchenbewässerung liegt unter dem Mulch und ist jetzt auf ihre Funktionstüchtigkeit
hin zu kontrollieren.
Leider
wissen die meisten der neuerlichen mediterranen Gartenfreunde noch zu
wenig über die hier das Jahr über anzuwendende Gießstrategie: bei ökologisch
verantwortlichem Gärtnern passt man sich dem Lebensrhythmus der einheimischen
Pflanzenwelt an. Das heißt man gießt intensiv ab Herbst, den Winter über,
wenn die Niederschläge nicht ausreichen, und man gießt und düngt im
Frühjahr, wenn die Pflanzen richtig wachsen. Im Mai-Juni lässt man -
immer vorausgesetzt, es handelt sich um mediterran-klimasynchron wachsende
Gattungen und Arten, die eine Sommerpause einlegen - das Düngen schon
sein, und reduziert auch die Gießmengen. Im Sommer wird nur überbrückend
gewässert, das heißt soviel gegeben, dass die Pflanzen die Trockenstresszeit
überstehen können.
Ganz
anders muss man mit den Pflanzen umgehen, die einen dem mittelmeerischen
gegenläufigen Wachstumsrhythmus verbunden sind oder jedenfalls keine
trockene Sommerpause vertragen. Die benötigen im Sommer eine regelmäßige
und üppige Wässerung und Düngung. Zu denen gehören z.B. Hibiskus, Abutilon,
Impatiens, Begonien, Celosien, Heliotropium, Malven, Petunien, Geranien,
Hortensien, Canna (indisches Blumenrohr), Brugmansien (Engelstrompeten)
und eigentlich fast alle Beetstauden und Einjährigen, von denen man
den Sommer über Blütenpracht erwartet.
Auch
ein englischer Rasen will regelmäßig gesprengt werden, daher haben wir
ihn schon lange, zugunsten einer ökologisch vernünftigen Blumenwiese
aufgegeben. Diese Blumenwiese erhält, meistens im Mai, den letzten Schnitt,
vielleicht mit einem Mulchrasenmäher, der es erlaubt, das Schnittgut
an Ort und Stelle liegen zu lassen.
Sind
Bäume und Sträucher gesetzt, dann geht's an die Stauden und die Geophyten,
das sind die Knollen- und Zwiebelpflanzen. Leider sind wir jetzt
mit dem Pflanzen dieser hier schon zu spät dran. Im Herbst und frühen
Winter hätte man sich darum kümmern müssen. Nun, wir können jetzt aber
aufmerksam notieren, was uns an Blühendem bei diesem Pflanzentypen besonders
gefällt, was wir unbedingt für den Herbst bestellen wollen. Wir bevorzugen
ja Gattungen und Arten, die sich klimasynchron verhalten, also im Sommer
eine trockene Ruhepause einlegen, nicht gewässert werden müssen und dürfen.
Das sommerliche Einziehen der Pflanzen in ein unterirdisches Speicherorgan,
Zwiebel oder Knolle, ist eine raffiniert ausgeklügelte Strategie, um
den unwirtlichen Sommer zu überleben. Diese (häufig mediterranen) Gewächse:
Zierlauch (Alliums), Chionodoxa (Schneeglanz), Tulpen (besonders die
Wildtulpen), Herbstzeitlose, Krokus, Wildgladiolen, Ipheion (Triteleia),
Iris in vielen Arten, Freesien, Muscari (Traubenhyazinthen) in vielen
Arten und Sorten, Narzissen (sie werden ganz sicher von Tieren nicht
verbissen), sollten eigentlich den Grundstock der Geophytensammmlung
bilden. Sie sind so recht im Mittelmeerraum zuhause, und wenn es ihnen
in Ihrem Garten gut gefällt, werden sie sich bedanken und sicher spontan
vermehren.
Die
Bart-Iris blühen jetzt schon, oder sie werden es bald tun. Von ihnen
gibt es tausende der herrlichsten Sorten, kleine, mittelhohe und höhere
Typen in einer unglaublichen Fülle von Blütenfarbvarianten.
Ein
paar bunte Töpfe mit Heliotrop, Petunien und anderen Beetpflanzen können
wir als mobile Farbkleckse überall dort einsetzen, wo wir mehr Abwechslung
wünschen oder wo der Untergrund es nicht erlaubt zu pflanzen. Solche
Blüher in Töpfen sollte man einmal wöchentlich leicht mit Flüssigdünger
unterstützen. Sie müssten jetzt getopft werden.
Im
Kräutergarten ist Fehlendes zu ergänzen. Petersilie, Salat-Rauke
[Ruccola], Schnittlauch, Kresse und viele andere Gewürzkräuter sät man
direkt aus, von anderen gibt es Jungpflanzen auf den Wochenmärkten zu
kaufen. Und dort, wo es zwischen Stauden etc. etwas langweilig zu werden
droht, kann man jetzt noch Aussaaten einjähriger Blumen unterbringen.
Auf jeden Fall aber muss man die Saatstellen permanent feucht halten
(Gießkanne mit feiner Brause) und schattieren, damit die Sonne die feinen
Sämlinge nicht wegsengt.
Schatten
ist in unseren Sommern hier im Süden für alle Gärtner ein ganz wichtiges
Thema. Haben Sie schon einmal über den Bau eines Schattenhauses
in ihrem Garten nachgedacht?
Die
ganz besondere Atmosphäre eines solchen können Sie vielleicht in einer
der Schattenhallen der Gartencenter und Gärtnereien im Hochsommer erleben.
Ein meisterlich errichtetes umbraculo steht im Park der Villa
MARCH in Cala Ratjada. Nach Voranmeldung ist der Park und die Schattenhalle
an bestimmten Tagen zu besichtigen.
In
einem solchen Schutzbau könnte man besondere Palmen, Rhododendren, Orchideen,
Kamelien und viele andere Schönheiten kultivieren. Pflanzen, die zwar
eine gewisse Wärme gebrauchen, austrocknende pralle Sonne aber nicht
vertragen. Ein Verweilen an heißen Sommertagen in solchen Räumen ist
eine Erholung für Körper und Geist.
Wer
sein Gartenhobby durch die Sparte Vermehrung erweitern möchte,
wird sich vielleicht durch das Fachbuch der Royal Horticultural Society
(England) weiterbilden, das in deutscher Übersetzung im Ulmer-Verlag
(Stuttgart) erschienen ist. Dies ist wohl das vollständigste Spezialwerk
zu dem Thema, und die Erklärungen sind so abgefasst, dass auch (relative)
Neulinge nicht abgeschreckt werden.
Viele,
sehr effektive Duft- und Heilkräuter haben ihre Heimat in der Mediterraneis.
Da man heutzutage die meisten von ihnen auch im Supermarkt, getrocknet
oder zu Essenzen und Ölen veredelt, kaufen kann, werden sie leider in
den Hausgärten viel zu wenig angebaut.
Zu
den zwei wichtigsten gehören der Lavendel und der Rosmarin, beides Gattungen
der Familie der Labiatae (Lippenblütler). Gerade diese beiden könnten
nicht allein als Nutzpflanzen, sondern auch als gestaltende Elemente:
Hecken, Bodendecker etc. bei der Anlage der Gärten ein gewichtiges Wort
mitsprechen. Beide benötigen kaum Sommerwässerung. Im Gegenteil. Wer,
besonders bei abendlicher Wässerung, die Pflanzen immer wieder übersprüht,
muss sich nicht wundern, wenn sie bald an Pilzkrankheiten eingehen.
Wer
noch zu den antiquierten Gärtnern gehört, die selber im Garten arbeiten,
kann sich jetzt um die richtigen Werkzeuge kümmern. Einige mallorquinische
Werkzeuge sind sehr praktisch, aber sie haben für uns durchschnittliche
Germanen viel zu kurze Stiele. Selbst in Deutschland werden manchmal
zu kurze Stiele verkauft. Das liegt daran - wie mir ein Spezialist neulich
berichtete - dass die Längennormen bei den Arbeitsgeräten vielfach noch
aus dem 19ten Jahrhundert stammen, als man durchschnittlich etwas kleiner
gewachsen war.
Mit
gutem Werkzeug geht die Arbeit natürlich leichter von der Hand. In Deutschland,
Holland, Österreich und England gibt es kleine Firmen, die handgeschmiedete
Geräte herstellen. Es lohnt sich, dort
nach dem individuell passendsten zu suchen. Aber nicht immer ist ein
Luxusgerät auch ergonomisch am besten geformt und das leistungsfähigste
Werkzeug. Wer sich unsicher ist, frage bei uns an.
Wir
wünschen einen angenehmen Frühling!