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 Der Garten im mallorquinischen Herbst
 
 


Lieber Garten- und Naturfreund,


 
   

wenn auch der Frühling bis zum Frühsommer die spektakulärste Gartenperiode ist, die Zeit, in der die meisten Pflanzen in Blüte stehen oder besonders attraktiv aussehen, so ist es doch gerade der Herbst, auf den sich der aktive Gärtner ganz besonders freut. Denn jetzt ist endlich die Zeit gekommen, in der all das gepflanzt und gesät werden kann, was man sich für die kommende Saison so vorgenommen hatte.

Nach der trockenen Hitze des Sommers atmen Flora und Fauna wieder auf, die Blumenwiesen ergrünen aufs neue, die wärmespeichernde Kraft des Meeres sorgt dafür, dass (üblicherweise) bis Weihnachten wohltuend milde Temperaturen vorherrschen, die es angenehm machen, draußen im Garten zu arbeiten.

Nur wer im Herbst pflanzt, gibt seinen Neuzugängen genügend Zeit, bis zum kommenden Sommer richtig einzuwachsen.

Der Herbst ist die beste Pflanzzeit, besonders für Gehölze.
Gärten, die in dieser Hinsicht noch nicht komplett sind, werden jetzt weiter bestückt.
Im Sommer hatte man genügend Zeit zu überlegen, was noch dazu kommen sollte, und wo man die Pflanzen kaufen könnte, oder man hat sogar vorbestellt. Obst, Mandeln, Weinstöcke und Johannisbrotbäume wird man unter Umständen günstig in den bäuerlich-genossenschaftlichen Handlungen erwerben.
Zur Bodenverbesserung hat man einige Kubikmeter Kompost bei der nächsten depuradora (Kläranlage) geordert, und alle eigenen gesiebten Kompostreserven hält man bereit, um das Pflanzsubstrat beim Einpflanzen vor Ort optimal verbessern zu können..
Aber entscheidend wichtig ist natürlich die ausreichende Bodenfeuchtigkeit von Oktober bis Mai. Der Gärtner hat dafür zu sorgen, dass besonders in dieser Vegetationszeit die Pflanzen immer reichlich mit Feuchtigkeit versorgt sind.

Im Sommer muss man sie nur so über die Runden bringen, aber im Rest der Jahres regeneriert und wächst die Flora, da muss man richtig und ausreichend wässern. Viele Gärtner machen das falsch. Sie sind so auf die extrem trocken-heiße Jahreszeit fixiert, die ja für den Großteil der Pflanzenwelt nur eine Wachstumspause darstellt, dass sie die eigentlichen Vegetationszeiten, Herbst, Winter und Frühjahr, vergessen.

Der Herbst ist aber nicht allein die erste langersehnte Arbeitsperiode nach der zwangsweisen Sommer-Ruhepause. Gleichzeitig mit ihrer Regenerierung fangen auch eine Reihe von Pflanzen wieder an zu blühen, zum Beispiel die Rosen, deren Herbstblüte sich bis Weihnachten hinziehen kann. Für den Garten ist es natürlich wichtig, einige gut remontierende Sorten zu besitzen. Bei Neu-Käufen darauf achten und Sorten wählen, die sicher im Herbst "wiederkommen" ; bei Freunden und Bekannten aufmerksam beobachten, was jetzt im Herbst besonders gut blüht (Stecklinge).
Von den Alten Rosen blühen die Bourbon-Hybriden: 'Commandant Beaurepaire', 'La Reine Victoria', 'Mme Isaac Pereire'!, 'Mme Pierre Oger', 'Zephirine Drouhin'. Alle werden Büsche von ca. 2 m Höhe. Dann die Chinensis-Hybriden, die Herbst-Damaszener, die Noisette-Rosen ('Crépuscule' -4m, remontiert nur schwach, ist aber hier eine der schönsten aller Rosen).

        

Für eine üppige Frühjahrsblüte sorgen unter anderem auch die Ein- und Zweijährigen, von denen man sich mit Saat eingedeckt hat. Eventuell auch bei Freunden und Bekannten geerntet. Zwiebel- und Knollenpflanzen sind ebenfalls jetzt zu setzen. Manchmal ist es problematisch, bestimmte Zwiebeln und Knollen schon im Herbst zu bekommen, da nördlich der Alpen für die winterzarten Gattungen die Pflanzzeit erst im Frühjahr beginnt. Wenn man jedoch bei den Spezialhandlungen rechtzeitig vorbestellt, ist meistens auch eine vorgezogene Herbstlieferung möglich. Ab Oktober kann gepflanzt und ausgesät werden
Von den Einjährigen will man vielleicht die Mohnblüte durch Hybridfarben aufpeppen.
Calendula, Amaranthus, Dimorphotheca, Echiums, Elsholzia, Kochia, Lavatera, Linum, Portulaca, Tagetes und Zinnia könnten ebenfalls im nächsten Jahr in unserem Klima protzen.
Bei den Geophyten (Zwiebeln und Co.) sind Bart-Iris richtige Mittelmeerfans. Es gibt sie in niedrigen (15-25cm), mittelhohen (30-50cm) und hohen Sorten (70-90cm). In keinem Klima blühen sie so intensiv wie hier. Man muss sie in Massen setzen, möglichst in Trupps nicht unter 50 Stück, um ihre volle Schönheit sich entwickeln zu lassen. Neuzüchtungen sind meist recht teuer, sind auch eher etwas für Spezialisten, für uns nicht unbedingt nötig. Nehmen wir doch lieber die alten und bewährten Sorten.
Wer Claude Monet kopieren möchte, pflanzt blau blühende Iris unter Olivenbäume. Wunderbar! Die Einzelblüten der Iris halten nicht lange, aber zur allgemeinen Blütezeit kommen immer wieder - über Wochen hin - neue Blüten nach.
Freesien sind bei uns ebenfalls zu Hause. Zur Blütezeit durchströmt deren Duft den ganzen Garten. Jahr für Jahr kommen sie wieder, und immer werden es mehr.
Den intensivsten, geradezu überwältigenden Duft allerdings produzieren die wachsweißen Blüten der Tuberose (Polyanthes tuberosa), die aus der Agaven-Familie kommt. Sie wurde schon in präkolumbianischen Zeiten in Mexiko kultiviert. (Z.B. parfümierte man mit ihrem Duft Schokolade.) Ab Herbst und über Winter haben die Pflanzen ihre Ruhezeit, da wollen die Knollen es frostfrei und relativ trocken! Das heißt in Beeten werden wir ihre Standorte gegen zu starke Winternässe mit Folie schützen müssen. Mit dem Neutrieb ab Frühjahr werden sie gleichmäßig feucht gehalten und 14tägig mit leichten Volldüngergaben gestärkt. Auch sollte ihr Boden etwa zu 50% aus Humus (Kompost; reichlich organisch mulchen) bestehen. Auf Schattenbeeten unter Bäumen werden wir eventuell versuchen, Wildalpenveilchen anzusiedeln. Auch Hybridzüchtungen von Alpenveilchen, die von vielen Zeitgenossen, da sie nicht wissen, wie man sie weiter kultiviert, oder weil sie weder Platz noch Zeit zur Pflanzenpflege haben, leider einfach nach der Blüte im Hause weggeworfen werden, eignen sich dazu, im Garten ausgepflanzt zu werden. Auch sie kommen Jahr für Jahr wieder und werden sich unter Umständen langsam vermehren.

Wer Gärtnern Geschenke zu machen hat, liegt immer richtig, wenn er Einjährigen-Saat oder Zwiebeln und Knollen schenkt. Kein Garten, und sei er auch schon quasi komplett, in dem nicht noch für solche Pflanzen Platz wäre.
Aber nicht allein für ausreichend Feuchtigkeit sollte in der Herbst-Winter-Saison gesorgt werden. Auch sollte parallel zur Feuchtigkeit Dünger her, wenn man im Garten eine gewisse Üppigkeit erreichen möchte. Blumenwiesen wird man eher mager halten, in Stauden- und Gehölzrabatten über den organischen Mulch (Kompost) düngen - und das reicht völlig aus.

Blütenpflanzen werden vor dem Winter noch einmal leicht im Oktober bedacht, und dann wieder nach der winterlichen Kälte Ende Februar- Anfang März. -
Aber bitte nicht die wahllosen Rundumschläge mit Volldüngern! -
In unseren, stark kalkhaltigen Böden gibt man generell (unmittelbar vor zu erwartenden heftigeren Regenfällen) Ammoniumsulfat und Magnesiumsulfat. Jeweils 1 Zentner reichen für 6 000m². Wer es genauer wissen möchte, sollte zur Fachliteratur greifen, und vielleicht vorher noch eine Bodenanalyse durchführen lassen.
Bedenken Sie bitte, dass wiederholtes falsches Düngen letztendlich unnötige Kosten verursacht und über Boden und Grundwasser die Umwelt erheblich schädigt.

Unsere Winter sind, gemessen an denen in Deutschland, mild. Nicht immer allerdings mild genug für einige subtropische und tropische Pflanzen, die man - da Gärtner häufig das quasi Unmögliche versuchen möchten - auch hier kultiviert. Einige Palmen, Hibiskus und üppige Blattpflanzen kommen ungeschützt nicht durch die (gelegentlichen) Winterextreme. Hier muss für Schutz gesorgt werden. Wer kann, wird sich ein Gewächshaus gönnen. Es lohnt sich.
Wo solch sicherer Schutz nicht möglich, müssen andere Methoden angewendet werden. Man hält Plastiksäcke, Noppenfolie bereit, stellt auch unter Umständen gefährdete Kübelpflanzen auf besonders geschützte Plätze. Meist ist solch ein Schutz vor Januar nicht nötig. Aber man muss sich jedenfalls schon im Herbst auf extreme, auch eventuell plötzlich einsetzende Niedrigtemperaturen vorbereiten.
Im übrigen ist gerade der mediterrane Herbst eine wundervolle Zeit für alle Gärtner.
Ich wünsche Ihnen viel Freude in Ihrem Paradies.

 

Impressum Garten:

Ihre Garten-, Natur- und Landschaftsseiten werden fachlich betreut von:

Walter Schmidt
Gartengestalter
St.Maria-Alaró
e-mail: schmidtvogel@T-online.de
Autor von u.a. der neuen mediterranen Gartenbau-Enzyklopädie: HORTUS MEDITERRANEUS.


  
 
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