Lieber Garten- und Naturfreund,
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| © Klaus Siepmann |
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haben Ihre Rosen auch so verschwenderisch geblüht? In den letzten Jahren gibt es zum Glück doch reichlich Winter- und Frühjahrsregen.
Die Sommerarbeit mit den Rosen beschränkt sich auf das Herausschneiden des trockenen Holzes, Anbinden und Leiten bei den Rankrosen, seltenes Spritzen gegen Mehltau und Rosenrost.
Die vielen Schnittmaßnahmen, welche in Deutschland bei Rosen nötig sind, kann man sich hier im Mittelmeerraum schenken. Es sei denn, man möchte hauptsächlich ausgesprochene langstielige Schnittrosenqualitäten erzeugen oder man wünscht eine einheitlich hohe Beetstruktur.
Üblicherweise wird man im Privatgarten den Rosen erlauben, ihre Eigentümlichkeiten mehr auszuleben, die sich auch dadurch prononcierter zeigen, weil wir hauptsächlich Rosen auf ihren eigenen Wurzeln, und nicht auf eine vereinheitlichende Wildlingsunterlage veredelt, ziehen.
Bei mir bekommen die Rosen im Sommer nur eine Überbrückungsbewässerung, ich lasse ihnen ihre Sommerpause. Erst im Herbst sollen dann die remontierenden mit ihrer großen zweiten Blütenperiode beginnen.
Ohne den säubernden und ordnenden Schnitt geht es in keinem Garten. Im Sommer schneidet man, nicht nur bei den Rosen, das Trockenholz heraus. Ebenfalls bei allen Gehölzen die zu üppig erschienenen Wassertriebe (schnell aufgeschossene, weiche Ruten) und alles Kranke. Oleaster- und Algarobo-Hecken kann man eigentlich jederzeit wieder in Form bringen, also auch im Sommer.
Gehört der Mai hier im Süden schon zum Sommer? - Was die Gartenarbeiten angeht, eigentlich ja.
Auf und in vielen Mauern auf Mallorca blüht im Mai eine wunderschöne Wildrose, die ich für mich neu entdeckt habe. Sie führt den Beinamen sempervirens, weil immergrün. Im Mallorquinischen heißt sie Gavarrera oder Roser bord.
Ihre herrlichen weißen Blütendolden mit den leuchtend gelben Staubgefäßen im Zentrum der einfachen Blüten verleiten Pflanzenenthusiasten dazu, weniger auf den Weg als auf die wunderschöne Begleitflora der Straßen zu achten. Vorsicht!
Wie die meisten Rosen, so hat auch diese Wildrose Stacheln. (Alle Rosen haben Stacheln und keine Dornen.) Und wer sein Grundstück „schwerer einnehmbar“ gestalten möchte, sollte an den Grenzen unter anderem diese zauberhafte Mallorquinerin pflanzen.
An weiteren Wildrosen existieren auf der Insel noch:
Rosa arvensis mallorquin Gavarrera
Rosa pouzinii u.a. im Torrent de Pareis und in der Nähe von Pollenza
Rosa rubiginosa Regina
Rosa agrestis
Rosa micrantha
aber die bei weitem edelste dieser wilden ist und bleibt die immergrüne Rose, welche aber auch sonst im Mittelmeerraum vorkommt, überall dort, wo man Oliven anbauen kann.
Nicht zu vergessen, dass diese Pflanzen auch in der Volksmedizin eine Bedeutung hatten, sodass man sie zu recht auch im Kräutergarten unterbringen könnte.
In meinem Beitrag zum mallorquinischen Garten im Frühling hatte ich auf die Bart-Iris hingewiesen.
Die Bart-Iris-Gruppen sollte man nach 4-5 Jahren an einer Stelle, wenn die Pflanzen eingezogen haben, aufnehmen und teilen, weil sie sonst zu sehr in ihrer Vitalität nachlassen. Man schneidet oder bricht sie an den Verbindungsstellen der Knollen durch, lässt diese Wunden einen Tag im Schatten abtrocknen, und setzt die Pflanzen (die ehemals äußeren, nicht die überalterten inneren Knollen) weiter distanziert darauf in ein neues mit Humus verbessertes Beet.
Ganz ohne Wässern kommt auch der ökologischte Gärtner im Sommer nicht aus.
Natürlich wird ausschließlich nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang gewässert. Übrigens ist die frühmorgendliche Gartenarbeit vor dem Frühstück – so intensiv, dass es wenigstens zu leichter Schweißbildung kommt – das allerbeste und verträglichste Mittel gegen den Alkoholkater von der gestrigen Terrassen-Nacht!
Wer noch keinen Kompostkasten hat, sollte sich jetzt mit einem praktischen Zweikammersystem versehen. Man mindert die Abfallmengen, statistisch gesehen, um ein Drittel. Und für den Boden ist es das Beste, was man in diesen humusarmen Regionen überhaupt tun kann. Kompost ist die ideale Nahrung für das gesamte Bodenleben. Wir Gärtner müssen alle Pioniere der Kompostbewegung werden. In England wird kompostiert, in Frankreich, natürlich in den Benelux-Ländern, in Deutschland...nur dort, wo man Humus am allernötigsten braucht, ist die Sache mit der Kompostierung nicht populär. Das muss sich ändern!
Der Sommer ist auch die Zeit der Planung, z.B. für Gartenbesichtigungen (Exkursionen: meist im Frühling und Herbst), der fachlichen Weiterbildung durch Literatur, der regelmäßigen kritischen Besuche in allen regionalen Gärtnereien und Baumschulen, um deren Leistungsfähigkeit und Sortimente kennen zulernen.
Es gibt Reiseveranstalter, die weltweit spezielle Gartentouren zusammenstellen. Da kann man dann Gärten besichtigen, in die man üblicherweise als einzelreisende Privatperson gar nicht herein käme. Bei seriösen Unternehmen werden solche Touren von kompetenten Garten-Fachleuten begleitet, sodass ein Höchstmaß an Informationen gewährleistet ist. Zu den Standardprogrammen gehören Rundreisen im Bereich der norditalienischen Seen und der Cote Azur. Also Gärten, von denen wir uns alle sicherlich eine Fülle an Anregungen holen können. (z.B. Mercury-Tours: www.gardentours.co.uk und andere Veranstalter im In- und Ausland)
Interessant sind für alle Gartenliebhaber nationale und internationale Gartenausstellungen, selbst, wenn sie hauptsächlich für den nördlicher-europäischen Markt veranstaltet werden.
Fast immer kann man von solchen großen Messen eine Fülle an Anregungen mitnehmen.
Wichtig für die weitere Planung und Erweiterung des Gartens sind die diversen Kataloge der Baumschulen, Gärtnereien und Pflanzenversandhäuser. Da braucht's Zeit und sorgfältiges Studium. Und bei Besonderheiten, die selten in größeren Stückzahlen lieferbar sind, muss man rechtzeitig, das heißt ein halbes Jahr vorher, bestellen.
Bei Bäumen und Sträuchern muss man auf den Versandhandel hoffen, wenn man Besonderheiten haben möchte. Mit Mühe kann man auf Mallorca ein Standardprogramm zusammenstellen. Doch auch das ist bisher leider noch nicht sicher. Andererseits findet man manchmal auch in den hiesigen Baumschulen regelrechte Raritäten. Dazu noch preiswert.
Allerdings erfordert das, dass man mehr oder weniger regelmäßig sich in den Baumschulen und Pflanzencentern umsieht, was denn so gerade angeboten wird. Und dabei gibt es dann hin und wieder diese sehr erfreulichen Überraschungen – meistens allerdings nicht.
Wenn man allerdings etwa fündig wird, sollte man in den meisten Fällen die Pflanzen im Topf belassen und in den Schatten stellen und erst im Herbst auspflanzen. Im Sommer ist ein Auspflanzen – selbst mit vollständiger Schattierung – mit viel Arbeit und hohem Risiko behaftet.
Gepflanzt werden im Sommer eigentlich nur Palmen, sonst nichts. Die meisten Palmen wollen auch im Sommer viel Wasser und regelmäßige Düngung. Damit kann man die sonst eher langsam wachsenden doch erheblich in ihrem Wuchstempo beschleunigen.
Ein praktischer Hinweis nebenbei: Wenn Sie zum Wässern (auch) einen Schlauch verwenden, so sorgen Sie unbedingt dafür, diesen im Schatten aufzubewahren, bzw. Schattengewebe überwerfen, dann hält er viele Jahre länger und es lohnt sich noch mehr, eine der (fast) knickfreien besseren, aber recht teuren Qualitäten zu erwerben.
Dort, wo es sich im Garten ausgeblüht hat, wird man Saat ernten können. Das ist meist schnell getan und mit wenig Mühe verbunden. Allen Gartenfreunden kann man mit Sämereien hocherwünschte Geschenke bereiten. Nicht zu vergessen alle die Pflanzen, von denen wir selber gern in den nächsten Jahren mehr in unseren Gärten hätten. Die Saat der Hybridrosen – wie aller Hybriden - ergibt (sh. Vererbungs-Gesetze nach Mendel) leider keine Nachkommenschaft mit identischen Eigenschaften. Aber wer die Überraschung liebt, sollte einmal ausprobieren, was dabei herauskommt. Manchmal ist es auch ein attraktiver Treffer. Viel Glück!
Lavendel-Blüten werden am frühen Morgen im Hochsommer geerntet und vorsichtig im Schatten getrocknet. In der häuslichen Apotheke gebraucht man sie für Tinkturen und Infusionen und für Duftkissen, unter anderem im Wäscheschrank. Wer in der sommerlichen Garten-Ruhezeit, wärend der schönen langen Siesta, Lesestoff benötigt, dem sei Dorling Kindersley's The Encyclopedia of Medicinal Plants empfohlen. Eines der kompetentesten Werke seiner Art, das auch in deutscher Sprache erschienen ist.
Wie steht es übrigens sonst in Ihrem Garten mit den Duftpflanzen? In einem Garten für alle Sinne dürfen sie nicht fehlen. Ich meine jetzt diejenigen, welche mit ambrosischen Gerüchen spontan die Gartenatmosphäre würzen, denn es gibt auch sehr viele Pflanzen, die nur, wenn man sie streift oder Teile von ihnen zwischen den Fingern reibt, ganz charakteristisch duften – oder stinken. Sicher ist bekannt, dass auch die tollsten (Blüten-)Duftpflanzen meist nicht Tag und Nacht gleichmäßig stark oder überhaupt permanent duften. Einige duften tags, andere nachts, wieder andere immer in unregelmäßigen Schüben. Einige Düfte sind zart unaufdringlich, andere so schwer, dass man davon Kopfschmerzen bekommen kann. Letztere sollte man nicht zu nah an die Terrasse oder ans Haus kommen lassen.
Vor einigen Jahren war ich hier von Freunden in ein Restaurant eingeladen worden. Man speiste draußen in der milden Sommernachtluft unter sternklarem Himmel. Die Speisen waren vorzüglich zubereitet – jedenfalls vermute ich das. Denn leider standen in der Strauchrabatte, drei Schritt von unserem Tische entfernt, zwei blühende Sträucher des Galan de la noche (Cestrum nocturnum), die die Speisenden gnadenlos mit ihren Duftwolken umklammerten, sodass bei allen Speise-Gängen sich immer wieder der Eindruck vordrängte, man befinde sich auf einer Drei-Sterne-Toilette und kaue auf extrem parfümierter Seife. Also Vorsicht!
Duft sollte schon sein, aber man muss sich informieren, die richtige Note wählen und mit ihm bewusst umgehen. Auch das ist ein Teil der sommerlichen Weiterbildung.
Es ist eine schöne Geste, die Wege zum Haus und zur Terrasse und die begleitenden Pflanzen in den Rabatten und die Zypressen, wenn man im Sommer abends Gäste empfangen wird, kurz bevor diese erscheinen, mit Wasser abzuspritzen bzw. zu überbrausen. Die Kühle des Wassers, der Duft der benetzten Erde und erfrischten Pflanzen wird immer als ein köstlicher Willkommensgruß empfunden.
Und womit könnte man den Garten hier noch schmücken? Jetzt denken wir doch einmal über Gartenornamente und Schmuckobjekte nach:
Eine Vogeltränke zieht nicht allein die gefiederten Freunde besonders im Sommer in unseren Garten, die Vögel, welche uns einen Großteil der Ungezieferbekämpfung abnehmen, sondern die Tränken selbst geben Gelegenheit, ein schönes künstlerisch gestaltetes Gartenelement der Gesamtkomposition einzufügen.
In den formal angelegten Kräutergarten würde sich zwanglos eine Sonnenuhr integrieren lassen.
Um die Luftbewegung hörbar zu machen und die Ruhe des Gartens sanft zu kontrapunktieren, hängen wir an geeigneter Stelle ein Windspiel aus Metall oder Bambus auf. Letztere gefallen mir am besten. Ihre zufälligen weich-dumpfen Tonfolgen entspannen das Gemüt und mischen sich gefällig mit dem Gezwitscher der Vögel.
Auf die am besten geeigneten Zeitschriften wollen wir Sie hinweisen:
Es sind dies: Gartenpraxis (Deutschland; Ulmer-Verlag); Mon Jardin & ma Maison (Frankreich) und The Garden (Zeitschrift der Royal Horticultural Society, England).
Das Buchangebot ist – besonders in englischer Sprache – was die Gartenliteratur angeht, gewaltig. Spezielle Literatur für die Gärtnerei in der Mediterraneis ist dagegen auch da eher selten. Am besten unformiert man sich in den Katalogen der großen Versandbuch-handlungen im Internet.
Alles das eine ideale "Gartenarbeit" für den Sommer.
Wir wünschen Ihnen eine nicht zu heiße Jahreszeit, und dass ihr Garten gut den Sommerstress übersteht.
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Ihre Garten-, Natur- und Landschaftsseiten werden fachlich betreut von:
Walter Schmidt
Gartengestalter
St.Maria-Alaró
e-mail: schmidtvogel@T-online.de
Autor von u.a. der neuen mediterranen Gartenbau-Enzyklopädie: HORTUS MEDITERRANEUS.
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