Lieber Garten- und Naturfreund,
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| © Klaus Siepmann |
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wenn auch der Frühling bis zum Frühsommer die spektakulärste
Gartenperiode ist, die Zeit, in der die meisten Pflanzen in Blüte
stehen oder besonders attraktiv aussehen, so ist es doch gerade der
Herbst, auf den sich der aktive Gärtner ganz besonders freut. Denn
jetzt ist endlich die Zeit gekommen, in der all das gepflanzt und gesät
werden kann, was man sich für die kommende Saison so vorgenommen
hatte.
Nach der trockenen Hitze des Sommers atmen Flora und Fauna wieder auf,
die Blumenwiesen ergrünen aufs neue, die wärmespeichernde
Kraft des Meeres sorgt dafür, dass (üblicherweise) bis
Weihnachten wohltuend milde Temperaturen vorherrschen, die es angenehm
machen, draußen im Garten zu arbeiten.
Nur wer im Herbst pflanzt, gibt seinen Neuzugängen genügend
Zeit, bis zum kommenden Sommer richtig einzuwachsen.
Der Herbst ist die beste Pflanzzeit, besonders für Gehölze.
Gärten, die in dieser Hinsicht noch nicht komplett sind, werden
jetzt weiter bestückt.
Im Sommer hatte man genügend Zeit zu überlegen, was noch dazu
kommen sollte, und wo man die Pflanzen kaufen könnte, oder man
hat sogar vorbestellt. Obst, Mandeln, Weinstöcke und Johannisbrotbäume
wird man unter Umständen günstig in den bäuerlich-genossenschaftlichen
Handlungen erwerben.
Zur Bodenverbesserung hat man einige Kubikmeter Kompost bei der nächsten
depuradora (Kläranlage) geordert, und alle eigenen gesiebten Kompostreserven
hält man bereit, um das Pflanzsubstrat beim Einpflanzen vor Ort
optimal verbessern zu können..
Aber entscheidend wichtig ist natürlich die ausreichende
Bodenfeuchtigkeit von Oktober bis Mai. Der Gärtner hat dafür
zu sorgen, dass besonders in dieser Vegetationszeit die Pflanzen
immer reichlich mit Feuchtigkeit versorgt sind.
Im Sommer muss man sie nur so über die Runden bringen, aber
im Rest der Jahres regeneriert und wächst die Flora, da muss
man richtig und ausreichend wässern. Viele Gärtner machen
das falsch. Sie sind so auf die extrem trocken-heiße Jahreszeit
fixiert, die ja für den Großteil der Pflanzenwelt nur eine
Wachstumspause darstellt, dass sie die eigentlichen Vegetationszeiten,
Herbst, Winter und Frühjahr, vergessen.
Der Herbst ist aber nicht allein die erste langersehnte Arbeitsperiode
nach der zwangsweisen Sommer-Ruhepause. Gleichzeitig mit ihrer Regenerierung
fangen auch eine Reihe von Pflanzen wieder an zu blühen, zum Beispiel die Rosen, deren Herbstblüte sich bis Weihnachten hinziehen
kann. Für den Garten ist es natürlich wichtig, einige gut
remontierende Sorten zu besitzen. Bei Neu-Käufen darauf achten
und Sorten wählen, die sicher im Herbst "wiederkommen"
; bei Freunden und Bekannten aufmerksam beobachten, was jetzt im Herbst
besonders gut blüht (Stecklinge).
Von den Alten Rosen blühen die Bourbon-Hybriden: 'Commandant Beaurepaire',
'La Reine Victoria', 'Mme Isaac Pereire'!, 'Mme Pierre Oger', 'Zephirine
Drouhin'. Alle werden Büsche von ca. 2 m Höhe. Dann die Chinensis-Hybriden,
die Herbst-Damaszener, die Noisette-Rosen ('Crépuscule' -4m,
remontiert nur schwach, ist aber hier eine der schönsten aller
Rosen).
Für eine üppige Frühjahrsblüte sorgen unter anderem auch
die Ein- und Zweijährigen, von denen man sich mit Saat eingedeckt
hat. Eventuell auch bei Freunden und Bekannten geerntet. Zwiebel- und
Knollenpflanzen sind ebenfalls jetzt zu setzen. Manchmal ist es problematisch,
bestimmte Zwiebeln und Knollen schon im Herbst zu bekommen, da nördlich
der Alpen für die winterzarten Gattungen die Pflanzzeit erst im
Frühjahr beginnt. Wenn man jedoch bei den Spezialhandlungen rechtzeitig
vorbestellt, ist meistens auch eine vorgezogene Herbstlieferung möglich.
Ab Oktober kann gepflanzt und ausgesät werden
Von den Einjährigen will man vielleicht die Mohnblüte durch
Hybridfarben aufpeppen.
Calendula, Amaranthus, Dimorphotheca, Echiums, Elsholzia, Kochia, Lavatera,
Linum, Portulaca, Tagetes und Zinnia könnten ebenfalls im nächsten
Jahr in unserem Klima protzen.
Bei den Geophyten (Zwiebeln und Co.) sind Bart-Iris richtige Mittelmeerfans.
Es gibt sie in niedrigen (15-25cm), mittelhohen (30-50cm) und hohen
Sorten (70-90cm). In keinem Klima blühen sie so intensiv wie hier.
Man muss sie in Massen setzen, möglichst in Trupps nicht unter
50 Stück, um ihre volle Schönheit sich entwickeln zu lassen.
Neuzüchtungen sind meist recht teuer, sind auch eher etwas für
Spezialisten, für uns nicht unbedingt nötig. Nehmen wir doch
lieber die alten und bewährten Sorten.
Wer Claude Monet kopieren möchte, pflanzt blau blühende Iris
unter Olivenbäume. Wunderbar! Die Einzelblüten der Iris halten
nicht lange, aber zur allgemeinen Blütezeit kommen immer wieder
- über Wochen hin - neue Blüten nach.
Freesien sind bei uns ebenfalls zu Hause. Zur Blütezeit durchströmt
deren Duft den ganzen Garten. Jahr für Jahr kommen sie wieder,
und immer werden es mehr.
Den intensivsten, geradezu überwältigenden Duft allerdings
produzieren die wachsweißen Blüten der Tuberose (Polyanthes
tuberosa), die aus der Agaven-Familie kommt. Sie wurde schon in präkolumbianischen
Zeiten in Mexiko kultiviert. (Z.B. parfümierte man mit ihrem Duft
Schokolade.) Ab Herbst und über Winter haben die Pflanzen ihre
Ruhezeit, da wollen die Knollen es frostfrei und relativ trocken! Das heißt
in Beeten werden wir ihre Standorte gegen zu starke Winternässe
mit Folie schützen müssen. Mit dem Neutrieb ab Frühjahr
werden sie gleichmäßig feucht gehalten und 14tägig mit
leichten Volldüngergaben gestärkt. Auch sollte ihr Boden etwa
zu 50% aus Humus (Kompost; reichlich organisch mulchen) bestehen. Auf
Schattenbeeten unter Bäumen werden wir eventuell versuchen, Wildalpenveilchen
anzusiedeln. Auch Hybridzüchtungen von Alpenveilchen, die von vielen
Zeitgenossen, da sie nicht wissen, wie man sie weiter kultiviert, oder
weil sie weder Platz noch Zeit zur Pflanzenpflege haben, leider einfach
nach der Blüte im Hause weggeworfen werden, eignen sich dazu, im
Garten ausgepflanzt zu werden. Auch sie kommen Jahr für Jahr wieder
und werden sich unter Umständen langsam vermehren.
Wer Gärtnern Geschenke zu machen hat, liegt immer richtig, wenn
er Einjährigen-Saat oder Zwiebeln und Knollen schenkt. Kein Garten,
und sei er auch schon quasi komplett, in dem nicht noch für solche
Pflanzen Platz wäre.
Aber nicht allein für ausreichend Feuchtigkeit sollte in der Herbst-Winter-Saison
gesorgt werden. Auch sollte parallel zur Feuchtigkeit Dünger her,
wenn man im Garten eine gewisse Üppigkeit erreichen möchte.
Blumenwiesen wird man eher mager halten, in Stauden- und Gehölzrabatten
über den organischen Mulch (Kompost) düngen - und das reicht
völlig aus.
Blütenpflanzen werden vor dem Winter noch einmal leicht im Oktober
bedacht, und dann wieder nach der winterlichen Kälte Ende Februar- Anfang
März. -
Aber bitte nicht die wahllosen Rundumschläge mit Volldüngern! -
In unseren, stark kalkhaltigen Böden gibt man generell (unmittelbar
vor zu erwartenden heftigeren Regenfällen) Ammoniumsulfat und Magnesiumsulfat.
Jeweils 1 Zentner reichen für 6 000m². Wer es genauer wissen
möchte, sollte zur Fachliteratur greifen, und vielleicht vorher
noch eine Bodenanalyse durchführen lassen.
Bedenken Sie bitte, dass wiederholtes falsches Düngen letztendlich
unnötige Kosten verursacht und über Boden und Grundwasser
die Umwelt erheblich schädigt.
Unsere Winter sind, gemessen an denen in Deutschland, mild. Nicht
immer allerdings mild genug für einige subtropische und tropische
Pflanzen, die man - da Gärtner häufig das quasi Unmögliche
versuchen möchten - auch hier kultiviert. Einige Palmen, Hibiskus
und üppige Blattpflanzen kommen ungeschützt nicht durch die
(gelegentlichen) Winterextreme. Hier muss für Schutz gesorgt
werden. Wer kann, wird sich ein Gewächshaus gönnen. Es lohnt
sich.
Wo solch sicherer Schutz nicht möglich, müssen andere Methoden
angewendet werden. Man hält Plastiksäcke, Noppenfolie bereit,
stellt auch unter Umständen gefährdete Kübelpflanzen auf besonders geschützte
Plätze. Meist ist solch ein Schutz vor Januar nicht nötig.
Aber man muss sich jedenfalls schon im Herbst auf extreme, auch
eventuell plötzlich einsetzende Niedrigtemperaturen vorbereiten.
Im übrigen ist gerade der mediterrane Herbst eine wundervolle Zeit
für alle Gärtner.
Ich wünsche Ihnen viel Freude in Ihrem Paradies.